
Siemens-Chef Roland Busch treibt den Umbau des Konzerns voran, doch die Vision bleibt für viele Beteiligte noch vage.
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Siemens strebt unter Roland Busch eine Transformation zum integrierten Technologiekonzern an. Das Programm 'One Tech Company' wurde vor zwei Jahren auf der SBC 2024 intern vorgestellt.
Bei der Nvidia-Tour durch Europa haben viele und große Unternehmen Jensen Huang hofiert. Der Chef des US-Chipkonzerns ist derzeit der unumstrittene Superstar in der Tech-Branche. Nvidia ist an der Börse deutlich mehr wert als die deutschen Dax-40-Unternehmen zusammen.
Eines der wenigen Unternehmen, die Nvidia halbwegs auf Augenhöhe begegnen können, ist Siemens. Nicht im Hinblick auf Marktkapitalisierung, doch spielt Siemens bei industrieller KI weltweit bis jetzt eine führende Rolle, weil es tief digital und physisch in den Fabriken auf der Welt verwurzelt ist. Ohne Siemens ist selbst für ein Nvidia der Weg ins industrielle Metaverse schwierig.
Mit seinem „One Tech Company“-Programm will Siemens-Chef Roland Busch den Konzern für die Zukunft schlagkräftiger und noch unersetzbarer machen. Der heikle Umbau mitten im laufenden Betrieb ist bisher ohne ganz große Friktionen verlaufen. Es hilft, dass Siemens aus einer Position der Stärke agiert, weil die Geschäfte hervorragend laufen. Bei der Führungskräftetagung in dieser Woche war die Stimmung denn auch gut.
Und doch muss Busch seine „One Tech Company“-Vision intern noch besser erklären. Zwar stehen inzwischen fürs Erste die neuen Organigramme. Doch ist intern wie extern vielen auch zwei Jahre, nachdem der Begriff der „One Tech Company“ von Busch auf der SBC 2024 erstmals intern vorgestellt wurde, noch so manches unklar.
Denn alle wissen: An der Struktur dürfte es weitere Veränderungen geben, sie ist bislang kaum weniger komplex geworden. Auch muss Busch noch besser erläutern, wie das „One Tech Company“-Programm die Geschäfte konkret verbessern soll und welche Wachstumsziele damit erreicht werden können.
Kurzum: Das ganz große Bild hat Busch bislang nur ansatzweise gezeichnet. In den vergangenen beiden Jahren waren die Erwartungen vor Bilanzvorlagen, Kapitalmarkttagen und Führungskräftetagungen hoch. Doch das Bild blieb vage und formte sich eher in kleinen Schritten. Dabei wird der integrierte Technologiekonzern, der ihm vorschwebt, ja sein Erbe sein, wenn er den Vorstandsvorsitz 2030 abgibt.
Allerdings hat die ungewöhnlich lange Phase der Unsicherheit auch nachvollziehbare Gründe. Die Führung um Busch hat sich bewusst entschieden, nicht ein fertiges Programm von oben zu verkünden und dann nach unten durchzusetzen. Struktur und Strategie werden in einem geordneten Prozess in Teams erarbeitet – womöglich weiß selbst in der Führung noch niemand, wie der Konzern in zwei oder drei Jahren ganz genau aussehen wird.
In disruptiven Zeiten – Künstliche Intelligenz hat das Tempo der Veränderung noch einmal beschleunigt – ist Transformation aber ohnehin nie abgeschlossen, sondern ein permanenter Prozess. Nur wenn der gelingt, kann Siemens im Kreis der Top-Tech-Konzerne bleiben – und vielleicht auch beim Börsenwert zumindest ein wenig zum großen Vorbild Nvidia aufschließen.

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