Kriegsgeschehen in der Ukraine und internationale Reaktionen
Kanzler Merz reist nach Kiew, Milliardengeschäfte in der Rüstungsindustrie und anhaltende russische Angriffe
Quick Look
- Während des Kiew-Besuchs von Bundeskanzler Merz kommt es zu Luftangriffen.
- Deutsche und ukrainische Rüstungsfirmen schließen Milliardenverträge.
- Gleichzeitig melden Behörden Tote und Verletzte bei Angriffen in Charkiw, Slowjansk und Odessa.
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Why It Matters
Der anhaltende russische Angriffskrieg gegen die Ukraine führt zu fortlaufenden Zerstörungen und internationalen Rüstungskooperationen.
Eva Glaser
Lettland: Deutschrusse wegen Militärhilfe für Russland verurteilt
In Lettland ist ein Deutschrusse zu sieben Jahren Gefängnis und einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden, weil er Gelder und Güter an russisches Militärpersonal gesammelt und weitergegeben haben soll. Darunter sollen etwa Nachtsichtgeräte und Teleskope gewesen sein, meldete die lettische Nachrichtenagentur Leta unter Berufung auf das zuständige Gericht in Riga.
Das Urteil gegen den Mann mit deutscher und russischer Staatsangehörigkeit ist noch nicht rechtskräftig. Es basierte auf Korrespondenz, Fotos und Videos, die auf dem Mobiltelefon sichergestellt wurde. Der Verurteilte bestritt die bewusste Lieferung sanktionierter Militärgüter. Nach eigenen Angaben transportierte er aus humanitären Gründen in seinem Fahrzeug Hilfsgüter wie Rollstühle, Krücken und Windeln. Vor Gericht sagte er einem Bericht des lettischen Rundfunks zufolge aus, er habe die Nachtsichtgeräte Jägern gegeben.
Julius Stockheim
Ein Toter bei russischem Angriff auf Slowjansk
Bei einem russischen Angriff auf die Gemeinde Slowjansk in der ostukrainischen Region Donezk ist ein Mensch getötet worden. Das teilte Wadym Ljach, Leiter der Militärverwaltung der Stadt, mit. Er rief die Bewohner dazu auf, das Gebiet zu verlassen und nicht auf eine verpflichtende Evakuierungsanordnung zu warten.
Julius Stockheim
Putin genehmigt Verkauf von russischer UniCredit-Tochter
Der russische Präsident Wladimir Putin hat den Verkauf des Russlandgeschäfts von UniCredit genehmigt. Ein entsprechendes Dekret zur Umstrukturierung der Tochtergesellschaft der italienischen Großbank und zum anschließenden Verkauf der neu geschaffenen Einheit wurde am Montag auf der Website der russischen Regierung veröffentlicht.
Die Transaktion bedurfte der Zustimmung des Präsidenten: Russland hat strenge Auflagen für Geschäfte mit Vermögenswerten von Investoren aus Ländern erlassen, die von der Regierung in Moskau als „unfreundlich“ eingestuft werden. UniCredit hatte im Mai eine unverbindliche Vereinbarung über den Teilverkauf mit einem etablierten privaten Investor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten unterzeichnet. Das Institut plant, sein Russlandgeschäft in zwei Teile aufzuspalten.
Es will die volle Kontrolle über den Zahlungsverkehrsbereich zur Abwicklung internationaler Zahlungen für nicht sanktionierte Firmenkunden behalten, während der nicht namentlich genannte Käufer aus den Emiraten den Rest übernehmen soll. Das Mailänder Geldhaus rechnet bei dem Geschäft nach vorherigen Angaben mit einer Ertragsbelastung von 3,0 bis 3,3 Milliarden Euro.
Julius Stockheim
Handelsschiff nach russischem Angriff gesunken
Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Frachtschiff im Schwarzen Meer sollen mindestens zwei Menschen getötet worden sein. Das teilten die rumänischen Behörden mit. Elf weitere Menschen seien gerettet worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb am Montag auf der Plattform X, zwei Drohnen hätten das Schiff im Besitz der Türkei in neutralen Gewässern attackiert.
Das Schiff, das Mais transportiert habe, sei in Brand geraten und später gesunken. Der Tod des Kapitäns sei bestätigt. Das Schicksal einer weiteren Person werde noch geklärt, schrieb Selenskyj abweichend von den rumänischen Angaben. Auch Selenskyj sprach von elf Geretteten, darunter eine verletzte Person. An Bord hätten sich Staatsbürger Aserbaidschans und Indiens befunden.
Julius Stockheim
Russland: Haben Versorgungsschiff für ukrainisches Militär getroffen
Russland hat eigenen Angaben zufolge ein Frachtschiff im ukrainischen Schwarzmeerhafen Piwdennji beschossen. Das Schiff sei zur Versorgung des ukrainischen Militärs eingesetzt worden, teilt das russische Verteidigungsministerium mit.
Julius Stockheim
Ukraine: Drei Tote bei russischem Luftangriff auf Charkiw
Bei einem russischen Luftangriff mit Lenkbomben auf die nordostukrainische Stadt Charkiw sind den örtlichen Behörden zufolge drei Menschen getötet worden. 25 weitere Menschen seien verletzt und Wohngebäude sowie Lagerhallen beschädigt worden, teilt Bürgermeister Ihor Terechow auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit.
Marie Boms
Ukrainische Luftwaffe: Jet-Drohnen mit Robotergeschützen abgefangen
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben erstmals russische Drohnen mit Strahlantrieb mithilfe automatisierter Geschütztürme abgeschossen. Zu den abgewehrten Drohnen habe auch der Typ Geran-5 gehört, teilte die ukrainische Luftwaffe mit. Bei den Abschüssen komme maschinelles Sehen zum Einsatz, sagte Luftwaffensprecher Juri Ihnat im ukrainischen Fernsehen. „Künstliche Intelligenz macht es möglich, sogar Drohnen mit Strahlantrieb zu bekämpfen.“
Julius Stockheim
Kiew installiert KI-gesteuerte Geschütze gegen russische Drohnen
Die Ukraine setzt in der Hauptstadt Kiew nach Angaben eines Präsidentenberaters KI-gesteuerte Geschütze zur Abwehr russischer Drohnen ein. Zwölf automatische Geschütztürme seien bereits installiert worden, weitere sollten folgen, teilte Serhij Beskrestnow in sozialen Medien mit.
Bei den Anlagen handele es sich um Maschinengewehre, die mithilfe Künstlicher Intelligenz gesteuert würden und russische Shahed-Drohnen mit Strahlantrieb abschießen sollten. Kiew ist immer wieder Ziel russischer Drohnen- und Raketenangriffe. Luftalarm und Explosionen gehören für die Bewohner der ukrainischen Hauptstadt inzwischen zum Alltag.
Julius Stockheim
Grenzübergang zwischen Ukraine und Moldau nach Geschoss-Einschlag geschlossen
Nach einem russischen Angriff auf ukrainische Infrastruktur ist der Betrieb an einem Grenzübergang zwischen Moldau und der Ukraine eingestellt worden. Ein Geschoss sei am Montag nahe dem Übergang Palanca-Majaky-Udobne niedergegangen, teilte die moldauische Grenzpolizei mit.
Das Geschoss sei am frühen Vormittag auf dem Boden aufgeprallt und anschließend gegen einen nahe der Schranke geparkten Reisebus geschleudert worden. Der Bus und ein Kontrollhäuschen seien beschädigt worden. Ein Mitarbeiter des Grenzdienstes habe leichte Verletzungen erlitten. Weitere Verletzte habe es nicht gegeben.
Julius Stockheim
Bürgermeister: Toter und Verletzte bei Angriff auf Charkiw
Bei einem russischen Drohnenangriff auf die ukrainische Stadt Charkiw ist nach Angaben von Bürgermeister Ihor Terechow ein Mensch getötet worden. Sechs weitere Menschen seien verletzt worden. Fahrzeuge und ein Verwaltungsgebäude seien in Brand geraten, zudem seien Wohnhäuser beschädigt worden. Das russische Verteidigungsministerium teilte am Montag mit, in der Region Charkiw sei eine Umspannanlage angegriffen worden. Zudem seien Energie- und Hafeninfrastruktur sowie vom ukrainischen Militär genutzte Schiffe attackiert worden.
Julius Stockheim
Kallas: Russland gefährdet mit hybriden Angriffen Leben in ganz Europa
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas wirft Russland vor, mit hybriden Angriffen Menschenleben in ganz Europa zu gefährden. In den vergangenen Wochen habe es einen starken Anstieg russischer Sabotageversuche und Luftraumverletzungen gegeben, sagt Kallas bei einer Pressekonferenz mit dem moldauischen Ministerpräsidenten Vasile Tofan in Brüssel. Dass am Wochenende erneut russische Raketen und Drohnen den Luftraum von Moldau verletzt hätten, sei völlig inakzeptabel.
Julius Stockheim
51 Prozent der russischen Raffineriekapazität Ukraine zufolge ausgefallen
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben mehr als die Hälfte der russischen Ölraffineriekapazität außer Betrieb gesetzt. Jüngste Attacken auf Raffinerien unter anderem in Moskau, Jaroslawl, Ust-Luga, Perm, Saratow und Sysran hätten 51 Prozent der Kapazität lahmgelegt, teilte das ukrainische Verteidigungsministerium mit. Unabhängig überprüfen ließ sich die Angabe zunächst nicht.
Der ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara erklärte, Geheimdienstanalysten, der Generalstab und sein Ministerium hätten die Auswirkungen der Angriffe auf Ziele tief im Inneren Russlands ausgewertet. Die ausgefallenen Raffineriekapazitäten seien ein erheblicher Schlag gegen Russlands Wirtschaft und die Fähigkeit Moskaus, Krieg gegen die Ukraine zu führen und die dort kämpfenden Truppen zu versorgen.
Marie Boms
BND-Chef: Unterstützung der Ukraine ist deutsches Kerninteresse
BND-Chef Martin Jäger hat davor gewarnt, die Hilfe für die Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland zurückzufahren. „Die Unterstützung der Ukraine ist deutsches Kerninteresse“, sagt er in der Anhörung der deutschen Nachrichtendienste im Bundestag. Er warnt vor gravierenden Folgen, sollte Russland den Krieg gewinnen. „Es ist eine große Illusion, dass mit Ende des Krieges in der Ukraine der Konflikt mit Russland vorüber wäre.“ Russland verfolge ein expansives, hegemoniales Projekt, das über die Ukraine hinausgehe und etwa das Baltikum umfasse.
Laura Thalmeyer
Russland greift Industrie- und Infrastruktur in Odessa an
Russland hat nach eigenen Angaben in der südukrainischen Region Odessa den Hafen von Wylkowe, Treibstofflager in Tschornomorsk und Frachtschiffe angegriffen. Außerdem habe man ein Kraftwerk in der nordöstlichen Region Charkiw getroffen, teilt das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Die Ziele seien ausgewählt worden, weil sie für militärische Zwecke genutzt würden.
Der Gouverneur von Odessa, Oleh Kiper, bestätigt, dass Industrie- und Hafeninfrastruktur in der Region Ziel massiver russischer Luftangriffe gewesen sei. Alle dadurch ausgelösten Brände seien inzwischen gelöscht. Die Behörden der zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkiw hatten bereits am späten Sonntagabend den Tod eines Menschen bei einem russischen Luftangriff gemeldet. Sechs weitere Menschen seien verletzt worden.
Julius Stockheim
Deutsche und ukrainische Rüstungsunternehmen schließen Milliardenverträge
Deutsche und ukrainische Firmen haben am Rande des Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz in Kiew mehr als ein Dutzend Kooperationsdokumente unterzeichnet. Das ukrainische Verteidigungsministerium vereinbarte etwa mit der Firma Diehl die Lieferung von Tausenden Iris-T-Luftabwehrraketen sowie weiteren Abschusseinrichtungen, teilte die ukrainische Regierung mit. Mit der Firma Hensoldt sei ein Vertrag über Satellitentechnik vereinbart worden.
Die Firma Quantum soll für das Verteidigungsministerium Abfangdrohnen für die schnellen russischen Jet-Drohnen weiterentwickeln und produzieren. Diese sollen nach Unternehmensangaben in der Ukraine gebaut werden und im Winter 2026/27 zur Verfügung stehen. Das Gesamtvolumen aller Absichtserklärungen bezifferte Präsident Wolodymyr Selenskyj auf 8,5 Milliarden Euro. In deutschen Regierungskreisen war von 6,5 Milliarden Euro die Rede. Kanzler Merz hatte angekündigt, dass die Bundesregierung eine weitere Milliarde Euro an Militärhilfe und 350 Millionen Euro für das durch russische Angriffe beschädigte Energiesystem freigegeben hat.
Mit den Energieunternehmen Siemensenergy und 50Hertz Transmission und Amprion wurden Kooperationsvereinbarungen zur Ertüchtigung des ukrainischen Stromnetzes unterzeichnet. Es gab zudem Vereinbarungen zwischen Firmen beider Länder. So will die Firma ARX Robotics künftig mit dem ukrainischen Unternehmen Roboneers bei der Entwicklung unbemannter militärischer Landfahrzeuge zusammenarbeiten. Zudem wurde zwischen Firmen eine Kooperation bei der Produktion von Munition etwa von 155-Milimeter-Artillerie vereinbart.
Julius Stockheim
Merz sind Drohnenangriffe am Sonntag „relativ gleichgültig“
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich unbeeindruckt von den russischen Warnungen wenige Stunden vor seinem Besuch in Kiew und von dem Drohnenangriff während seines Aufenthalts gezeigt. Er sei trotz der Drohungen mit einer großen Regierungs- und Wirtschaftsdelegation angereist, sagte Merz auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in der Hauptstadt. „Das zeigt: Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir lassen uns auch nicht einschüchtern durch einen Dohnenangriff zum selben Zeitpunkt unseres Besuchs.“
Er wisse zwar nicht, ob die Drohungen aus Moskau unmittelbar mit seinem Besuch zusammenhängen, sagte Merz. Er lasse sich davon jedenfalls nicht beeindrucken. „Ich unternehme die Reisen, die ich für richtig halte.“ Insofern sei ihm das Agieren Moskaus „offen gestanden auch relativ gleichgültig“.
Er habe drei Drohnenalarme während seines Aufenthalts bewusst wahrgenommen, sei aber kein Mal in einen Schutzraum gebracht worden. Er gehe davon aus, „dass es keine persönliche Gefährdung für die Mitglieder meiner Delegation und auch für mich persönlich gibt“.
Julius Stockheim
Russland kündigt noch härtere Schläge gegen Ukraine an
Das russische Verteidigungsministerium hat eine noch weitere Verschärfung seiner Schläge gegen Kiew und andere Gebiete der Ukraine angekündigt. Damit reagiere Moskau auf Drohungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, weitere militärische Objekte und Rüstungsbetriebe in Russland anzugreifen, teilte das Ministerium mit. Für die Eskalation trage allein Selenskyj die „volle persönliche und politische Verantwortung“, hieß es. Den Krieg begonnen hatte Russland.
Julius Stockheim
Nach russischer Warnung: Deutsche Botschaft bleibt in Kiew
Nach einer wiederholten russischen Warnung haben die Botschafter Deutschlands und der Europäischen Union demonstrativ verkündet, nicht aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew wegzugehen. „Amen - wir bleiben“, schrieb der deutsche Botschafter Boris Ruge auf der Plattform X. Er antwortete damit auf einen Beitrag der EU-Botschafterin Katarina Mathernova.
Diese hatte ebenso bekräftigt, trotz der Gefahr in Kiew bleiben zu wollen. „Drohungen werden die Unterstützung Europas für die Ukraine nicht aufhalten. Sie erinnern uns nur daran, warum diese Unterstützung so wichtig ist!“, schrieb die Diplomatin. Am Samstag hatte das russische Außenministerium eine Warnung vom Mai an ausländische Staatsbürger und Diplomaten erneuert und sie aufgefordert, Kiew zu verlassen und nicht mehr in die Ukraine zu reisen.
Anna Kipnis
Luftangriff in Kiew während Merz-Besuch – Brücke getroffen
Während des Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz in Kiew war die Stadt Ziel eines russischen Luftangriffs. Die Fahrbahn der Nordbrücke über den Fluss Dnipro sei getroffen worden, erklärte Vitali Klitschko auf Telegram.
In den sozialen Netzwerken kursieren Videos von dem vermeintlichen Angriff. Der Ukraine-Chefkorrespondent der „Financial-Times“, Christopher Miller, teilte ein Video auf „X“, auf dem die Explosion auf der Brücke zu sehen ist.
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Ausbau der Luftabwehr durch neue Rüstungslieferungen
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