
Die beiden Konzerne vertiefen ihre Partnerschaft, um Künstliche Intelligenz und digitale Zwillinge in der industriellen Fertigung in großem Maßstab einzusetzen.
AI-generated summary
Siemens und Nvidia arbeiten seit vier Jahren an der Entwicklung eines industriellen Metaverse. Das Erlanger Werk dient als Pilotstandort für die Integration von KI in die Fertigung.
Das Gerätewerk von Siemens in Erlangen soll zur Blaupause für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Industrie werden. Wie die beiden Konzerne dabei voneinander profitieren wollen.
Siemens und Nvidia wollen das Gerätewerk in Erlangen zur Blaupause für autonome Fabriken entwickeln.
Im Erlanger Werk sind bereits gut 100 KI-Algorithmen in Fertigung, Logistik, Qualitätsprüfung und Instandhaltung im Einsatz.
Siemens und Nvidia erzeugen virtuelle Abbilder neuer Leiterplatten, um die Qualitätsprüfung mit KI-Modellen Wochen vor der physischen Fertigung zu trainieren.
Durch digitale Zwillinge und KI verkürzt sich die Markteinführungszeit neuer Leiterplatten in Erlangen um bis zu 40 Prozent, der Ingenieuraufwand sinkt um bis zu 85 Prozent.
Erlangen. Im Rahmen seiner Investitionstour durch Europa hat der US-Tech-Konzern Nvidia auch im Siemens-Vorzeigewerk in Erlangen Station gemacht. Die beiden Unternehmen präsentierten am Montag eine Reihe von neuen KI-Lösungen für die Industrie und kündigten eine Vertiefung der Partnerschaft an.
„Die historische Chance für Deutschland und Europa liegt darin, Künstliche Intelligenz aus den Rechenzentren in die Fabriken zu bringen – und dort im industriellen Maßstab einzusetzen“, sagte Siemens-Industrievorstand Cedrik Neike. Gemeinsam wolle man das Gerätewerk in Erlangen zu einer „Blaupause für autonome Fabriken in der ganzen Welt machen“, ergänzte Nvidia-Vizepräsident Rev Lebaredian.
Nvidia wirbt in diesen Tagen intensiv um Politik und Unternehmen in Europa. Der US-Konzern baut bestehende Partnerschaften aus und kündigt neue Kooperationen an. Seine Chips bilden häufig die Grundlage für KI-Rechenzentren und KI-Lösungen. Geplant ist zudem eine Partnerschaft mit der Bundesregierung zur Entwicklung von KI-Modellen für die Industrie, wie das Handelsblatt exklusiv berichtete. In dieser Woche wollen sich außerdem zahlreiche Unternehmen auf einem Ableger der Nvidia-Hausmesse GTC in Berlin enger an den US-Konzern binden.
Siemens hatte schon früh ein Bündnis mit Nvidia geschlossen. Vor vier Jahren kündigten Siemens-Chef Roland Busch und Nvidia-Gründer Jensen Huang an, gemeinsam das industrielle Metaverse entwickeln zu wollen. Dieses soll etwa wie ein weiterentwickelter digitaler Zwilling 3D-Simulationen der Fertigung in Echtzeit ermöglichen. Kunden könnten darin praktisch zurückspulen, um Fehler aufzuspüren, und vorspulen, um die Folgen von Änderungen zu sehen.
Als Pilotfabrik dient das Erlanger Gerätewerk von Siemens, das zum weltweit ersten vollständig KI-getriebenen und autonomen Fertigungsstandort werden soll. Hier werden KI-Lösungen entwickelt und in der laufenden Fertigung getestet. Laut Siemens sind bislang gut 100 KI-Algorithmen in Produktion, Logistik, Qualitätsprüfung und Instandhaltung im Einsatz. Auch sind der digitale Zwilling und Augmented Reality, bei der digitale Informationen in die reale Umgebung eingeblendet werden, schon integriert.
Ein Beispiel für die Kooperation von Siemens und Nvidia in Erlangen ist die Qualitätsprüfung von Leiterplatten, den Trägern elektronischer Bauteile. Bislang mussten die Bildverarbeitungssysteme auf den ersten physischen Prototyp warten. Das konnte mehrere Wochen dauern. Anschließend wurden die Inspektionssysteme anhand des Musters manuell eingerichtet.
Siemens und Nvidia erzeugen nun mit digitalen Zwillingen und KI-Modellen von Nvidia fotorealistische virtuelle Abbilder neuer Leiterplatten, noch bevor diese physisch gefertigt werden. Daraus entstehen laut Siemens Tausende künstliche Bilder, die sowohl fehlerfreie Leiterplatten als auch mögliche Defekte zeigen. Mit den virtuellen Datensätzen werden die Systeme zur optischen Qualitätsprüfung Wochen vor dem Produktionsstart trainiert.
Bei neuen Leiterplatten, dem Herzstück der in Erlangen gefertigten Antriebe und Frequenzumrichter, verkürzt sich nach Angaben von Siemens die Markteinführungszeit um bis zu 40 Prozent. Der Ingenieuraufwand sinkt sogar um bis zu 85 Prozent. Insgesamt steigern solche Verbesserungen die Produktivität des Erlanger Werks laut Neike im Schnitt um sieben Prozent pro Jahr.
Solche KI-Lösungen sollen nun kommerziell vermarktet werden. Für Nvidia lohnen sich solche Kooperationen zweifellos, denn sie binden viel Rechen- und Grafikleistung an den US-Konzern, der die 3D-Simulations- und Kollaborationsplattform Omniverse entwickelt hat.
Siemens sieht sich seinerseits als führend bei industrieller KI sowie bei Industriesoftware und Automatisierungstechnik. Es gebe verschiedene Geschäftsmodelle in der Zusammenarbeit, von der beide Seiten profitierten, sagte Neike, ohne ins Detail zu gehen. „Jede Industrie interessiert sich für diese Technologien.“ Nvidia sei ein bevorzugter KI-Kooperationspartner, aber nicht der einzige.
AI outlook — possibilities, not facts
Kommerzielle Vermarktung der in Erlangen entwickelten KI-Lösungen.
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