
Die Bundesregierung plant eine Kooperation mit dem Chipkonzern Nvidia zur Förderung industrieller KI mit staatlicher Anschubfinanzierung.
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Das Soofi-Konsortium wurde im September 2025 gegründet, um leistungsfähige KI-Modelle zu entwickeln. Die Telekom betreibt bereits eine 'Industrial AI Cloud' in Partnerschaft mit Nvidia.
Das Handelsblatt enthüllt eine Kooperation der Bundesregierung mit dem Chipkonzern Nvidia. Das Projekt soll KI in der Industrie fördern – und eine üppige staatliche Anschubfinanzierung erhalten.
Die Bundesregierung plant ein großes KI-Projekt mit dem Chipkonzern Nvidia, das industrielle KI fördern und Deutschland im globalen KI-Wettrennen voranbringen soll. Die Ankündigung ist für den Investitionsgipfel „Invest in Germany“ in Berlin vorgesehen, Nvidia-Chef Jensen Huang wird dort erwartet.
Zum einen soll eine Basis für physische KI entstehen, etwa für Roboter und autonome Fahrzeuge. Zum anderen sollen international konkurrenzfähige KI-Modelle für die Industrie trainiert werden, auf Basis der offenen Nvidia-Modelle Nemotron und Cosmos.
Laut Handelsblatt-Informationen ist der Bund bereit, einen dreistelligen Millionenbetrag zu investieren, unter anderem für Rechenkapazität. Rund ein Dutzend deutscher Unternehmen wie Siemens, Audi und Black Forest Labs sollen sich beteiligen. Aufbauend auf dem Soofi-Konsortium soll das Training bei der Telekom-Cloud „Industrial AI Cloud“ laufen.
Die Bundesregierung sieht in KI eine große Chance für die Industrie, will aber zugleich die Abhängigkeit von den USA begrenzen. Die Partnerschaft mit Nvidia gilt als Übergangslösung, die die Datenhoheit der Unternehmen sichern soll.
Berlin, Düsseldorf, München, San Francisco. Die Bundesregierung plant eine umfangreiche Kooperation mit dem amerikanischen Chipentwickler Nvidia, um Künstlicher Intelligenz (KI) in der Industrie zum Durchbruch zu verhelfen und im weltweiten Wettrennen um die Technologie aufzuschließen. Das erfuhr das Handelsblatt von Personen, die mit dem Vorhaben vertraut sind.
Die Initiative verfolgt zwei Ziele: Zum einen geht es darum, ein Fundament für den Einsatz von physischer KI zu legen, die etwa zum Training von Robotern und autonomen Fahrzeugen benötigt wird. Zum anderen sollen leistungsstarke KI‑Modelle für die Industrie trainiert werden, die international konkurrenzfähig sind.
Nvidia ist mit seinen leistungsfähigen KI-Chips und der darauf abgestimmten Software zum wichtigsten Anbieter für das Training moderner KI-Modelle geworden. Es gibt nur wenige Alternativen. Auch die führenden KI-Entwicklerfirmen Anthropic und OpenAI trainieren ihre Modelle auf Nvidia-Technologie.
Dem Vernehmen nach ist die Bundesregierung bereit, einen dreistelligen Millionenbetrag zu investieren, um das Projekt voranzutreiben. Das Geld soll dafür eingesetzt werden, Rechenkapazität einzukaufen und neue KI-Modelle zu trainieren. Auch Nvidia will offenbar einen Beitrag leisten, unter anderem indem es Ingenieure abstellt. Etwa ein Dutzend deutscher Unternehmen wollen sich nach Handelsblatt-Informationen an dem Projekt beteiligen, darunter Siemens, Audi und die KI-Firma Black Forest Labs.
Die Bundesregierung plant, die Kooperation in der kommenden Woche auf ihrem Investitionsgipfel „Invest in Germany“ zu verkünden. Nvidia-Chef Jensen Huang wird dafür am Montag in Berlin erwartet. Er ist einer der Stargäste von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
Der Kanzler und der Nvidia-Chef wollen schon am Montagabend auf einem Empfang im Kraftwerk Berlin zusammenkommen, wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfuhr. Nach einem Vieraugengespräch soll es auch noch ein gemeinsames Treffen mit Mercedes-Chef Ola Källenius geben. Merz will das Signal aussenden, dass Deutschland nach Jahren der Stagnation als Investitions- und Innovationsstandort wieder attraktiv ist.
Der KI-Pakt soll auf dem noch jungen Soofi-Projekt aufbauen. Soofi steht für das Konsortium „Sovereign Open Source Foundation Models“, das im September 2025 von Forschungseinrichtungen, Universitäten und KI-Unternehmen ins Leben gerufen wurde. Ziel des Konsortiums sei es, eine neue Generation leistungsfähiger KI-Modelle zu entwickeln und zu trainieren.
Bislang wurde das Projekt mit 20 Millionen Euro vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Mit diesen Mitteln finanzierte das Konsortium das Training des ersten Modells auf der Industrial AI Cloud der Deutschen Telekom. Die weitere Zusammenarbeit soll jetzt offenbar dazu beitragen, die Entwicklung weiterer Soofi-Modelle voranzutreiben und die Voraussetzungen für ihren Einsatz in der Industrie und im Mittelstand zu schaffen.
Deutschland will bei industrieller KI aufholen
Nachdem jahrelang Chatbots wie ChatGPT im Vordergrund standen, gilt inzwischen KI, die Roboter oder sogar ganze Fabriken steuern kann, als zentrale Zukunftstechnik. Die nötigen Datenschätze zum Training entsprechender Modelle finden sich unter anderem in deutschen Industrieunternehmen, die daher für US-Technologiekonzerne als Partner immer wichtiger werden.
Für das Kooperationsprojekt sollen neben Nvidias Modellfamilie Nemotron auch die hauseigenen Cosmos-Modelle zum Einsatz kommen, deren sogenannte physische KI dabei helfen kann, Fabriken und Maschinen zu modellieren. Die Technologien sollen den Partnern helfen, KI-Modelle zu entwickeln und für industrielle Anwendungen nutzbar zu machen.
Ein Vorteil der Nvidia-Modelle besteht darin, dass sie sich an individuelle Anforderungen anpassen lassen, weil der Konzern Nemotron und Cosmos frei nutzbar, also „offen“, veröffentlicht. Zugleich sollen die Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten behalten. Dieser Aspekt ist aus Sicht der Bundesregierung besonders wichtig.
Die Sorge davor, die Kontrolle über die eigenen Daten zu verlieren, hat gerade viele deutsche Mittelständler von einer stärkeren digitalen Vernetzung abgeschreckt. Mit Nvidia glaubt die Bundesregierung nun, ein vertrauenswürdiges KI-Ökosystem aufbauen zu können.
Cosmos ist eine Plattform für sogenannte Weltmodelle im Bereich physische KI. Sie umfasst vortrainierte Modelle sowie Werkzeuge zur Aufbereitung von Bild- und Videodaten. Die Modelle können Videos erzeugen, die reale Situationen simulieren und als Trainingsdaten für Roboter und autonome Fahrzeuge dienen. Entwickler können sie mit eigenen Daten anpassen.
Nemotron ist eine Familie von Sprachmodellen, die Nvidia zusammen mit Trainingsdaten und Anleitungen zur Anpassung in verschiedenen Größen veröffentlicht. Die kleinen Varianten laufen auf einzelnen Rechnern, größere benötigen Rechenzentren. Entwickler können sie selbst betreiben und weiterentwickeln wie im Fall des Soofi-Projekts.
Milliardeninvestition in Europa
Angesprochen auf die geplanten Ankündigungen in Berlin, lehnte eine Nvidia-Sprecherin einen Kommentar ab. In Konzernkreisen wird die Reise von Huang als Teil einer größeren Europa-Offensive Nvidias verstanden.
Huang befindet sich derzeit auf einer PR-Tour durch den Kontinent, die in Berlin ihren Höhepunkt finden soll. In der deutschen Hauptstadt startet kommende Woche ein Ableger der GTC, Nvidias Hausmesse, die stets im Frühjahr nahe des Konzernsitzes in San Jose stattfindet.
Am Dienstag und Mittwoch war Huang bereits in London und Paris, wo er unter anderem den französischen Präsidenten Emmanuel Macron traf. Auch beim Internationalen KI-Gipfel in der irischen Hauptstadt Dublin waren Nvidia-Manager vertreten.
Beim Empfang in Paris erklärte Huang, dass sein Konzern fast zehn Milliarden Dollar (8,9 Milliarden Euro) für das europäische Technologie-Ökosystem bereitstelle. Was Nvidia genau unter diese Zahl fasst, blieb zunächst offen. Unter anderem kündigte der Konzern Investitionen in mehrere französische Technologieunternehmen an, darunter die Ärzteplattform Doctolib, die Robotikfirma Genesis AI und das Materialforschungslabor Entalpic. Auch in Deutschland dürfte Nvidia Geld bereitstellen, heißt es in Konzernkreisen. Weitere Ankündigungen werden während des Berlin-Besuchs erwartet.
KI-Revolution als Chance für Deutschland
Für die gebeutelte deutsche Industrie gilt die KI-Revolution als große Gelegenheit. Auch die Bundesregierung hebt das hervor. „Das Potenzial, die Wertschöpfung der deutschen Industrie zu steigern, ist gewaltig“, sagte Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) dem Handelsblatt.
Bisher dominieren die USA und China das globale KI-Rennen, die Europäer laufen hinterher. Doch das Feld könnte sich neu sortieren, wenn KI durch die Verbreitung von eigenständig agierenden Robotern die Barriere in die physische Welt durchbricht.
Die Bundesregierung bringt das in einen Zwiespalt. Einerseits will sie bei KI aufholen, andererseits sich nicht in zu starke technologische Abhängigkeit von den USA begeben. „Wir brauchen Rechenchips, die haben wir in Europa nicht“, räumte Digitalminister Wildberger ein. „Natürlich wünsche ich mir, dass wir perspektivisch auch eine eigene Chipproduktion haben.“
Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Die Nvidia-Partnerschaft sei daher eine „begrüßenswerte“ Lösung, lobte Wildberger. „Wir bauen auf etwas auf, das heute schon Weltstandard ist, das auf einer bestehenden Partnerschaft beruht und das sicherstellt, dass die Unternehmen ihre industrielle Wertschöpfung behalten.“ Nvidia biete leistungsfähige Chips, Datenbibliotheken, sogenannte Libraries, und Software, auf denen deutsche Unternehmen aufbauen könnten.
Telekom und Siemens als Partner
Wildberger steht mit dem Soofi-Konsortium seit dem Sommer in Kontakt. Im Juni hatte das Konsortium mit „Soofi S“ eine erste, kleinere Version der geplanten Modellreihe vorgestellt. Als Grundlage diente Nvidias Nemotron-Modellarchitektur, die anschließend von den Projektpartnern weiterentwickelt wurde.
Nicolas Flores-Herr vom Fraunhofer IAIS und technischer Projektleiter des Soofi-Konsortiums, sagte dem Handelsblatt im August: „Wir haben damit bewiesen, dass wir in Deutschland in der Lage sind, performante und effiziente Modelle zu trainieren, wenn die Ressourcen zur Verfügung stehen.“
Ein mittelgroßes Modell namens Soofi L, das komplexere Aufgaben lösen soll, wird seit dem Sommer trainiert. Ein großes sogenanntes Frontier-Modell mit dem Namen Soofi XL ist ebenfalls geplant. Die öffentlichen Anschub-Investitionen, die im Rahmen der Nvidia-Kooperation vereinbart werden sollen, dienen nun dazu, notwendige Rechenkapazitäten für das Training der Modelle auf der „Industrial AI Cloud“ bei der Deutschen Telekom zu mieten. Nach Angaben aus Regierungskreisen könnte sich das Geld aus Mitteln speisen, die für die Hightech-Agenda des Bundes reserviert sind.
Die „Industrial AI Cloud“ ist eine KI-Fabrik, für welche die Telekom schon im vergangenen Jahr eine Partnerschaft mit Nvidia geschlossen hat. Nvidia stellt dafür 10.000 KI-Chips der Generation Blackwell bereit. Aus Kreisen der Telekom hieß es, Nvidia habe die Chips als Investment eingebracht. Von der Investitionssumme von etwa einer Milliarde Euro entfalle knapp die Hälfte auf Nvidia.
Bei der Bekanntgabe im vergangenen Jahr betonte Telekom-Chef Timotheus Höttges schon, die „Industrial AI Cloud“ sei nur die „erste Stufe“. Auf der Konferenz „Tech by Handelsblatt“ verkündete er dann, die Zahl der Nvidia‑Chips zu verdoppeln. Daran knüpft nun die neue Nvidia-Initiative der Bundesregierung an.
Auch mit dem Industriekonzern Siemens arbeitet Nvidia eng zusammen. Vor vier Jahren kündigten Siemens-Chef Roland Busch und Nvidia-Chef Jensen Huang an, gemeinsam das sogenannte industrielle Metaverse weiterzuentwickeln.
Dieses soll Fertigungsprozesse in Echtzeit simulieren und so eine Art digitalen Zwilling schaffen. Unternehmen können damit virtuell zurückspulen, um Fehler zu analysieren, oder vorspulen, um die Auswirkungen möglicher Änderungen zu testen. Dafür ist erhebliche Rechen- und Grafikleistung erforderlich. Nvidia stellt mit Omniverse eine Plattform für 3D-Simulationen und die Zusammenarbeit in virtuellen Umgebungen bereit. Siemens wiederum zählt sich zu den führenden Anbietern von Industriesoftware, Automatisierungstechnik und industrieller KI.
Ein Teil der KI-Anwendungen kommt bereits im Siemens-Vorzeigewerk in Erlangen zum Einsatz. Am Montag besucht Rev Lebaredian, bei Nvidia für Omniverse und Simulationstechnologie verantwortlich, das Gerätewerk. In Industriekreisen wird erwartet, dass Siemens und Nvidia bei dieser Gelegenheit neue Lösungen für industrielle KI vorstellen könnten.
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