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Lars Klingbeil wirbt mit Baggern für das Sondervermögen trotz Koalitionsstreit
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Lars Klingbeil wirbt mit Baggern für das Sondervermögen trotz Koalitionsstreit

Quick Look

  • Bundesfinanzminister Lars Klingbeil besucht Infrastrukturprojekte in ganz Deutschland, um das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz zu präsentieren.
  • Dabei kontrastiert seine positive Botschaft mit inneren Koalitionskonflikten über Pflegereform, Renten und Steuern.
  • Lokale Vertreter loben die unbürokratische Förderung, während die Regierungskoalition an Autorität und Einheit zweifelt.

AI-generated summary

Why It Matters

Die Bundesregierung hat ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro für Infrastruktur und Klimaschutz beschlossen, finanziert durch Kredite. Lars Klingbeil als Finanzminister wirbt für die Nutzung dieser Mittel durch Baustellenbesuche, während die Koalition über interne Reformen streitet.

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Es gibt so Sätze, die sagen Politiker immer wieder. Bei Lars Klingbeil ist es der mit den Baggern. Wahlweise müssen sie rollen oder sie rollen endlich - finanziert mit Milliarden-Krediten der Bundesregierung für Infrastruktur und Klimaschutz. In dieser Woche ist der Finanzminister unterwegs auf Baustellen, auf denen sein Geld ausgegeben wird. Das Gastgeschenk: ein kleiner, gelber Bagger.

Es ist eine Werbetour - und sie führt Klingbeil quer durchs Land: in einen Kindergarten in Bruchsal, eine Mehrzweckhalle in Graben-Neudorf, eine Rathaus-Baustelle mit noch feuchtem Spritzputz in Billigheim, in eine halbfertige Bibliothek in Mainz, heute zu einer Klinik in Göttingen, einer Gesamtschule in Hildesheim. «Hier investiert Deutschland» steht auf Bannern und Schutzhelmen. Der SPD-Chef will «zeigen, wo in unserem Land Gutes passiert». Das Ziel: Dass die Leute die Bundesregierung mal wieder mit positiven Nachrichten verbinden. Doch das scheint ein Kampf gegen Windmühlen.

Der Streit passt nicht zur Botschaft

Denn während der Vizekanzler seine gelben Bagger überreicht, streitet die Koalition zu Wochenbeginn über die Pflegereform. «Immer wenn ich im Auto sitze, darf ich dazu telefonieren», berichtet Klingbeil bei einem Bürgergespräch mit leicht genervtem Unterton. Der Streit passt nicht zur Botschaft, die er hier eigentlich senden will. Auch wenn am nächsten Tag klar wird, dass Union und SPD irgendwie einen Kompromiss hinbekommen haben, kann von geräuschloser Regierungsarbeit keine Rede sein.

Dabei will Klingbeil eigentlich von etwas berichten, das funktioniert. Der SPD-Chef hatte viel politisches Gewicht in die Waagschale geworfen, damit die werdende Koalition noch vor Amtsantritt von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einen riesigen, schuldenfinanzierten Sondertopf beschließt. Der Bund nimmt Kredite über 500 Milliarden Euro auf, um 12 Jahre lang Infrastruktur zu sanieren, Klimaschutz voranzutreiben und auch die Wirtschaft anzukurbeln.

Von vielen Seiten wurde er dafür gescholten, und sichtbar war lange nichts. Doch jetzt kann der Finanzminister stolz die ersten Projekte präsentieren. «Wir bauen jetzt das Deutschland der Zukunft», sagt er. Seit einem Jahr gibt es Geld, nach Zahlen des Finanzministeriums sind knapp 57 Milliarden Euro und damit mehr als 10 Prozent der Gesamtmittel abgeflossen. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute gehen davon aus, dass die Milliarden deutlich zur Stabilisierung der Konjunktur beitragen.

Das Geld fließt

Vor Ort ist man dann auch voll des Lobes: «Dieses Sondervermögen ist tatsächlich ein ganz hervorragendes Beispiel für eine exzellente Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Das darf man auch mal so sagen», meint die Finanzministerin von Rheinland-Pfalz, Doris Ahnen (SPD). Der Bürgermeister von Graben-Neudorf, Christian Eheim (auch SPD), freut sich über unbürokratische Förderung. 9,5 Millionen hat die Sanierung der Mehrzweckhalle gekostet, in der Klingbeil beim Besuch ein paar Bälle wirft. 6 Millionen kommen aus dem Sondervermögen. Deshalb ist im Ort jetzt Geld für den Neubau einer Grundschule frei.

«Sie glauben gar nicht, wie froh ich bin, dass ich jetzt endlich die Orte sehe, an denen was in Bewegung kommt, wo konkret was passiert, wo die Baustellen sind, wo die Bagger jetzt auch rollen», sagt der Finanzminister. Die Botschaft geht an den Koalitionspartner Union, wo viele wegen der hohen Schulden weiterhin Bauchschmerzen mit dem Sondervermögen haben. Und sie geht an die eigene Partei: Wenn wir mitregieren, können wir was erreichen.

Koalition blickt in den Abgrund

Denn in der Koalition ist die Stimmung nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern auf einem Tiefpunkt. Merz kämpft um seine Autorität als Kanzler, Klingbeil um den Parteivorsitz. Beide versuchen, in der Regierung zu punkten. Für Merz bedeutet das, hart zu bleiben beim Reformkurs - für Klingbeil, alle geplanten Reformen einem Sozial- und Gerechtigkeitscheck zu unterziehen.

Nach außen bleibt das Bild einer Regierung, die nicht an einem Strang zieht. Da ist der Wirbel um einen Strandkorb von Staatsminister Philipp Amthor (CDU) im Kanzleramt noch das kleinste Problem. Der Konflikt um die Rentenreform wird wohl mit Macht zurückkommen, genauso der ungelöste Streit über Klingbeils Steuerreformen. Unionspolitiker haben schon eine Blockade der geplanten Zuckersteuer angekündigt, wenn es ganz schlimm kommt, könnte dem Finanzminister der gesamte Haushalt um die Ohren fliegen.

Vor diesem Hintergrund muss sich Klingbeil auf seiner Werbetour ein wenig wie Sisyphus fühlen, dem der Stein immer wieder den Berg hinunterrollt. «Wir sind im Tagesgeschäft, aber wir müssen auch Lust machen auf eine bessere Zukunft», sagt er im Bürgergespräch in Heidelberg. «Zur Wahrheit gehört: Das tun wir gerade nicht.»

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Die Koalition wird sich auf einen Kompromiss bei der Pflegereform einigen, um die Regierungsarbeit zu stabilisieren.

    Likely · Within weeks

  • Die Nutzung des Sondervermögens wird in den kommenden Monaten sichtbar zunehmen, da erste Projekte bereits laufen.

    Very likely · Within months

Open Questions

  • Wie wird die Akzeptanz des Sondervermögens in der Bevölkerung langfristig entwickelt?
  • Welche konkreten Maßnahmen folgen nach den aktuellen Infrastrukturprojekten?
  • Wie wird der Koalitionsstreit über Pflegereform, Renten und Steuern langfristig gelöst?

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This article was originally published by Die Zeit.

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