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Back|Lemberg plant Wiederaufbau mit Fokus auf Barrierefreiheit und internationale Zusammenarbeit
Lemberg plant Wiederaufbau mit Fokus auf Barrierefreiheit und internationale Zusammenarbeit
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FAZ·1 hour ago·World·3 min read·🇩🇪Germany·

Lemberg plant Wiederaufbau mit Fokus auf Barrierefreiheit und internationale Zusammenarbeit

Quick Look

  • Der Oberbürgermeister von Lemberg beschreibt die dringendsten Aufgaben der Stadt im Krieg: Ausbau der medizinischen Infrastruktur, Schaffung von Wohnraum für Binnenflüchtlinge und Kriegsversehrte, Vorbereitung auf den Winter mit Notstrom- und Heizkonzepten sowie den Aufbau barrierefreier Infrastruktur.
  • Trotz Krieg herrscht Alltag in Schulen und Cafés.
  • Lemberg hat sich zu einem humanitären Zentrum entwickelt und plant den Wiederaufbau mit internationalen Partnern wie der GIZ und deutschen Städten, wobei Barrierefreiheit und soziale Gerechtigkeit zentrale Prinzipien sind.

AI-generated summary

Why It Matters

Lemberg ist eine Stadt im Westen der Ukraine, die zwar nicht an der Front liegt, aber dennoch von Kriegseinwirkungen wie Drohnen- und Raketenangriffen betroffen ist. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 hat die Stadt eine Zunahme von Binnenflüchtlingen und Kriegsversehrten erfahren und arbeitet an der Ausweitung medizinischer Infrastruktur, Schaffung von Wohnraum und Vorbereitung auf den Winter mit Notstrom- und Heizkonzepten.

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Sie sind für einen Abend nach Leipzig gereist, um hier einen Vortrag über Stadtentwicklung unter Kriegsbedingungen in Ihrer Heimatstadt Lemberg zu halten. Gleich morgen früh müssen Sie wieder zurückfahren. Was sind derzeit Ihre dringendsten Aufgaben in Lemberg?

Zu den dringendsten Aufgaben in unserer Arbeit gehören der Ausbau der medizinischen Infrastruktur und der Rehabilitationsangebote für Verwundete, der Neubau von Sozialwohnungen, der Wiederaufbau zerstörter Gebäude und Anlagen, die Stärkung der städtischen Resilienz sowie das Gedenken an die Gefallenen. Wir erweitern derzeit die Eingangsbereiche von Krankenhäusern, weil die Erfahrung von anderen Städten zeigt, dass die Notaufnahmezonen nach Angriffen oft überlastet sind, sodass die Verletzten nicht schnell genug versorgt werden können, auch wenn die Krankenhäuser groß genug sind. Ein wichtiges Thema für die Stadt ist gerade der herannahende Winter. Wir beschäftigen uns mit verschiedenen Szenarien für den Energieausfall. Dazu gehören pragmatische Maßnahmen wie das Aufstellen von Öfen in Kellern von Wohnhäusern und Schulen oder die Beschaffung von genügend Holz zum Heizen. Auch wenn alles ausfällt, müssen wir Sicherheitsstandards gewährleisten, und dafür müssen wir rechtzeitig planen.

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Das im Westen der Ukraine gelegene Lemberg gehört nicht zu den frontnahen und damit besonders vom Krieg betroffenen Städten. Macht sich der Krieg dennoch im Stadtbild bemerkbar?

Auch in Lemberg sind die Zerstörungen durch Drohnen- und Raketenangriffe unübersehbar. Der Krieg verändert aber auch auf andere Weise das Stadtbild und stellt uns vor neue planerische Aufgaben. Die größte Herausforderung ist die Schaffung der Infrastruktur für Binnenflüchtlinge, Verletzte, Kriegsveteranen und andere Ukrainer, die sich entschieden haben, in der Ukraine zu bleiben, und in Lemberg auf Sicherheit hoffen. Wir haben Containersiedlungen für temporäre Unterkünfte, aber auch dauerhafte Wohnungen für diejenigen errichtet, die sie am dringendsten benötigen, etwa Menschen mit Behinderungen infolge von Kriegsverletzungen.

Wir werden dabei von der Europäischen Kommission und weiteren Partnern unterstützt. Besonders wertvoll ist für uns die Unterstützung deutscher Städte, mehrere Projekte konnten beispielsweise mit Unterstützung von Freiburg und Würzburg realisiert werden. Der Krieg ist auch dadurch sichtbar, dass die Stadt jeden Tag eine Abschiedszeremonie für die gefallenen Soldatinnen und Soldaten abhält. Manchmal verabschieden wir uns an einem Tag von zwei Gefallenen, manchmal von zwölf. Im Stadtzentrum entsteht bereits eine Gedenkstätte mit mehr als tausend Gräbern.

Wie ist die Versorgung der Bevölkerung mit Schutzräumen?

Es gibt Tausende von Bunkern in Lemberg. Zum großen Teil sind es instand gesetzte Schutzräume aus der Sowjetzeit. Wir haben aber auch zahlreiche neue Bunker errichtet und beschäftigen wir uns intensiv mit Sicherheitskonzepten für diese Bauten.

Aber es gibt trotz des Krieges auch alltägliche Normalität im städtischen Leben?

Ja. Die Schulen sind offen, Menschen gehen zur Arbeit und sitzen in den Cafés. Es gibt viel normales Leben, und das ist ganz besonders wichtig für diejenigen, die aus frontnahen Gebieten hierherkommen und sich in Lemberg etwas vom Krieg erholen wollen. Aber der Krieg ist auch in unserer Stadt allgegenwärtig. Fünfzigtausend Einwohner von Lemberg sind im Fronteinsatz. Als vergleichsweise sichere Stadt ist Lemberg zu einem wichtigen humanitären Zentrum für das ganze Land geworden. Wegen der vielen Rehabilitationseinrichtungen hat es derzeit im Verhältnis zur Bevölkerungsanzahl wohl weltweit den höchsten Anteil von Invaliden. Es gehört aber nicht zu den barrierefreiesten Städten auf der Welt.

Wie reagiert die Stadtplanung darauf?

Alles, was wir planen, basiert auf den Prinzipien der Barrierefreiheit und des sozialen Gleichgewichts. Auf der praktischen Ebene geht es letztlich um viele kleine, aber koordinierte Schritte. Wir haben innerhalb von zwei Jahren alle Fußgängerüberwege barrierefrei gemacht und bauen unter Hochdruck die Bushaltestellen um. Wir erhalten das historische Kopfsteinpflaster, das in Lemberg weit verbreitet ist, schleifen aber die Oberfläche, sodass es kein Hindernis mehr für Rollstuhlfahrer ist. Daran beteiligen sich finanziell die Gastronomen, die davon profitieren. Es gibt auch Entwicklungen, die uns selbst überraschen. So haben wir entdeckt, dass das Boule-Spiel sehr gut für den Rehabilitationsprozess ist. Seitdem legen wir die Boule-Plätze direkt an den Krankenhäusern an. Für viele Kriegsverletzte ist das Boule-Spiel der Anreiz, nach ihrer Behandlung erstmals wieder an die Luft zu gehen.

Gibt es auch große Neubaukomplexe, die infolge des Krieges errichtet wurden?

Ja. Dazu gehört etwa das über die Stadt verteilte „Unbroken“-Netzwerk von Zentren für medizinische Behandlung, Prothetik, Rehabilitation, psychische Gesundheit sowie Sport- und Kunsttherapie. Der Hauptcampus gehört zum ausgebauten zentralen Krankenhaus von Lemberg. Mit dreißigtausend Plätzen ist es das größte in der Ukraine. Es entstehen aber auch zahlreiche Wohn- und Bürokomplexe in der Stadt. Die Wirtschaft funktioniert und entwickelt sich weiter.

Während sich in Deutschland sogar überschaubare Bauprojekte jahrzehntelang hinziehen können, schauen wir voller Staunen und Bewunderung auf das Tempo in der Ukraine. Gibt es darüber hinaus etwas, was Deutschland beim Planen und Bauen von der Ukraine lernen kann?

Ich habe noch nie darüber nachgedacht, was Deutschland von uns lernen kann. Aber ich denke, dass wir viel von Deutschland lernen können. Deutschland hat eine hohe Planungskultur, von der für uns viele Impulse ausgehen. Bei uns ist jetzt zwar Konzentration auf das Wesentliche nötig. Wir müssen mit unseren Kräften gut haushalten und die begrenzten Ressourcen sinnvoll einsetzen. Gleichzeitig brauchen wir schnelle Ergebnisse. Dennoch müssen auch wir uns genug Zeit für ordentliche Planung nehmen. Denn die meiste Zeit verliert man am Ende mit schlechten Projekten. Wir veranstalten deshalb auch Architekturwettbewerbe und bemühen wir uns um Prozessqualität beim Planen und Bauen. Wir müssen uns verteidigen und gleichzeitig vieles reformieren.

Lemberg gilt heute als Boomtown und zugleich als Zentrum stadtplanerischer Innovation in der Ukraine. Worin liegen die Gründe dafür?

Lemberg ist eine demokratische Stadt. Es gibt kaum große Bauherren, dafür viele engagierte Akteure, die im Wettbewerb miteinander stehen. Und trotz des Risikos im Krieg gibt es eine große Investitionsbereitschaft.

Wie soll Lemberg nach dem Krieg aussehen?

Nach Russlands Überfall auf die Ukraine im Jahr 2022 setzten Diskussionen darüber ein, wie das Land nach Kriegsende wiederaufgebaut werden sollte. Höher, größer, spektakulärer – haben damals viele gefordert. Das passte uns nicht. Wir wollten einen Wiederaufbau, der die Menschen einbezieht, auf kreative Kräfte setzt, bedarfsgerechte Lösungen anbietet und zugleich im Austausch mit der internationalen Fachwelt entwickelt wird.

Mit Unterstützung von vielen Partnern, darunter auch der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), haben wir das Lviv Urban Forum ins Leben gerufen. In diesem Jahr sind tausendvierhundert Teilnehmer angereist, darunter viele sehr renommierte Architekten und Planer. Wir sind dankbar für das große Interesse und die Solidarität. Zugleich freuen wir uns, mit dem Forum zu den internationalen Debatten um die Zukunft der Städte beizutragen.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Lemberg wird den Ausbau der barrierefreien Infrastruktur innerhalb der nächsten zwei Jahre abschließen.

    Likely · Within months

  • Das Lviv Urban Forum wird auch in den kommenden Jahren internationale Architekten und Planer nach Lemberg ziehen.

    Likely · Within years

Open Questions

  • ?Wie genau wird die Finanzierung der Wiederaufbauprojekte langfristig gesichert?
  • ?Welche konkreten Pläne gibt es für die Integration von Menschen mit Behinderungen in das städtische Leben über barrierefreie Infrastruktur hinaus?
  • ?Wie wird die Gedenkstätte mit über tausend Gräbern langfristig unterhalten und in das Stadtbild integriert?
  • ?Welche Rolle spielen lokale Unternehmen neben der Gastronomie bei der Finanzierung von Infrastrukturprojekten wie der Bushaltestellenumrüstung?

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  • Der Oberbürgermeister von Lemberg beschreibt die dringendsten Aufgaben der Stadt im Krieg: Ausbau der medizinischen Infrastruktur, Schaffung von Wohnraum für Binnenflüchtlinge und Kriegsversehrte, Vorbereitung auf den Winter mit Notstrom- und Heizkonzepten sowie den Aufbau barrierefreier Infrastruktur.
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  • Lemberg hat sich zu einem humanitären Zentrum entwickelt und plant den Wiederaufbau mit internationalen Partnern wie der GIZ und deutschen Städten, wobei Barrierefreiheit und soziale Gerechtigkeit zentrale Prinzipien sind.

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