
Der liechtensteinische Goldhändler TGI kann 45 Millionen Euro an rund 2800 Kunden nicht auszahlen, da Banken und Behörden Konten blockiert haben.
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TGI verkaufte Gold mit hohen Rabatten und versprach hohe Renditen. Finanzbehörden in Deutschland, Liechtenstein und Österreich ordneten die Rückabwicklung an.
Berlin. Der liechtensteinische Goldhändler TGI hat massive Probleme, die angeordnete Rückabwicklung seiner Rabattgold-Verträge umzusetzen. Banken und Behörden verhinderten die Auszahlung der Gelder, teilte ein Anwalt der TGI auf Anfrage mit. „Die blockierten Rückzahlungen in Höhe von ca. 45 Millionen Euro betreffen ca. 2800 Kunden, die am 31.07.2026 die Auszahlung des Rückkaufbetrags beantragt haben.“
TGI hatte bis Juli dieses Jahres Gold mit hohen Rabatten verkauft. Die Kunden mussten das Edelmetall in Vorkasse bezahlen, geliefert werden sollte es bis zu drei Jahre später. Finanzbehörden in Deutschland, Liechtenstein und Österreich stoppten die Geschäfte jedoch und ordneten deren Rückabwicklung an. Die Liechtensteiner Staatsanwaltschaft verdächtigt den Goldhändler, ein Schneeballsystem betrieben zu haben.
Auf seinem Youtube-Kanal hat der Händler nun einen Clip hinterlegt, in dem TGI-Verwaltungsratspräsident Helmut Kaltenegger über die Situation informiert. Der Film ist nicht leicht zu finden. Der Link sei betroffenen Kunden geschickt worden, teilte der TGI-Jurist mit.
Kaltenegger erklärt darin: „Bei der Hausdurchsuchung wurde das ganze Gold beschlagnahmt von der Staatsanwaltschaft.“ Auf Nachfrage des Handelsblatts bezifferte die TGI den Wert auf drei Millionen Euro.
Schwerer wiegt die Blockade der Bankverbindungen. Nach Auskunft des Juristen habe die Korrespondenzbank aus „Compliance-Gründen“ Ende September die Rückzahlungen ausgesetzt. Wenige Tage zuvor hätten die deutschen Behörden auch das Konto einer „Treuhand-/Inkasso-Struktur“ blockiert, die im Auftrag des Goldhändlers Zahlungsdienstleistungen erbracht habe.
Die TGI habe mehrere Wochen benötigt, um die Kunden zu informieren. Grund dafür sei, dass die Dimension des Problems erst später bekannt geworden sei, teilte der Jurist mit. „Erst durch die Akteneinsicht erlangten unsere Anwälte vollständige Kenntnis des Sachverhaltes.“
TGI bediente sich offensiv der sozialen Medien für den Vertrieb. Unter dem Strich sollten die Kunden je nach Modell zwischen 72 und 144 Prozent Gewinn erzielen, warb der Goldhändler dort. Das Risiko erschien zunächst gering. Die TGI oder ein Lagerunternehmen bewahrten „ab Zeitpunkt der Zahlung“ das Gold der Kunden „identifizierbar“ auf, hieß es in den AGB.
Anfang 2026 pries Kaltenegger bei Instagram seine Rabattmodelle und den großen Erfolg seiner Geldgeschäfte. Den Komiker Oliver Pocher spannte er als Stichwortgeber für die Werbung ein – und besuchte mit ihm den Wiener Opernball.
Rund 40.000 Goldkunden hätte TGI gewonnen, hieß es auf der Webseite. Dem Handelsblatt liegt eine interne Kundenliste vor, die rund 20.000 Namen verzeichnet. Fast die Hälfte der Käufer soll aus Deutschland kommen, rund 5300 aus Österreich.
Im Informationsvideo steht Kaltenegger mit verschränkten Händen vor einer gestreiften Wand. Ungewöhnlich schlecht ausgeleuchtet stammelt er in die Kamera: „Also darum bitte, wenn Sie immer wieder schreiben ... auszahlen ... wo ist mein Geld ...wann kommt es ... etc. ... Es liegt auf den Konten.“
Mit seinem Anwaltsteam kämpfe er darum, „dass Sie wirklich schnell zu Ihrem Geld kommen, dass die Konten wieder frei werden oder dass die Beschlagnahme der Goldwerte wieder frei wird“.
Der Auftritt wirkt wie eine Trauerrede. Jahrelang hatte Kaltenegger argumentiert, dass jeder Kunde immer sein Gold oder Geld erhalten habe. Mit dieser Aussage trat er später auch dem Verdacht entgegen, den kritische Medien und auch die Liechtensteiner Staatsanwaltschaft artikulierten: Die exorbitanten Renditen der TGI könnten womöglich durch ein Schneeballsystem finanziert worden sein.
Kaltenegger hatte die Renditen mit hocheffizientem Goldschürfen und lukrativen Handelsdeals seiner Partner Gold Crest und Golden Empire in Ghana erklärt. Dann kam ein Partner in Sierra Leone hinzu. Bei der Boss.Bss LLC sollten 2,182 Tonnen Gold mit 23 Karat lagern, hieß es. Dieses Gold sei nicht beschlagnahmt worden, teilte der TGI-Anwalt mit. Ob es den Kunden der TGI zugeordnet werden kann, ist indes umstritten.
Im März hatte das Handelsblatt über die extremen Werbeversprechen, die Widersprüche und die Intransparenz im Geschäftsmodell der TGI berichtet. Weitere Medien folgten. Wenige Wochen später untersagten Finanzbehörden in Deutschland, Liechtenstein und Österreich mehrere Verkaufsmodelle. Liechtenstein ordnete an, der Händler müsse das „illegale Einlagengeschäft“ rückabwickeln.
Im Juli durchsuchte die Staatsanwaltschaft Liechtensteins den Firmensitz. Sie verdächtigt Kaltenegger und fünf weitere Personen, ein Schneeballsystem betrieben zu haben. Kaltenegger bestreitet das.
Im Juli kündigte die TGI an, Liechtenstein dauerhaft zu verlassen und den Geschäftsbetrieb einzustellen. Die Kunden sollten wählen: Entweder könnten sie Verträge und Guthaben an die neue Trust Gold International Ltd. auf der Insel Mauritius im Indischen Ozean überschreiben oder die Auszahlung auf ein eigenes Bankkonto beantragen. „Hier rechnen wir mit einer Bearbeitungszeit zwischen sechs bis acht Wochen.“
Die Frist ist abgelaufen. Weil das Geld aber ausbleibt, rät Kaltenegger den Kunden, sich juristischen Beistand zu holen. „Vielleicht kann der Anwalt ein bisschen für sie tätig werden und die Banken anschreiben, denn Ihr Geld liegt ja auf unseren Konten“, sagt er in dem Film.
„Der Name jener Bank, bei welcher sich das von den deutschen Behörden blockierte Geld befindet, wird den Anwälten der Kunden auf Nachfrage preisgegeben“, erläuterte der Firmenjurist. Öffentlich benennen will die TGI das Bankhaus nicht.
Die Razzia im Juli genehmigte das Fürstliche Landgericht in Liechtenstein mit einem Beschluss. Laut dem 39-seitigen Dokument sind die Fahnder auf 68 Konten gestoßen, über die Kundengelder geleitet worden sein könnten – keines laufe auf die TGI.
Die Treuhandkonstruktion gehe auf ein Strafverfahren gegen Kaltenegger und seine Frau zurück, teilte die TGI mit. Zwar hat das Landgericht sie in einem Prozess 2025 in Wien von einem früheren Betrugsverdacht freigesprochen, trotzdem hätten die Banken seitdem Probleme bereitet. Die Treuhänder mussten den Zahlungsverkehr übernehmen, weil es „mit Banken schwierig wurde, die Kundengelder direkt zu erhalten“.
Das Video zu den stockenden Zahlungen ist im Youtube-Kanal der TGI versteckt platziert. Wer den genauen Link nicht hat, findet vor allem prominent platzierte Erfolgsberichte zum neuen Unternehmen Trust Gold International Ltd. auf Mauritius. „Ein Monat auf der Überholspur“ oder „Eine neue Ära beginnt“ heißt es dort.
Man wolle in bis zu 30 Länder expandieren und sei „stolzer Besitzer“ eines Flugzeugs geworden, lässt Kaltenegger wissen. „Die Abwicklungen in Afrika laufen sehr gut“, sagt er. „Wie versprochen wird der Flieger jede Woche bis zu einer Tonne holen – oder teilweise mehr.“
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Rechtliche Schritte der Kunden gegen TGI
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