
In Portugal fehlen 300.000 Wohnungen, die Menschen klagen über Mietwucher und demonstrieren dagegen. Eine nächtliche Protestaktion mit Zelten wurde von der Polizei aufgelöst.
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In Portugal fehlen landesweit 300.000 Wohnungen. Die Immobilienpreise haben sich seit 2017 mehr als verdoppelt.
Die Wohnungskrise trifft junge Menschen in Portugal besonders hart – und für ihre Forderung nach günstigen Mieten gehen sie auf die Straße. Nun hat die portugiesische Polizei nach eigenen Angaben erneut von Demonstranten errichtete Protestcamps gegen die Wohnungsnot in den Städten Lissabon und Porto geräumt. Sie sei am frühen Morgen eingeschritten, »um diese illegalen Lager aufzulösen«, teilte die Polizei im Onlinedienst X mit.
Dutzende Beamte waren auf dem Rossio-Platz angerückt, nachdem sie die Demonstranten aufgefordert hatten, ihre Zelte zu entfernen. »Als der Dialog endete, führte der Einsatz zu 31 Festnahmen wegen Ungehorsams«, hieß es weiter. Die Organisatoren der Protescamps prangerten eine unverhältnismäßige Gewaltanwendung durch die Beamten an. Sie sprachen laut Medienberichten von 37 verletzten Demonstranten, die meisten davon in Lissabon. Den davon abweichenden Angaben der Polizei zufolge wurden elf Menschen verletzt, darunter drei Beamte.
Der Abgeordnete des Linksblocks, Fabian Figueiredo, nannte den Polizeieinsatz »völlig unverhältnismäßig«, da es keine Störung der öffentlichen Ordnung gegeben habe. Die Demonstranten fordern von der Regierung, einen Gesetzentwurf zur Erleichterung von Zwangsräumungen zu kippen und die Mieten für neue Verträge zu begrenzen. Nach Schätzungen der portugiesischen Zentralbank fehlen landesweit 300.000 Wohnungen. Ähnliche Proteste gab es zuletzt auch in Belgien, Frankreich, Italien und Spanien.
Die Wohnungskrise in Portugal zählt zu den schwersten in Europa. Die Immobilienpreise haben sich seit 2017 mehr als verdoppelt, die Mieten für Neuverträge sind fast ebenso stark gestiegen. Besonders junge Menschen sind betroffen. »Wir haben die Pflicht, für das zu kämpfen, woran wir glauben«, sagte der 21-jährige Demonstrant Vitor Gomes. Wohnungsspekulation, Vermögenskonzentration und wachsende Ungleichheit ließen ihn pessimistisch in die Zukunft blicken.
Die Wohnungsnot ist auch im Nachbarland Spanien ein großes Thema. Im September sorgte die Zwangsräumung der Wohnung der später verstorbenen 87-jährigen Rentnerin Maricarmen Abascal für landesweite Proteste. Der Besitzer hatte die Miete massiv erhöhen wollen. Der Streit um die Wohnungspolitik führte dazu, dass Regierungschef Pedro Sánchez Neuwahlen für den 29. November ausrief.

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