Louvre: Weiterhin keine Spur von den geraubten Kronjuwelen
Nach dem spektakulären Einbruch in den Apollon-Saal kämpft das Pariser Museum mit den Folgen, Millionen-Schäden und einem 1,2-Milliarden-Euro-Sanierungsprojekt.
Quick Look
- Ein Jahr nach dem spektakulären Diebstahl von Kronjuwelen im Wert von 88 Millionen Euro im Pariser Louvre fehlt von der Beute jede Spur.
- Während die mutmaßlichen Täter in Haft sitzen und der neue Direktor Christophe Leribault den Ausnahmezustand des Museums eingesteht, läuft ein 1,2-Milliarden-Euro-Modernisierungsprogramm.
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Why It Matters
Vor einem Jahr brachen Täter in den Apollon-Saal des Louvre ein und stahlen Kronjuwelen im Wert von 88 Millionen Euro. Der Louvre kämpft seit längerem mit baulichen Mängeln und Sicherheitskrisen.
Im Apollon-Saal des Louvre wimmelt es wieder von Besuchern. Am Ende des imposanten, 60 Meter langen Saals ist das Fenster mit dem Balkon, der um die Welt ging. An einem Sonntagmorgen um 9:34 Uhr schoben sich hier die zwei Louvre-Einbrecher durch eine der Glasöfffnungen. Ein Jahr später gehen die meisten Louvre-Besucher achtlos an dem Fenster vorbei. Nur einige französische Jugendliche aus der Stadt Tours bleiben stehen und wissen Bescheid: "Das kam damals im Fernsehen und ging durch alle Medien."
Und was geht ihnen nun durch den Kopf direkt am Tatort von damals? "Das ging sehr schnell. Vorher war es voll hier und jetzt ist es leer." In der Tat steht im goldglänzenden Apollon-Saal keine einzige Vitrine mehr.
Bald Extraraum für übrige Juwelen
Ein Jahr später sind die Sicherheitsmaßnahmen rund um den Apollon-Saal sichtbar verbessert worden. Vor dem berühmten Fenster mit Balkon ist jetzt wieder ein dickes Eisengitter - so wie vor gut 20 Jahren schon einmal. Am reparierten Fenster selbst ist von außen eine moderne Kamera sichtbar. Unten an der Straße zur Seine hin wurde ein Wellblechzaun hochgezogen, etwa fünf Meter hoch und oben mit extra scharfem Stacheldraht.
Trotzdem werden die nicht gestohlenen sonstigen Kronjuwelen aus dem Apollon-Saal dort vorerst nicht mehr ausgestellt. Der neue Louvre-Direktor geht auf Nummer sicher. Christophe Leribault bei der Wiedereröffnung des Saals im Juli: "Was die Juwelen selbst angeht, den Diamanten Le Régent zum Beispiel, müssen wir jetzt einen hoch gesicherten Extraraum schaffen. Es wird noch etwas dauern, bis wir die Juwelen zeigen können."
Zu viele Pleiten, Pech und Pannen
Der 63-jährige Leribault ist seit Februar im Amt. Seine Vorgängerin Laurence des Cars musste gehen, weil der Louvre, das größte Museum der Welt, auf einmal nur noch für Pleiten, Pech und Pannen stand.
Erst der spektakuläre Louvre-Coup, dann gab es Wasserschäden, Decken, die einzustürzen drohten, wochenlange Streiks und noch einen Ticketbetrug im großen Stil. Vor einer Senatskommission musste der neue Louvre-Direktor im Sommer noch einräumen, dass das Museum trotz aller Anstrengungen in einem äußerst kritischen Zustand bleibe: "Der Louvre ist am Ende seiner Kräfte", so der neue Direktor wörtlich.
Ein neues Projekt mit dem Namen "Louvre Nouvelle Renaissance" soll dem in die Jahre gekommenen Museum neuen Schwung verleihen. Kostenpunkt: 1,2 Milliarden Euro. Damit es zwischendurch nicht zu weiteren spektakulären Diebstählen kommt, gibt es im Louvre nun auch einen zentralen Sicherheitskoordinator, Monsieur Sûreté genannt.
Wo sind die Juwelen?
Und hat der neue Direktor noch Hoffnung, dass die gestohlenen Kronjuwelen noch einmal auftauchen? "Ich hoffe es", sagte Leribault im französischen Radiosender France Inter zum Jahrestag des Louvre-Diebstahl. "Es wurden ja auch gerade die gestohlenen Renoir-Gemälde von Cagnes-sur-Mer wiedergefunden. Und die Louvre-Einbrecher wurden sofort gefasst durch die Polizeiermittlungen."
Aber eine echte Spur von den im Louvre gestohlenen Kronjuwelen mit einem Materialwert von 88 Millionen Euro gibt es auch ein Jahr nach dem Einbruch nicht. Zuletzt gesehen wurde ein Teil der Juwelen in einer Tiefgarage der Pariser Banlieue. Es sind Videoaufnahmen aus dem Vorstadtort Aubervilliers mit einigen der Täter etwa eine Stunde nach dem Einstieg im Louvre. Dann verliert sich die Spur.
Widersprüchliche Aussagen der mutmaßlichen Täter
Alle vier mutmaßlich direkt beteiligten Täter sitzen bereits in Haft. Aber ihre Aussagen sind widersprüchlich. Michel Décurgis ist Polizeireporter bei der Zeitung Le Parisien und hatte Einsicht in viele der Vernehmungsprotokolle: "Die Juwelen sind entweder immer noch in Frankreich und zwar nicht weit vom Pariser Vorort Aubervilliers entfernt. Am wahrscheinlichsten ist aber, dass die Juwelen Frankreich verlassen haben nach Belgien oder in den Maghreb und dort weiterverkauft wurden."
Ein Prozessdatum für die festgenommenen mutmaßlichen Täter des Louvre-Diebstahls ist noch nicht bekannt.
Open Questions
- Wo verbleiben die gestohlenen Kronjuwelen?
- Wann beginnt der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter?




