
Das US-Unternehmen Energy Fuels will den Hanauer Magnethersteller Vacuumschmelze für 1,9 Milliarden Dollar kaufen. Das Wirtschaftsministerium untersucht den Deal auf Sicherheitsrisiken, ein Stopp gilt jedoch als unwahrscheinlich.
Das Bundeswirtschaftsministerium prüft die geplante Übernahme des Hanauer Magnetherstellers Vacuumschmelze durch das US-Unternehmen Energy Fuels für 1,9 Milliarden Dollar im Rahmen eines Investitionsprüfungsverfahrens.
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Das US-Unternehmen Energy Fuels kündigte im Juni an, den Hanauer Magnethersteller Vacuumschmelze für 1,9 Milliarden US-Dollar zu übernehmen.
Das Bundeswirtschaftsministerium prüft die geplante Übernahme des Unternehmens Vacuumschmelze (VAC) aus dem hessischen Hanau durch Energy Fuels. Das US-Unternehmen möchte VAC für 1,9 Milliarden Dollar von Ara Partners kaufen, einer US-Investmentgesellschaft.
Ara Partners hatte den deutschen Magnethersteller 2023 erworben, bereits seit 2005 ist dieser in Besitz verschiedener Investmentgesellschaften mit Sitz in den USA.
Mit Energy Fuels würde VAC an einen Konzern gehen, der selbst Rohstoffe fördert und eine eigene Lieferkette betreibt – das Bundeswirtschaftsministerium untersucht nun, ob the Deal deutsche Sicherheitsinteressen beeinträchtigt.
So heißt es in einem Bericht des Ministeriums für den am Mittwoch tagenden Wirtschaftsausschuss des Bundestages: Unter Beteiligung der fachlich betroffenen Ressorts würde ein Investitionsprüfungsverfahren nach dem Außenwirtschaftsgesetz und der Außenwirtschaftsverordnung durchgeführt. Der Bericht liegt dem Handelsblatt vor.
Das heißt: Es werde „intensiv geprüft, ob und inwieweit der Erwerb voraussichtlich deutsche oder europäische Sicherheitsinteressen beeinträchtigt – insbesondere auch mit Blick auf die Versorgungssicherheit“, schreibt das Ministerium. Würden solche Gefahren identifiziert, „wird das Bundeswirtschaftsministerium die Maßnahmen ergreifen, die erforderlich sind, um den Gefahren effektiv zu begegnen“.
VAC beschäftigt etwa 4000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Neben seinem Hauptsitz in Hanau betreibt das Unternehmen Produktionsstandorte in der Slowakei, in Finnland, Malaysia und China. Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von magnetischen Werkstoffen.
VAC ist eigenen Angaben nach „weltweit führender Hersteller fortschrittlicher magnetischer Lösungen, seltenerdhaltiger Permanentmagnete und induktiver Komponenten, die entscheidend zur Dekarbonisierung unseres Planeten beitragen“.
Permanentmagnete gelten als Schlüsseltechnologie für die Energiewende, für die Transformation der Industrie und für die Digitalisierung. Sie sind unverzichtbar für den Bau von Elektroautos, Windkraftanlagen, Kühlsystemen, Industrierobotern, Kampfjets, Drohnen und Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI).
Vacuumschmelze wurde vor mehr als 100 Jahren gegründet und hält eigenen Angaben nach mehr als 40 Jahre Patente. In den vergangenen zehn Jahren produzierte VAC mehr als eine Milliarde Permanentmagnete. Im Juni hatte das US-Bergbau-Unternehmen Energy Fuels bekanntgegeben, den Traditionskonzern aus Hanau für umgerechnet rund 1,9 Milliarden US-Dollar von der US-Investmentgesellschaft Ara Partners zu übernehmen. Ara Partners will einen Anteil von 20 Prozent behalten.
Medienberichten zufolge soll VAC nach Abschluss der Übernahme zwar seine Marke behalten und weiterhin von Hanau aus geführt werden, künftig aber vollständig in Energy Fuels integriert werden.
Mit der Übernahme von VAC will Energy Fuels nun eine durchgängige Produktionskette außerhalb Chinas aufbauen – von der Förderung seltener Erden bis zum fertigen Magneten.
Die Übernahme gilt als Teil der Strategie der USA und ihrer Verbündeten, sich von der starken Abhängigkeit von China zu befreien. China kontrolliert heute den Großteil der globalen Lieferketten für seltene Erden – von der Verarbeitung der Rohstoffe bis zur Herstellung von Magneten. Das gilt zunehmend als sicherheitspolitisches Risiko.
Seit Wochen wird über die Investitionsprüfung spekuliert. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte sie bislang nicht bestätigt.
Insider berichten, es sei unwahrscheinlich, dass die Bundesregierung die Übernahme untersage. Vielmehr dürfte sie Zugeständnisse fordern, um sicherzustellen, dass das Werk in Hanau für das Geschäft von zentraler Bedeutung bleibe. Allerdings werden die Auflagen, die das Ministerium macht, in der Regel nicht bekannt. Das stößt zunehmend auf Kritik.
So hatte das Bundeswirtschaftsministerium kürzlich die Übernahme des börsennotierten deutschen Softwareanbieters PSI durch den US-Finanzinvestor Warburg Pincus mit Auflagen verbunden. Details dieser Auflagen blieben aber unter Verschluss. Das Bundeswirtschaftsministerium verwies auf „verfassungsrechtlich geschützte Geschäftsgeheimnisse“ der beteiligten Unternehmen.
Die Geheimhaltung im Fall PSI sei „völlig indiskutabel“, sagte Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Sie untergrabe das Vertrauen in die Handlungen der Regierung. Insbesondere die Aktionäre hätten ein Anrecht auf Informationen. Außerdem fürchte er um die Zukunft von PSI in seiner jetzigen Form, sagte Kunert.
Zuletzt hatte es auch Fälle gegeben, in denen die Bundesregierung Investitionen ausländischer Unternehmen komplett untersagt hatte. Erst vor wenigen Tagen stoppte die Bundesregierung die Übernahme des Logistikunternehmens Zippel durch die chinesische Staatsreederei Cosco. Grund waren Sicherheitsbedenken: „Der Erwerb hätte Abhängigkeiten vertieft und die Resilienz von Lieferketten Deutschlands und der EU gefährdet“, hieß es aus dem Bundeswirtschaftsministerium.
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Das Wirtschaftsministerium fordert Zugeständnisse statt einer Untersagung.
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