Marktbericht: DAX-Anleger meiden das Risiko
Der deutsche Leitindex verliert zum Wochenschluss 0,75 Prozent, während Unsicherheiten über Staatsfinanzen und KI-Investitionen die Anleger verunsichern.
Quick Look
- Der DAX beendete die Woche mit einem Minus von 0,75 Prozent auf 25.181 Zähler.
- Belastungsfaktoren sind Skepsis gegenüber KI-Investitionen, steigende Ölpreise durch geopolitische Spannungen am Persischen Golf sowie Sorgen um Frankreichs Staatsfinanzen.
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Why It Matters
Der DAX reagiert auf globale Tech-Skepsis und geopolitische Spannungen. Frankreichs Staatsfinanzen stehen aufgrund hoher Verschuldung unter Beobachtung.
Mit einem Verlust von 0,75 Prozent auf 25.181 Zähler ist der DAX ins Wochenende gegangen. Bereits gestern hatten Sorgen über den Technologiesektor, negativ aufgenommene Konzernbilanzen und ein Anstieg beim Ölpreis den Markt belastet. Diese Tendenz setzte sich heute fort. Im Wochenvergleich hat der deutsche Leitindex damit rund 1,7 Prozent abgegeben.
Hinzu kommt, dass sich die Investoren wohl über längere Zeit mit den Sorgen über Frankreichs Staatsfinanzen auseinander setzen müssen - immer mit dem bangen Gefühl begleitet, dass eine neue Euro-Krise drohen könnte.
Im Technologiesektor gehe es längst nicht mehr um die grundsätzlichen Wachstumsperspektiven Künstlicher Intelligenz (KI), sondern um die Frage, ob sich die Investitionen jemals in entsprechend hohe Gewinne verwandeln ließen, erläuterte CMC-Markets-Experte Andreas Lipkow.
Gestern hatte vor allem der US-Tech-Riese Meta trotz guter Quartalszahlen Federn lassen müssen - Anleger fragen sich, wann sich die Milliardeninvestitionen auszahlen werden. Meta will in diesem Jahr 135 Milliarden Dollar investieren.
"Es gibt derzeit definitiv eine gesunde Skepsis gegenüber KI", sagte Brendon Dashiell, Portfoliomanager bei Bogart Wealth. Die bereits hohen Bewertungen machten die Branchentitel anfällig. "Jeder kleine Rückschlag am Markt kann daher bei diesen Aktien zu einem starken Kursverlust führen."
Gestern hatte Saudi Aramco laut einem Reuters-Bericht die Evakuierung seines Hauptsitzes in Dhahran in Saudi-Arabien angeordnet. Grund dafür sind die sich zuspitzenden Auseinandersetzungen zwischen dem weltgrößten Rohölexporteur und den vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen.
"Die Märkte sind zunehmend besorgt über eine erneute Eskalation am Persischen Golf - ein Szenario, das die bisher robusten Ölflüsse bedrohen könnte", schrieben die Experten der niederländischen Großbank ING. Ein Fass der Nordseesorte Brent kostet zuletzt rund 117 Dollar - von Entspannung damit weiterhin keine Spur.
Die Anleihemärkte entwickeln sich derweil höchst unterschiedlich. Während die Renditen deutscher und US-amerikanischer Staatsanleihen in dieser Woche nachgaben, setzte sich der Anstieg in Frankreich fort.
Zehnjährige Bundesanleihen rentieren zum Wochenschluss mit 3,36 Prozent nach 3,41 Prozent vor einer Woche. Zu Wochenbeginn waren es sogar bis zu 3,47 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries sank auf Wochensicht von 5,09 auf 4,97 Prozent. "Die Angst vor einer Korrektur an den Aktienmärkten treibt Anleger in sichere Staatsanleihen und drückt die Renditen", erklärt Tim Oechsner von der Steubing AG.
Französische Staatsanleihen gleicher Laufzeit werfen inzwischen rund 5,10 Prozent ab. So hoch waren die Renditen zuletzt im Mai 2002. Gründe sind die hohe Staatsverschuldung, Haushaltsprobleme und politische Instabilität.
Viele Anlegerinnen und Anleger dürften aber auch schon einen Blick in die nahe Zukunft werfen: In der kommenden Woche würden die Notenbanken wieder in den Fokus rücken, schreibt Robert Greil, Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck, in seinem Wochenausblick.
"Die US Notenbank Federal Reserve (Fed) tagt nur sechs Tage vor den US-Zwischenwahlen. Die weiter steigende US-Inflation spricht eigentlich klar für eine Leitzinserhöhung. Dennoch dürfte sich die Fed so kurz vor den Wahlen eher zurückhalten, wie sie das historisch meist gemacht hat."
Greil rechnet sowohl bei der Fed als auch bei der EZB nicht mit einer Zinsänderung. Der Ökonom hält je eine weitere Erhöhung im Dezember allerdings weiter für wahrscheinlich. Erst im September hatte die Fed ihren Leitzins um 0,25 Prozent erhöht.
Die Enttäuschung über den Quartalsbericht des französischen Triebwerkherstellers Safran hat am Freitag die ganze Branche schwer belastet. Hinzu kommen die hohen Ölpreise, die die Kurse drücken.
Die Papiere der Franzosen brachen um zehn Prozent ein auf das tiefste Niveau seit Mai. In ihrem Sog verloren Rolls-Royce, Melrose und DAX-Mitglied MTU ebenfalls deutlich. Bei MTU lagen die Verluste bei fast fünf Prozent, das Papier stand am DAX-Ende.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Notenbanken werden bei der nächsten Sitzung voraussichtlich keine Zinsänderung vornehmen.
Likely · Within weeks
Open Questions
- Wann werden sich die KI-Investitionen für Tech-Unternehmen auszahlen?
- Wie wird sich die politische Lage in Frankreich auf die Euro-Stabilität auswirken?






