
Der DAX erholt sich von vorbörslichen Verlusten. Anleger blicken auf die US-Zwischenwahlen mit Siegen für die Demokraten und zahlreiche Quartalsberichte.
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Die Zwischenwahlen in den USA bestimmen die Mehrheitsverhältnisse im Kongress. BMW hat im laufenden Jahr zum zweiten Mal die Prognose gesenkt.
Der DAX hat zum Xetra-Handelsstart vorbörslich höhere Verluste wieder aufgeholt und startet mit leichten Gewinnen in den neuen Tag. Zuletzt hat der deutsche Leitindex seine Gewinne weiter ausgebaut und steigt um rund ein halbes Prozent. Am Vortag war er noch um knapp 0,5 Prozent leichter bei 25.864 Punkten aus dem Handel gegangen.
Im Fokus der Anleger steht heute neben den Ergebnissen der Kongresswahl in den USA der Fortgang der Berichtssaison der Unternehmen. Gleich mehrere DAX-Mitglieder öffnen ihre Bücher.
So veröffentlichten neben dem Autobauer BMW, der bereits am Vorabend seine Prognose senkte, der Gesundheitskonzern Fresenius, the Zementhersteller Heidelberg Materials, der Reifenhersteller Continental oder der Betreiber von Internetportalen Scout 24 neue Quartalszahlen. Aus dem MDAX und dem europäischen Ausland liegen ebenfalls zahlreiche neue Unternehmensberichte vor.
Der Münchner Autobauer BMW kappt seine Prognose erneut. Die Gewinnmarge im Autogeschäft werde zwischen minus 0,5 Prozent und 0,5 Prozent liegen, teilte das Unternehmen nach Börsenschluss mit. Es ist das zweite Mal in diesem Jahr, dass das BMW seine Prognose senkt. Zuletzt hatten sich die Münchener noch eine Rendite von einem bis drei Prozent zugetraut.
Deutliche Gewinne fahren Heidelberg Materials und Continental nach ihren Quartalsberichten ein. Der einzige Baukonzern im DAX sprach von einer sich beschleunigten Wachstumsdynamik im dritten Quartal. Die Aktie steht im frühen Geschäft an der DAX-Spitze.
Continental-Aktien sind ebenfalls gefragt. Das Unternehmen, nunmehr ein reiner Reifenhersteller nach dem abgeschlossenen Konzernumbau, hob seine Gewinnprognose an und kehrte auch in die schwarzen Zahlen zurück. Das kommt an der Börse ebenfalls gut an.
Derweil haben bei den Zwischenwahlen in den USA die oppositionellen Demokraten beide Kammern des US-Parlaments für sich gewonnen. Zwar war ein Sieg der Partei für das Repräsentantenhaus erwartet worden, für den Senat waren die Prognosen aber nicht so eindeutig. Nunmehr ist aber klar, dass auch im Senat die Mehrheit zugunsten der Demokraten wechseln wird.
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, sprach angesichts des Triumphs der Demokraten von einem blauen Tsunami. "Ursächlich für die Wahlpleite der Republikaner war die hohe Teuerung, aber auch der Bau von KI-Rechenzentren sorgt zunehmend für Frust in großen Teilen der Bevölkerung." "Blau" ist die Farbe der Demokraten, "rot" die der Republikaner.
In den USA droht nun das, was die Wall Street "Gridlock" nennt - politischer Stillstand. Denn auf der einen Seite steht der republikanische US-Präsident Donald Trump und auf der anderen künftig ein von Demokraten dominierter Kongress. Es ist eine herbe Niederlage für Trump ganz persönlich, denn er hatte die Parlamentswahlen zu einer Abstimmung über seine Politik gemacht.
Die Aussicht auf überraschende Erfolge der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen hatte die asiatischen Anleger am Morgen zunächst verschreckt und die Märkte in Fernost unter Druck gesetzt. Vor allem in Japan und Südkorea ging es deutlicher bergab. Vor allem Kursverluste bei Aktien aus dem Bereich Künstliche Intelligenz (KI) drückten den japanischen Nikkei-Index zwischenzeitlich deutlich ins Minus. Zum Handelsende konnte der Index aber die Verluste eingrenzen und schloss letztlich 1,4 Prozent tiefer.
KI-Werte litten unter Sorgen, dass Zugewinne der Demokraten zu strengeren Regeln für Rechenzentrumsprojekte und gebremsten Ausgaben für die Infrastruktur führen könnten. "Die Demokraten gewinnen Sitze in einigen wichtigen Bundesstaaten. Das hat Befürchtungen über strengere Vorschriften für Investitionen in die KI-Infrastruktur geschürt", sagte auch Takamasa Ikeda, leitender Portfoliomanager bei GCI Asset Management.
Der Erholungsversuch der New Yorker Technologiebörse Nasdaq ist am Dienstag ist geglückt. Am Ende behauptete der Auswahlindex Nasdaq 100 allerdings nur noch ein Plus von 0,7 Prozent auf 28.180 Punkte. Damit endete eine dreitägige Serie herber Verluste.
Die wieder gefragten Halbleitertitel - inklusive des Branchenriesen Nvidia - wogen insgesamt schwerer als die enttäuschenden Geschäftsaussagen von Apple und Palantir. Der marktbreite S&P 500 gewann 0,4 Prozent auf 7.568 Punkte. Dagegen sank der Dow Jones, der Leitindex der Standardwerte, um 0,4 Prozent auf 51.786 Punkte. Die Futures auf die großen US-Aktienindizes sind derweil am Vormittag allsammt ins Plus gedreht und signalisieren eine positive Wall-Street-Tendenz.
"Meiner Ansicht nach sollte jedes Ergebnis, das den Prognosemärkten oder den Umfragen zu diesem Zeitpunkt entspricht, weitgehend eingepreist sein", sagte Chun Wang, Direktor für Multi-Asset-Strategien beim Vermögensverwalter Leuthold Group.
Immerhin hat Präsident Trump seine Wahlniederlage anerkannt - was im Vorfeld noch nicht unbedingt ausgemachte Sache war. Die Anleger fragen sich aber, ob ein geschwächter Donald Trump womöglich die Gangart gegen Iran wieder verschärfen könnte - was für neue Spannungen am Ölmarkt sorgen wird. Bisher hat sich der Präsident noch nicht festgelegt.
Der Ölpreis selbst reagiert kaum auf die Wahl. Ein Fass der Nordseesorte Brent kostete mit etwas über 103 Dollar zuletzt fast genauso viel wie am Vorabend.
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Politischer Stillstand (Gridlock) zwischen US-Präsident und Kongress
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