
Walldorfer Softwarekonzern übertrifft Markterwartungen dank KI-Nachfrage, während der Gesamtmarkt unter Druck steht.
AI-generated summary
SAP vollzieht seit Jahren einen strategischen Umbau hin zu Cloud-basierten Softwarelösungen. Das Unternehmen integriert zunehmend KI-Agenten in seine Produkte, um die Kundenbindung zu stärken.
DAX-Schwergewicht SAP hat am Mittwochabend nach US-Börsenschluss über ein erfolgreiches drittes Geschäftsquartal berichtet. Denn dank einer robusten Nachfrage hat sich bei dem Walldorfer Konzern das Wachstum der wichtigen Cloud-Sparte wieder etwas beschleunigt. SAP steigerte den Umsatz in den drei Monaten bis Ende September insgesamt um 13 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro.
Allein bei der Cloudsoftware flossen 26 Prozent mehr Erlöse. Experten am Kapitalmarkt schauen vor allem auf diese zukunftsweisende Kennziffer, weil sie zu großen Teilen Rückschlüsse auf die künftige Umsatzentwicklung vorgibt. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (Ebit) kletterte um 18 Prozent auf 3,03 Milliarden Euro. Das war ebenfalls mehr als erwartet. Unter dem Strich wuchs der Gewinn um elf Prozent auf 2,27 Milliarden Euro.
Die Zahlen gefielen, sodass die in New York gehandelten Aktienhinterlegungsscheine (ADS) zunächst um rund vier Prozent anzogen, diese ersten erste Gewinne aber nicht halten konnten. Im DAX kann die Aktie am frühen Nachmittag in einem schwächeren Gesamtmarktumfeld allerdings nicht an die positive New Yorker Tendenz anknüpfen, sondern gibt leicht nach.
"Ein ausgezeichnetes Quartal"
Konkret wurde Konzernchef Christian Klein für die Clouderlöse im Gesamtjahr etwas zuversichtlicher als zuletzt. Die Kunden investierten weiterhin kräftig in die KI-Angebote des Unternehmens. Das Volumen der Cloud-Aufträge wuchs wie im vorangegangenen Vierteljahr währungsbereinigt um 26 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro. Der Umsatz dieser Sparte stieg um 25 Prozent auf 6,67 Milliarden Euro und übertraf die Markterwartungen leicht.
Klein erwartet, dass bei den Clouderlösen das obere Ende der Prognosespanne von währungsbereinigt 23 bis 25 Prozent Wachstum erreicht werde. Demzufolge werde sich auch die Summe der Umsätze aus Cloudprodukten und herkömmlichen Softwarelizenzen günstiger entwickeln als bisher gedacht. Klein sprach von einem "ausgezeichneten dritten Quartal".
Zum ersten Mal habe SAP in einem Quartal mehr als zehn Milliarden Euro Umsatzerlöse und mehr als drei Milliarden Euro bereinigtes Betriebsergebnis überschritten, sagte Finanzchef Asam. Er verwies aber auch auf das wichtige vierte Quartal und dämpfte dabei die Euphorie etwas. Im Schlussquartal gehen nämlich üblicherweise rund die Hälfte der Buchungen des gesamten Jahres bei SAP ein - schlechte Stimmung könne da die Zahlen belasten und auch einen niedrigeren Pfad für das kommende Jahr bedeuten.
Konzernumbau zahlt sich aus
Ein Hauptgrund für die erfolgreiche Entwicklung bei SAP ist, dass es mit dem vor Jahren von Klein intensivierten Schwenk zu Cloudsoftware rund läuft. Dabei setzt er auch auf Effekte der Künstlichen Intelligenz. Neue hauseigene KI-Agenten führen die Kunden zunehmend durch die Produkte.
Zuletzt hatten sich die Investoren gesorgt, dass hauseigene Software durch frei verfügbare, KI-generierte Produkte, einfach und billiger ersetzt werden könnte - was nicht nur der SAP-Aktie, sondern Papieren der gesamten Branche zu schaffen gemacht hat. Diese Sorgen haben sich zunehmend verflüchtigt, denn KI scheint keine Bedrohung mehr zu sein, sondern immer mehr ein Werkzeug, das hilft.
Die Aktie hat daher seit Ende Juli wieder kräftig Boden gutgemacht, nachdem sie zuvor deutlich abgerutscht war. Seit dem Tief im Juli bei unter 130 Euro hat die SAP-Aktie mittlerweile wieder mehr als die Hälfte gewonnen. Zuletzt wurde im DAX die Kursmarke von 200 Euro erneut überschritten.
DAX gibt Gewinne vom Vortag wieder ab
Nach den Avancen des Vortages geht es heute mit den Kursen am Aktienmarkt wieder bergab. Hauptgrund sind schwach aufgenommenen Quartalszahlen aus dem Technologiesektor von Größen wie Tesla, Meta oder IBM vom Vorabend. Auch altbekannte Sorgen um hohe Ölpreise und steigende Anleiherenditen kommen wieder auf. Französische zehnjährige Staatsanleihen tendieren deutlich schwächer und rentieren bei 5,10 Prozent auf einem neuen Höchststand.
"Die Quartalsberichte von Tesla, Meta, IBM und SAP reichen nicht aus, um das Vertrauen in den Technologiesektor und hier insbesondere in den Chip-Sektor zu festigen", schrieb der Börsenbrief-Autor Hans Bernecker. Tags zuvor hatten Milliarden-Gewinne des Weltraum- und KI-Konzerns SpaceX die jüngsten Sorgen damit nur vorübergehend gemildert.
AI outlook — possibilities, not facts
SAP erreicht das obere Ende der Cloud-Wachstumsprognose von 23 bis 25 Prozent.
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