
Anleger reagieren negativ auf Quartalszahlen: Hohe Investitionen in Künstliche Intelligenz belasten Bilanzen und führen zu Kursverlusten.
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Tech-Unternehmen investieren massiv in KI-Infrastruktur, was den freien Cashflow unter Druck setzt. Die Börse bewertet diese Strategie zunehmend kritisch.
Es waren mal wieder beeindruckende Summen, um die es bei den jüngsten Quartalszahlen der beiden US-Tech-Größen Amazon und Intel am Vorabend nach US-Börsenschluss ging.
Was an sich aber nichts aussagt - denn die Anleger an der Technologiebörse Nasdaq nahmen beide Bericht negativ auf. Eines wird dabei immer klarer: Die Börse ist nicht mehr bereit, atemberaubende Investitionssummen in Künstliche Intelligenz und die hierfür nötige Infrastruktur kritiklos zu akzeptieren oder gar zu bejubeln.
Schon gar nicht, wenn dafür sogar Schulden gemacht werden müssen, die Ausgaben also nicht mehr aus den laufenden Mitteln bezahlt werden können. Nach Amazon gestern hat auch die Google-Mutter Alphabet dies schon schmerzlich zu spüren bekommen. Zuvor hatten bereits Meta-Aktien heftig gelitten.
Intel mit düsterem Ausblick
Es war ein schwarzer Tag für die Intel-Aktie - nach dem Bericht zum dritten Quartal verlor das Papier des US-Chipherstellers über ein Fünftel an Wert. Grund war eine schwache Geschäftsprognose, aber auch der Ausfall eines Werks in Israel. Das wichtige Werk Kirjat Gat stehe seit der Explosion vor zwei Wochen still, sagte Intel-Finanzchef David Zinsner in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Dies dürfte den Konzerngewinn pro Quartal um etwa 300 Millionen Dollar schmälern.
Traditionelle Zentralprozessoren für Server sind derzeit stark gefragt. Sie werden für den Betrieb bereits trainierter KI-Modelle sowie für den Einsatz sogenannter KI-Agenten benötigt. Letztere sind Programme, die komplexe Aufgaben weitgehend eigenständig erledigen. Intel-Konzernchef Lip-Bu Tan zeigte sich enttäuscht, dass die hohe Nachfrage nicht bedient werden konnte.
Zudem prognostizierte Intel eine verschärfte Absatzschwäche im Geschäft mit PC-Prozessoren. Die Kunden hielten sich wegen explodierender Kosten für Komponenten wie Speicherchips zurück. Die Nachfrage dürfte im laufenden Quartal um etwa 25 Prozent zurückgehen, prognostizierte Zinsner. Intel rechnet für 2027 mit einem Schrumpfen des PC-Marktes um zehn Prozent nach einem Rückgang um zwölf Prozent in diesem Jahr.
Amazons hohe Investitionen belasten die Bilanz
Überraschend hohe Kosten für den Bau neuer KI-Rechenzentren belasten die Bilanz von Amazon. Der Barmittelabfluss habe sich in den vergangenen drei Monaten auf 42,4 Milliarden Dollar nahezu versechsfacht, teilte der Onlinehändler am Abend nach US-Börsenschluss mit. Die Aktie gab daraufhin rund sieben Prozent nach.
Diese Entwicklung sei besorgniserregend, sagte Portfoliomanager Dave Wagner vom Vermögensverwalter Aptus. "Das operative Geschäft erwirtschaftet reichlich Geld, aber die Investitionen verschlingen es komplett."
Amazon hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie die Google-Mutter Alphabet und der Facebook-Betreiber Meta. Die beiden Letzteren mussten wegen hoher Investitionen im dritten Quartal ebenfalls einen negativen "Free Cash Flow" hinnehmen. Was heißt, dass Investitionen trotz sprudelnder Einnahmen teilweise mit Schulden finanziert werden müssen - was an der Börse nicht gut ankommt.
Amazon-Chef Andy Jassy machte aber deutlich, dass die Investitionen noch gesteigert werden im kommenden Jahr - Amazon ist mit seiner aws-Sparte besonders im Cloud-Geschäft stark positioniert - und will im im laufenden Jahr 220 Milliarden Dollar in den Ausbau seiner KI-Infrastruktur stecken. Bei Google sind es bis zu 205 Milliarden Dollar und bei Meta zwischen 135 und 145 Milliarden Dollar. Microsoft schraubte seine Investitionsprognose am Mittwoch auf 170 von 175 Milliarden Dollar herunter.
"Die Kriterien dafür, wer im KI-Zeitalter gewinnt, verändern sich", sagte Marcel Tietjen, Technologie-Experte der Beratungsfirma BearingPoint. "Entscheidend ist nicht mehr allein, wer das beste Modell oder das größte Rechenzentrum hat." Der Schwerpunkt verlagere sich auf die Frage, wer pro investierter Milliarde den größten Umsatz und den höchsten Gewinn erwirtschaften könne.
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