
Während Anthropic beeindruckende Wachstumszahlen vorlegt, warnt Apollo-Chefökonom Torsten Slok vor einer fehlenden Produktivitätsrendite in der breiten US-Wirtschaft.
Anthropic meldet massives Umsatzwachstum, doch Apollo-Chefökonom Torsten Slok warnt: Außerhalb der 'Magischen Sieben' zeigen KI-Investitionen in US-Unternehmen bisher kaum messbare Effekte auf Produktivität oder Margen.
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Die 'Magischen Sieben' (Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta, Nvidia, Tesla) dominieren derzeit die KI-getriebene Marktentwicklung.
Es ist ein spektakuläres Wachstum, das der zu Wochenbeginn veröffentlichte Börsenprospekt von Anthropic präsentiert: Umsatz vervierzehnfacht – von 1,2 Milliarden Dollar im ersten Quartal auf 16,3 Milliarden Dollar im zweiten Quartal 2026. Operativ verbrennt Anthropic nicht mehr Milliarden – sondern kratzt an der Gewinnschwelle.
Die Zahlen, verbunden mit den Wachstumsaussichten, scheinen einer Billionen-Firma würdig. Das hat zu Wochenbeginn ausgereicht, um die Zweifel an der Werthaltigkeit der KI-Investitionen zu vertreiben.
Torsten Slok, Chefökonom bei Apollo, fasst das Ergebnis seiner Analyse pointiert zusammen: „Trotz massiver Investitionen und des weitverbreiteten Hypes um Künstliche Intelligenz hat die Technologie den amerikanischen Unternehmen außerhalb der Tech-Branche keinerlei finanziellen Gewinn gebracht.“
Den Befund macht er anhand einer Reihe von Kriterien fest. So zeigt der Umsatz pro Mitarbeiter bei den großen Tech-Konzernen, den magischen Sieben (Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta, Nvidia und Tesla) seit 2023 steil nach oben.
In knapp drei Jahren ist er im Schnitt von 600.000 auf 800.000 Dollar pro Mitarbeiter angewachsen. Das KI-Versprechen, dass die gleiche Anzahl von Mitarbeitern mehr schafft, scheint für die Technologiekonzerne voll aufzugehen. Anders sieht es im Rest der Wirtschaft aus: Der Umsatz pro Mitarbeiter der übrigen 493 US-Konzerne im Leitindex S&P 500 stagniert im gleichen Drei-Jahres-Zeitraum bei rund 500.000 Dollar pro Mitarbeiter.
Das gleiche Bild ergibt sich beim Blick auf die Marge: Während sich die Gewinnspanne der Magischen Sieben in drei Jahren von 15 auf 30 Prozent verdoppelt hat, dümpelt der Durchschnitt der 493 US-Unternehmen im gleichen Zeitraum unverändert bei um die zehn Prozent. Und auch in der Produktivitätsstatistik schlage sich der KI-Hype bisher nicht nieder, so Slok: „Es gibt nach wie vor keine Anzeichen dafür, dass KI die Produktivität beflügelt.“
Der Apollo-Chefökonom warnt, dies könnte außerhalb des Silicon Valley zu einem Umdenken führen. „Ohne Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis zieht sich die amerikanische Unternehmenswelt zurück und betrachtet Ausgaben für KI-Token zunehmend nicht mehr als Wachstumsquelle, sondern als Kostenfaktor, der die Margen belastet.“ Während von Risikokapitalgebern finanzierte Start-ups immer größere Summen für die Nutzung von KI ausgeben, greift Corporate America laut Slok zunehmend auf sparsamere Lösungen zurück.
Das könne Folgen für die KI-Rally haben: „Solange sich agentische KI und Token-Ausgaben auf einen kleinen Teil der Wirtschaft beschränken, werden die makroökonomischen Auswirkungen der KI sehr begrenzt sein“, ist Slok überzeugt. Anleger sollten sich daher nicht von den Wachstumszahlen der magischen Sieben blenden lassen, rät Slok. Denn: „Unter dem Strich wird sich die Entwicklung im Bereich KI im S&P 493 entscheiden.“

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