BackMehr als 40 deutsche Organisationen warnen vor Aussetzen des Asylrechts in der EU
Mehr als 40 deutsche Organisationen warnen vor Aussetzen des Asylrechts in der EU
Developing
Die Welt1 hour agoWorld2 min readGermanyView translation

Mehr als 40 deutsche Organisationen warnen vor Aussetzen des Asylrechts in der EU

Vor dem EU-Gipfel in Brüssel warnen Kirchen- und Gesellschaftsorganisationen vor einer möglichen Aussetzung des Asylrechts in der Europäischen Union.

Quick Look

  • Vor dem EU-Gipfel in Brüssel haben fast 40 deutsche Organisationen aus Kirche und Gesellschaft einen Appell an die Bundesregierung gerichtet.
  • Sie warnen vor einer möglichen Aussetzung des Asylrechts und einer damit verbundenen Legalisation von Pushbacks an den EU-Außengrenzen.

AI-generated summary

Why It Matters

Vor dem EU-Gipfel in Brüssel beraten die Mitgliedstaaten über das europäische Asylrecht und schärfere Maßnahmen an den Außengrenzen.

Font size

Vor Beratungen der Europäischen Union über das Asylrecht haben fast 40 deutsche Organisationen aus Kirche und Gesellschaft einen Appell an die Bundesregierung gerichtet. Hintergrund ist der am Donnerstag beginnende EU-Gipfel in Brüssel.

Die Organisationen befürchten, dass beim Europäischen Rat Ende der Woche Vorschläge diskutiert werden, die das Asylrecht in bestimmten Situationen aussetzen, „etwa bei einer sehr hohen Zahl von Ankünften aufgrund einer vermuteten Instrumentalisierung von Migration durch Drittstaaten. Das bedeutet: Menschen könnten an Europas Grenzen zurückgewiesen werden, bevor sie überhaupt sagen dürfen, warum sie Schutz brauchen“, steht in dem Statement, das unter anderem das katholische Hilfswerk Misereor, der Jesuiten-Flüchtlingsdienst, die Frauenrechtsorganisation Solwodi, Ärzte ohne Grenzen und Pro Asyl unterzeichnet haben.

Die Verfasser verweisen auf die Ereignisse von Ceuta, die nun herangezogen würden, um eine Aussetzung des Asylrechts zu rechtfertigen. „Die Ankunft zehntausender Menschen innerhalb kürzester Zeit stellte die örtlichen Behörden und die vorhandenen Aufnahme- und Versorgungskapazitäten ohne Frage vor große Herausforderungen“, gestehen die Unterzeichner des Briefs ein. „Zugleich war die Situation für die Menschen selbst hochriskant.“ Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen seien mehr als 140 Menschen bei dem Versuch gestorben, die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika zu erreichen.

„Diese außergewöhnliche Situation und das entstandene Leid müssen ernst genommen werden“, fordern die Organisationen. Die Antwort darauf sollte gegenseitige Unterstützung und Solidarität der EU-Mitgliedstaaten sein. „Eine Aussetzung des Asylrechts würde dagegen nicht nur konkret verfolgte Menschen gefährden, sondern auch die Glaubwürdigkeit der EU schwächen.“

„Gefährlicher Präzedenzfall“

Eine möglicherweise von der EU genehmigte Aussetzung des Asylrechts wäre ein folgenschwerer Bruch mit den europäischen Grundrechten, warnen die Unterzeichner. Diese Rechte seien Errungenschaften. Sie müssten gerade in herausfordernden Situationen gewahrt und verteidigt werden.

„Wer heute das Recht für bestimmte Situationen aussetzen lässt, stärkt diejenigen, die seine Abschaffung fordern, und verschiebt die Grenze dessen, was politisch und rechtlich möglich erscheint – ein gefährlicher Präzedenzfall für Grundrechte in der Europäischen Union“, wird in dem Appell vom Mittwoch gemahnt. „Wer das Asylrecht aussetzt, stellt damit einen zentralen Bestandteil des europäischen Grundrechtsschutzes und des Selbstverständnisses der Europäischen Union als Raum der Menschenrechte, Freiheit, Gleichheit und Solidarität in Frage.“

Bereits jetzt würden viele Schutzsuchende an Europas Grenzen Gewalt erleben: „Das Recht, Asyl zu suchen, wird durch sogenannte Pushbacks verweigert.“ Die EU könnte laut den Unterzeichnern kurz davorstehen, „diese Menschenrechtsverletzung entgegen der Grundrechte zu legalisieren“.

Gemeinsam appellieren die Organisationen in ihrem Brief an die Bundesregierung: „Stehen Sie auf europäischer Ebene klar für die europäischen Grundrechte und damit auch für das Recht auf Asyl ein.“

Europa plant mehrere „Return Hubs“

Die EU plant eine deutliche Verschärfung der Migrationspolitik. Die Außengrenzen sollen stärker kontrolliert und die Grenzschutzagentur Frontex ausgebaut werden. Bei außergewöhnlichen Migrationsbewegungen soll Frontex innerhalb von 24 Stunden eingreifen können.

Zudem ist ein Krisenmechanismus mit beschleunigten Rückführungen vorgesehen, wenn die Mitgliedstaaten eine Ausnahmesituation feststellen, die nicht auf einer humanitären Notlage beruht. Um irreguläre Migration bereits vor der Einreise nach Europa einzudämmen, sollen außerdem mehrere sogenannte „Return Hubs“ außerhalb der EU entstehen. Dort sollen Migranten untergebracht werden, die ausreisepflichtig sind und nicht in ihre Herkunftsländer zurückgeführt werden können.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • EU-Gipfel diskutiert Vorschläge zur Aussetzung des Asylrechts in bestimmten Situationen.

    Very likely · Within days

Open Questions

  • Wie wird sich die Bundesregierung auf dem EU-Gipfel positionieren?
  • Welche konkreten Beschlüsse fasst der Europäische Rat zum Asylrecht?

Related Topics

This article was originally published by Die Welt.

Related Stories

Saudi Arabia: Attack hits oil company Aramco, game with Christiano Ronaldo is postponed
Developing·

Saudi Arabia: Attack hits oil company Aramco, game with Christiano Ronaldo is postponed

In the conflict with the Houthi militia from Yemen, Saudi Arabia was again the target of attacks. An administrative building of the state oil company Aramco in Dhahran was hit, and four people were injured in Riyadh by cruise missiles fired. Two ships were also attacked in the Strait of Hormuz. The Saudi Pro League postponed three games, including Al-Nassr's away game with Cristiano Ronaldo.

Spiegel Ausland
2 min read
Europe: EU advances accession talks with Ukraine and Moldova
Developing·

Europe: EU advances accession talks with Ukraine and Moldova

The European Union expanded the accession negotiations with Ukraine and Moldova in Luxembourg to include the internal market as well as competitiveness and inclusive growth. The Irish EU Council Presidency described this as a milestone for Russia-attacked Ukraine. Experts estimate that negotiations with Ukraine are unlikely to be concluded before the next decade, as the country is still far from meeting EU standards in areas such as anti-corruption.

Handelsblatt
2 min read
More on this topicasylrecht