Mehr Fälle: Kindesmissbrauch mit KI: Cyber-Ermittler vor neuen Problemen
Quick Look
- Die Staatsanwaltschaft Baden-Württemberg warnt vor der Zunahme von KI-generierter Kinderpornografie und erklärt, dass die rechtliche Bewertung davon abhängt, ob das Material für durchschnittliche Betrachter erkennbar künstlich ist.
- Bei unklarer Unterscheidung können Besitz und Verbreitung mehrere Jahre Freiheitsstrafe nach sich ziehen, während Betreiber von KI-Tools möglicherweise wegen Beihilfe strafbar gemacht werden könnten.
AI-generated summary
Why It Matters
Die Staatsanwaltschaft Baden-Württemberg berichtet über eine zweistellige Anzahl an Fällen von KI-generierter Kinderpornografie und hat bereits eine der ersten bundesweiten Verurteilungen in diesem Bereich erzielt. Rechtlich wird zwischen eindeutig erkennbaren künstlichen Inhalten und solchen unterschieden, die nicht leicht als künstlich zu identifizieren sind.
Im Kampf gegen Kinderpornografie stellt Material, das mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurde, Fahnder vor neue Herausforderungen. «Bislang gibt es kaum Rechtsprechung zu dem Thema», sagte Thorsten Nees, Erster Staatsanwalt am Cybercrime-Zentrum (CCZ) Baden-Württemberg bei der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe. Das Zentrum bearbeitet eine zweistellige Zahl an Fällen und erwirkte eine der ersten Verurteilungen bundesweit in dem Bereich.
Auch fiktiver kinderpornografischer Inhalt ist Kinderpornografie im Sinne des Strafgesetzbuchs. Es komme aber darauf an, ob das Material aus Sicht eines durchschnittlichen Betrachters auf den ersten Blick klar als künstlich zu erkennen ist, erklärte Oberstaatsanwalt Mirko Heim vom CCZ und nannte Mangas als Beispiel. Dann drohe nur für das Verbreiten und Zugänglichmachen eine Strafe. Ist das nicht mehr so leicht auszumachen, können auch der Besitz und die sogenannte Besitzverschaffung mit mehreren Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden. Das Problem dabei: «Was wirklichkeitsnah ist, ist eine Auslegungsfrage», erklärte Nees. Das berge immer rechtliche Unsicherheiten.
Ein Forschungsteam der Universität Passau kam bei einer Analyse zu dem Schluss, dass unter Umständen auch Betreiber von KI-Tools strafrechtlich verfolgt werden könnten - etwa wegen Beihilfe.
Täter nutzen frei verfügbare Tools
Die Fälle KI-generierter Kinder- und Jugendpornografie nehmen deutlich zu, sagten die Experten. «Dies liegt auch daran, dass es zwischenzeitlich keiner besonderen IT-Expertise mehr bedarf, um mittels frei zugänglicher KI-Software solche Inhalte zu erstellen», erklärte Nees. Die Täter verwendeten regelmäßig frei im Internet verfügbare KI-Tools. Konkrete Zahlen nannte das CCZ nicht.
Den Tätern geht es nach Erkenntnissen der Ermittler vor allem darum, ihr sexuelles Interesse zu befriedigen. Manchmal würden solche Inhalte dazu genutzt, dem Betroffenen beziehungsweise Abgebildeten zu schaden.
Um zu erkennen, dass ein Bild künstlich erzeugt wurde, helfen insbesondere Eingabebefehle (Prompts) und Herkunftsnachweise. Generell werde das aber immer schwerer, räumte Nees ein. Werden Inhalte anonym, verschlüsselt oder im Ausland gehostet, könne dies die Identifizierung des Täters erschweren.
Weshalb ist die Unterscheidung KI oder nicht bedeutsam?
Ob es sich um reale oder KI-generierte Kinderpornografie handelt, ist den Angaben zufolge nicht nur für das Vorgehen der Ermittlungsbehörden oder hinsichtlich der Strafbarkeit wichtig. Im Rahmen der Strafzumessung könne es auch eine Rolle spielen, dass kein real existentes Kind missbraucht wurde.
Allerdings betonte Heim etwa, dass sich Kinder, deren Konterfei genutzt wurde, ähnlich einem realen Missbrauchsopfer missbraucht und beschämt fühlten. Zum anderen bestehe die Gefahr, dass ein Täter mit der Zeit mehr wolle und entweder zu realer Kinderpornografie wechsle oder sich im echten Leben an einem Kind vergreife. «Jedes KI-generierte Bild kann die Hemmschwelle senken», sagte Heim.
Ähnlich hatte sich auch die Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus, Anfang des Jahres geäußert: «Solche Aufnahmen sind äußerst problematisch, weil sie sexualisierte Gewalt nicht nur abbilden, sondern reproduzieren und normalisieren.»
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Anzahl der Fälle von KI-generierter Kinderpornografie wird weiter steigen, da die Nutzung frei verfügbarer KI-Tools keine besondere IT-Expertise mehr erfordert.
Very likely · Within months
Betreiber von KI-Tools könnten zunehmend strafrechtlich wegen Beihilfe verfolgt werden.
Possible · Within months
Open Questions
- Wie viele Fälle von KI-generierter Kinderpornografie werden derzeit genau bearbeitet?
- Welche konkreten Strafen wurden in der ersten Verurteilung verhängt?
- Wie effektiv sind aktuelle Methoden zur Erkennung von KI-generierten Inhalten?
- Gibt es internationale Kooperationen zur Bekämpfung dieses Phänomens?
