
Umfragen zeigen, dass Korruption für US-Wähler zum zentralen Thema geworden ist, während Trumps Vermögen während der Amtszeit massiv gewachsen ist.
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Die US-Zwischenwahlen finden am 3. November statt und gelten als richtungsweisend für die zweite Amtszeit von Donald Trump. Korruptionsvorwürfe begleiten seine Amtsführung seit Beginn.
Washington. Ein Flugzeug, geschenkt von Katar, zweifelhafte Aktiendeals, dubiose Kryptogeschäfte – seit Beginn seiner Amtszeit schlagen US-Präsident Donald Trump und seine Familie finanziellen Profit aus ihr. US-Medien griffen das Thema immer wieder auf. Doch lange Zeit blieb der große Aufschrei aus. „Es kümmert niemanden“, sagte Trump Anfang des Jahres in einem Interview mit der „New York Times“ zu den Geschäften, die er und seine Familie machen.
Doch kurz vor den wichtigen Zwischenwahlen dreht sich die Stimmung. Am 3. November werden das komplette Repräsentantenhaus, Teile des Senats und in mehreren Staaten neue Gouverneure gewählt. Die Wahl gilt als richtungsweisend für den Rest von Trumps Amtszeit.
Nur wenige Tage vor der Abstimmung zeigen mehrere Umfragen, dass Korruption zum wichtigsten Thema bei den Wählern aufgerückt ist. Am Freitag veröffentlichte der TV-Sender CNBC eine Umfrage, bei der 36 Prozent der Befragten die Korruption in der Regierung als eines der derzeit wichtigsten Probleme des Landes nannten. Erst an zweiter Stelle standen mit 34 Prozent die Kosten für Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs, gefolgt vom Schutz der Demokratie und den Benzinpreisen, die jeweils 23 Prozent nannten.
Viele Amerikaner „extrem besorgt“ über Korruption
Zuvor war eine Umfrage im Auftrag des rechtskonservativen Senders Fox News zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Demnach gaben 88 Prozent der Amerikaner an, dass sie „sehr“ oder „extrem besorgt“ über Korruption in der Regierung seien – noch vor Inflation und hohen Preisen (85 Prozent) und den Benzinpreisen (83 Prozent).
Nach einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage von der „Financial Times“ und dem Unternehmen Focaldata äußerten sich 69 Prozent aller Amerikaner und 50 Prozent derjenigen, die 2024 für Trump gestimmt hatten, „besorgt“ oder „sehr besorgt“ über Korruption, Insidergeschäfte oder Interessenskonflikte in der derzeitigen US‑Regierung. Eine aktuelle Umfrage der „Washington Post“ und des TV‑Senders NBC News zeigt, dass zwei Drittel der Amerikaner glauben, dass Trump sein Amt dazu nutzt, sich selbst zu bereichern.
Für den US-Präsidenten und seine Partei kommt diese Stimmungsänderung zur Unzeit. Trumps Zustimmungswerte sind in den vergangenen Monaten immer tiefer gesunken. Derzeit sind im Durchschnitt der Umfragen nur noch rund 37 Prozent aller Amerikaner mit ihm zufrieden. Einzelne Umfragen sehen den Republikaner sogar noch unbeliebter: Bei der letzten Erhebung von Ipsos im Auftrag der Nachrichtenagentur Reuters kam er nur noch auf Zustimmungswerte von 31 Prozent.
Zwar steht der US-Präsident nicht selbst auf dem Wahlzettel, die Abstimmung wird aber traditionell als Halbzeitbilanz für die amtierende Regierung gewertet.
Für Trump selbst hat sich die Präsidentschaft finanziell bereits jetzt gelohnt. Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit ist sein Vermögen laut „Forbes“ um 183 Prozent auf 6,5 Milliarden Dollar gewachsen. Hauptgrund dafür sind seine Investitionen in Kryptowährungen, aber auch seine anderen Investitionen werfen viel Geld ab.
So berichtete das „Wall Street Journal“, Vertreter eines Mitglieds der Königsfamilie der Vereinigten Arabischen Emirate hätten offenbar kurz vor Donald Trumps Amtseinführung als US-Präsident einen Vertrag mit der Familie Trump unterzeichnet. Dabei kauften die Araber 49 Prozent des Kryptounternehmens World Liberty Financial (WLF) für eine halbe Milliarde Dollar. Das Krypto-Unternehmen hatte Trump gemeinsam mit seinen Söhnen gegründet.
Vergangene Woche wurde gegen diesen und andere Krypto-Deals, bei dem Trump und seine Familie direkt oder indirekt profitierten, Klage eingereicht.
Während der US-Präsident noch im Wahlkampf ist, laufen schon die Vorbereitungen für das neueste Event, bei dem er sein Amt mit seinen Geschäften vermischt. Für den 22. November ist ein großes Gala-Dinner seines Trump-Coins geplant. Als „ein Abend mit drei Legenden und Präsident Donald J. Trump“ wird die Veranstaltung beworben. Eingeladen sind die größten 185 Investoren in die Kryptowährung. Wer ganz besonders viele Trump-Coins kauft, zählt sogar zu den 29 VIPs.
Aufklärung gefordert
Mehrere US-Senatoren forderten in einem Brief an Trumps Stabschefin im Weißen Haus, Susie Wiles, am Donnerstag Aufklärung. Darin heißt es, die „größten $TRUMP-Coin-Inhaber“ würden anhand einer Formel ermittelt, die vereinfacht so beschrieben werde: „Je mehr man hält und je länger man hält, (…) desto höher steigt man auf.“ „Dieses Abendessen und der Bewertungsmechanismus scheinen genau darauf ausgelegt zu sein, die Investitionen in $TRUMP zu steigern, wodurch der Präsident die Macht seines Amtes missbrauchen kann, um sich persönlich zu bereichern, wie er es während seiner gesamten Amtszeit getan hat.“ Unterzeichnet ist der Brief von mehreren demokratischen Senatoren.
Fragen werfen auch Trumps zahlreiche Begnadigungen für verurteilte Verbrecher auf. Seit seinem Amtsantritt hat er hunderte Menschen begnadigt, darunter Drogenhändler, Bankräuber und Geldwäscher. Der Fall von Changpeng Zhao, Gründer von Binance, der weltgrößten Kryptohandelsplattform, sorgte für besonders viel Aufsehen. Zhao hatte sich schuldig bekannt, gegen Geldwäsche-Gesetze der USA verstoßen zu haben und war dafür zu einer hohen Geldstrafe und Gefängnis verurteilt worden. Im Oktober 2025 begnadigte Trump ihn. Nur kurz zuvor hatte Binance Geschäfte getätigt, die World Liberty begünstigen. Kritiker, darunter eine Gruppe demokratischer Abgeordnete, sahen darin einen Interessenskonflikt. Das Weiße Haus bestritt jegliches Fehlverhalten.
Auch andere Vorgänge riefen Kritiker auf den Plan. So hatte das von Trump massiv beeinflusste US-Justizministerium veranlasst, dass ein Gerichtsprozess gegen Gautam Adani, Indiens reichster Mann, eingestellt wird. Wie die „New York Times“ berichtete, hatte Adanis Anwaltsteam in einem Treffen mit Vertretern des Justizministeriums zuvor in Aussicht gestellt, dass Adani zehn Milliarden Dollar in den USA investieren könnte, wenn der Fall gelöst werden würde. Auch hier bestritt die US-Regierung, in diesem Fall das Justizministerium, jegliches Fehlverhalten.
Vereinzelt nahm Trump Geschenke von enormem Gegenwert auch ganz offen an. So überließ ihm Katar ein Flugzeug im Wert von geschätzt 400 Millionen US-Dollar. Trump nahm es im vergangenen Jahr dankend an. Kritik daran wies er zurück. Abzulehnen, sagte Trump, wäre „dumm“ gewesen.
Wie die Parteipräferenz das Urteil über Trump prägt
Eine Umfrage des Norc Center for Public Affairs Research im Auftrag der Nachrichtenagentur AP zeigt, wie stark die Einschätzung zu Trumps Bereicherung je nach Parteipräferenz auseinandergehen. Demnach sagen sieben Prozent der Republikaner, dass Trumps Bereicherung illegal sei. 21 Prozent gaben an, dass sein Verhalten unethisch sei, aber nicht gegen das Gesetz verstoße. Auf der anderen Seite glauben 78 Prozent der Demokraten, dass Trump illegal vorgegangen ist, und elf Prozent, dass er sich zumindest unethisch verhalten habe. Bei den unabhängigen Wählern sind die Meinungen gespalten: 29 Prozent sagten, dass Trumps Verhalten illegal sei, 21 Prozent, dass es unethisch sei.
In den USA gilt Korruption in der öffentlichen Wahrnehmung allgemein als verbreitet. Experten führen das unter anderem auch auf das System der Wahlspenden zurück. Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagte Gary Kalman, US-Direktor von Transparency International, dass die Amerikaner ihren Politikern ohnehin misstrauten. Das habe mit der Art zu tun, wie Wahlkämpfe finanziert werden. Anders als in Deutschland leben die amerikanischen Parteien vor allem von Privatspenden.
„Seit Langem wird hinterfragt, ob Politiker tatsächlich im Interesse der Öffentlichkeit handeln oder ob sie nicht vielmehr den Interessen ihrer Geldgeber dienen“, sagt Kalman. Unter Trumps Anhängern gebe es einige, die sagten: „Na ja, historisch gesehen waren sie alle korrupt. Er geht nur offener damit um.“
Umfragen bestätigen diesen Eindruck: In einer Erhebung von Gallup sagten 89 Prozent aller Amerikaner, dass sie glauben, dass Korruption in der Regierung weit verbreitet sei. Zum Vergleich: Eine ähnliche Befragung der Europäischen Kommission Anfang 2026 ergab für Deutschland deutlich niedrigere Werte. Gefragt, ob sie glauben, dass Korruption bei nationalen, regionalen und lokalen Politikern sehr verbreitet sei, bejahten das nur 45 Prozent der Deutschen.
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