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Mindestens ein Toter bei Protestniederschlagung in Herat
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FAZ6/11/2026World2 min readGermany

Mindestens ein Toter bei Protestniederschlagung in Herat

Quick Look

  • Bei der blutigen Niederschlagung eines Protests in Herat, Afghanistan, ist mindestens ein Jugendlicher erschossen worden.
  • Die UN-Mission (Unama) bestätigte den Vorfall und berichtete von zahlreichen Verletzten.
  • Die Proteste wurden durch die Festnahme von Frauen wegen Verstößen gegen Kleiderregeln ausgelöst.

AI-generated summary

Why It Matters

Seit der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 dringen nur wenige Informationen aus Afghanistan. Ausländische Journalisten erhalten selten Visa, und afghanische Medien werden zensiert. Proteste sind angesichts der Repressionen selten. Die Proteste wurden durch die Festnahme von Frauen wegen Verstößen gegen Kleiderregeln ausgelöst.

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Bei der blutigen Niederschlagung eines Protests in der westafghanischen Stadt Herat ist mindestens eine Person erschossen worden. Das bestätigte am Mittwochabend die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (Unama). Bei dem Todesopfer handele es sich um einen Jungen. Berichte über einen zweiten Toten würden noch geprüft. Zahlreiche andere Menschen seien durch Schlagstöcke verletzt worden. Die Demonstration fand bereits am Dienstag statt.

Seit der Machtübernahme der Taliban vor fast fünf Jahren dringen nur wenige Informationen aus dem Land. Ausländische Journalisten bekommen nur selten Visa. Afghanische Medien werden durch Festnahmen, Drohungen und Zensur gefügig gemacht. Auf Videos, die im Internet kursieren, sind einige Hundert Teilnehmer des Protestmarsches zu sehen, offenbar fast ausschließlich Männer. Zudem hört man Schüsse. Angesichts der Repressionen im Land sind solche Demonstrationen äußerst selten.

Frauen werden nach Festnahmen von der Gesellschaft stigmatisiert

Ausgelöst wurden die Proteste durch mehrere Festnahmen. Nach Angaben der Unama wurden am vergangenen Wochenende mindestens 30 Frauen von der Sittenpolizei wegen angeblicher Verstöße gegen islamische Kleiderregeln in Gewahrsam genommen. Dutzende weitere Frauen seien verwarnt worden. Zwar seien die Festgenommenen am Montag wieder auf freien Fuß gesetzt worden, aber „die Auswirkungen solcher willkürlichen Festnahmen auf die Frauen und ihre Familien sind enorm“, schreibt die Unama.

Dahinter steht der Verdacht, dass Frauen im Gefängnis unsittlich berührt oder sexuell missbraucht werden könnten. Menschenrechtsorganisationen berichten immer wieder über Vergewaltigungen in afghanischen Gefängnissen. Ungeachtet dessen, ob das im Einzelfall zutrifft, werden afghanische Frauen nach einem Gefängnisaufenthalt in der Gesellschaft und oft auch in ihren Familien stigmatisiert. In der afghanischen Gesellschaft wächst zudem die Wut, dass die Taliban sich immer stärker in private Lebensbereiche einmischen.

Herat gilt im Vergleich zu anderen Teilen des Landes, auch wegen seiner Nähe zum moderneren Iran, als weniger konservativ. Die Taliban werden hier stärker als in manch anderen Landesteilen als Fremdherrscher betrachtet. Die Razzien der Sittenpolizei und die Demonstration fanden im Stadtteil Dschibril statt, wo vor allem Angehörige der schiitischen Minderheit der Hazara leben. Sie fühlen sich durch die sunnitischen Taliban besonders unterdrückt. Als die F.A.Z. Dschibril im vergangenen Jahr besuchte, gab es dort noch Untergrundschulen und verbotene Sportstätten für Mädchen, die von der Nachbarschaft unterstützt wurden.

Open Questions

  • Gibt es weitere Tote oder Schwerverletzte?
  • Wie wird die internationale Gemeinschaft auf diesen Vorfall reagieren?
  • Welche konkreten Maßnahmen werden die Taliban ergreifen, um die Wut der Bevölkerung zu besänftigen?
  • Wie werden sich die Spannungen zwischen den Hazara und den Taliban weiterentwickeln?

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This article was originally published by FAZ.

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