
Der Mittelstand investiert so zurückhaltend wie seit 20 Jahren nicht. Förderkredite der KfW sollen helfen. Doch wer sein Projekt schon begonnen hat, geht leer aus.
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Die Investitionsbereitschaft deutscher KMU ist laut Creditreform auf 37,7 Prozent gefallen. Die Bundesregierung stellt im Wirtschaftsplan 2027 zwölf Milliarden Euro bereit.
Der Mittelstand investiert so zurückhaltend wie seit 20 Jahren nicht. Förderkredite der KfW sollen helfen. Doch wer sein Projekt schon begonnen hat, geht leer aus.
Die Investitionsbereitschaft der kleinen und mittleren Unternehmen liegt laut Creditreform bei 37,7 Prozent und befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren.
Die Bundesregierung plant im Wirtschaftsplan 2027 zwölf Milliarden Euro für zinsgünstige Förderkredite und Beteiligungskapital im ERP-Sondervermögen, was 600 Millionen Euro mehr als im Vorjahr sind.
Die KfW bietet spezielle Förderkredite für Nachfolger und Gründer, zum Beispiel den ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge mit bis zu 500.000 Euro und den Gründerkredit StartGeld mit bis zu 200.000 Euro auch ohne Eigenkapital.
Förderanträge müssen vor dem Beginn der Investitionsprojekte gestellt werden, da eine nachträgliche Förderung nicht möglich ist; die Hausbanken spielen bei der Beratung und Antragstellung eine zentrale Rolle.
Hamburg. Es ist ein guter Tag für Karl-Bernd Ricken: Eines der Unternehmen, die er betreut, möchte gerade ein Werk einer anderen Firma übernehmen. „Eine solch große Investition hat zurzeit Seltenheitswert“, sagt der Leiter des Firmenkundengeschäfts der DZ Bank in Münster. „Leider.“ Spricht Ricken mit Mittelständlern, spürt er vor allem Skepsis: „Die Zurückhaltung in Deutschland ist groß. Wenn möglich, wird eher an Standorten im Ausland investiert, wo Auflagen, Arbeits- und Energiekosten geringer sind.“
Die Dauerkrise der heimischen Wirtschaft bremst die kleinen und mittleren Unternehmen: Ihre Investitionsbereitschaft liegt einer aktuellen Analyse von Creditreform zufolge bei nur 37,7 Prozent, das niedrigste Niveau seit 20 Jahren. Es fehlt an Kapital: Jeder dritte Mittelständler weist demnach eine Eigenkapitalquote unter der kritischen Marke von zehn Prozent auf. Zugleich ist der Investitionsbedarf riesig – und steigt immer weiter.
Um wieder Schwung in die Investitionstätigkeit zu bringen, lockt die Bundesregierung die Unternehmen mit Förderkrediten: Zwölf Milliarden Euro für zinsgünstige Finanzierungen und Beteiligungskapital hat die Große Koalition für 2027 in den Wirtschaftsplan des sogenannten ERP-Sondervermögens geschrieben – 600 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Wenn der Bundestag zustimmt, können mittelständische Unternehmen die Mittel demnächst über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beantragen.
Das ERP-Sondervermögen ist ein staatlicher Finanzierungstopf für die Wirtschaftsförderung und geht auf den Marshallplan nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Heute unterstützt die Regierung damit über verschiedene Programme vor allem Mittelständler, Start-ups und Unternehmensnachfolgen. Ein Teil des Geldes fließt in die Förderbank-Tochter KfW Capital, die nicht direkt in einzelne Unternehmen oder Start-ups investiert, sondern in ausgewählte Venture-Capital- und Venture-Debt-Fonds. Diese wiederum reichen das Kapital gebündelt an innovative Technologieunternehmen weiter und finanzieren stark wachsende mittelständische Firmen.
Für die deutsche Wirtschaft sind Investitionskraft und Zukunftsfähigkeit des Mittelstandes zentral: Mehr als 96 Prozent aller deutschen Exporteure sind Mittelständler. Sie sind ein wesentlicher Grund für die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. EU-weit stellen mittelständische Unternehmen etwa zwei von drei Arbeitsplätzen und erwirtschaften 53 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Damit bilden sie das strukturelle Fundament, das sich trotz schwieriger Jahre in Deutschland noch als relativ resilient erweist.
Aktuell deuten viele Indikatoren darauf hin, dass sich die deutsche Wirtschaft langsam erholt. Doch nach wie vor beschränken mittelständische Unternehmen ihre Investitionen vor allem auf Instandhaltung und Erneuerung, also auf eher kleine Projekte. „An eine Once-in-a-Lifetime-Investition, für die viel Eigenkapital und eine lange Laufzeit nötig sind, trauen sich im Moment nur wenige heran“, sagt Ricken.
Dabei herrscht an möglichen Projekten kein Mangel: Mit Digitalisierung, Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Künstlicher Intelligenz drängen sich viele komplexe und damit teure Themen gleichzeitig auf. Insbesondere das übergreifende Thema Nachfolge: 57 Prozent der Firmeninhaber sind über 55 Jahre alt. „Wir sehen in den nächsten fünf Jahren rund 109.000 Unternehmen, die einen Nachfolgenden suchen – pro Jahr“, sagt Jochen Schwarz, Direktor Produktmanagement bei der KfW. Gleichzeitig aber steige auch die Zahl derjenigen, die ihr Geschäft gänzlich aufgeben wollen.
Um hier gegenzusteuern, bietet die KfW den ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge an, der einem Weiterführungswilligen nicht nur bei der Finanzierung des Kaufpreises hilft, sondern auch das Kreditausfallrisiko gegenüber der Hausbank übernimmt. „Die Haftungsfreistellung reduziert das Risiko bei einer Nachfolgefinanzierung für die finanzierende Bank erheblich“, sagt Thorsten Behrens, Fördermittelexperte bei der DZ Bank.
Hintergrund: Wer ein Unternehmen kauft, übernimmt oft einen bestehenden Betrieb mit Kundenstamm, Marke und Know-how, die eine Bank nicht als harte Sicherheiten akzeptiert, wie Maschinen oder Immobilien. Bringt der Käufer nicht genug Eigenkapital mit, ist die Finanzierung für die Hausbank risikoreicher. Entfällt dieses Risiko, wird das Geschäft für das Kreditinstitut wieder attraktiv.
Bis zu 500.000 Euro kann ein Antragsteller erhalten, wobei der Kredit maximal 35 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten abdecken darf. Bei größeren Nachfolgefinanzierungen stoßen die haftungsfreigestellten Förderprogramme an ihre Grenzen. Ähnliche Konditionen gelten für Gründer, deren Zahl aktuell stetig wächst: Allein im ersten Halbjahr 2026 gab es nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Start-ups 3053 Neugründungen – ein Anstieg um 52 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Für sie ist der ERP-Gründerkredit StartGeld interessant, da eine Förderung von bis zu 200.000 Euro auch ohne Eigenkapital möglich ist. Die KfW übernimmt hier 80 Prozent des Ausfallrisikos der Hausbank.
Die Hausbank ist der Dreh- und Angelpunkt bei allen KfW-Programmen. Die Berater der örtlichen Kreditinstitute beraten die Kunden bei förderfähigen Projektideen, bereiten Anträge vor und reichen bei einer Bewilligung durch die KfW den Kredit weiter. Auch Finanzplattformen wie Fincompare, Compeon oder DKFP stellen die notwendigen Finanzkennzahlen für einen ERP-Kredit für ihre Kunden zusammen und vermitteln ihnen für den Förderprozess eine passende Bank.
Dieses Basisprogramm bietet zinsgünstige Investitions- und Betriebsmittelkredite für verschiedenen Zwecke. Antragsberechtigt sind Mittelständler mit weniger als 250 Mitarbeitern und maximal 50 Millionen Euro Umsatz.
Mit diesem Programm fördert die KfW Investitionen in die digitale Zukunft: von der Softwarebeschaffung bis zum KI-Projekt. Je komplexer es wird, desto besser sind die Konditionen. In Stufe 1 („Basis“) bekommen Freiberufler und Mittelständler günstige Kreditzinsen, aber keinen Zuschuss. In Stufe 2 („Level-Up“) gibt es zum zinsgünstigen Darlehen einen Zuschuss in Höhe von bis zu drei Prozent des ausgezahlten Kreditbetrags, maximal jedoch 200.000 Euro. In Stufe 3 („High-End“) beträgt der Zuschuss bis zu fünf Prozent und ebenfalls maximal 200.000 Euro. Orientierungshilfe für die Einstufung bietet der KfW-Digitalisierungs-Check.
Hier erfolgt die zinsgünstige Förderung und Bezuschussung ebenfalls in drei Stufen. In beiden Programmen liegt die Kreditgrenze für Stufe 1 bei 7,5 Millionen Euro, für die Stufen 2 und 3 bei 25 Millionen Euro. Eine Einstufungsorientierung bietet online der Stufenkompass Innovation der KfW.
Für eine Unternehmensgründung, eine Übernahme oder die Beteiligung an einer Firma, aber auch für deren Festigung oder Erweiterung innerhalb der ersten fünf Jahre gibt es dieses zinsgünstige KfW-Darlehen. Finanziert werden über eine Laufzeit von zehn oder 15 Jahren Unternehmenskredite von bis 500.000 Euro pro Antragsteller.
Dieses Darlehen für Gründer, Freiberufler und kleine Unternehmen finanziert Vorhaben von bis zu 200.000 Euro innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Gründung. Anträge müssen wie überall vor Projektbeginn gestellt werden.
Allerdings passen KfW-Programme nicht immer: „Wenn ein Mittelständler eine gewisse Flexibilität benötigt, Sondertilgungen leisten möchte oder die strengen Antragsfristen nicht einhalten kann, weil er etwa schon mit dem Investitionsprojekt begonnen hat, passen die Programme der Förderbank nicht“, sagt DZ-Bank-Experte Behrens. Wer eine individuelle Rückzahlungsstruktur oder ein variables Darlehen bevorzugt, sollte daher eher einen klassischen Bankkredit in Betracht ziehen, der zum Beispiel vorzeitig getilgt werden kann.
Bei Zukunftsinvestitionen greifen die ERP-Förderkredite Digitalisierung und Innovation. Hier können Antragsteller vom Freiberufler bis zum Mittelständler mit bis zu 500 Millionen Euro Umsatz je nach Komplexität des Projekts vergünstigte Kredite von bis zu 25 Millionen Euro erhalten. Zinsvorteil und Zuschuss können bis zu fünf Prozent betragen. „Der Förderanreiz ist höher, je komplexer und zukunftsträchtiger es wird“, sagt KfW-Manager Schwarz. „Aber es ist uns wichtig, eben auch die Breite zu fördern.“
Grundsätzlich gilt: Fördergeld gibt es nur vor dem Startschuss eines Projekts. „Es passiert immer wieder, dass Anträge nachträglich eingereicht werden und wir diese Projekte dann leider nicht fördern können“, sagt Schwarz.
Mittelständler, die ihre Zahlen vorbereitet und mit der Hausbank oder einem Online-Finanzierer alle notwendigen Dokumente und Anträge ausgestellt haben, können bei kleinen bis mittleren Vorhaben kurzfristig mit Fördermitteln rechnen. „Wir haben Produkte, wo die Hausbanken die Förderzusage innerhalb einer Minute bekommen“, sagt Schwarz. „Müssen wir umfangreicher prüfen, dauert es länger.“
Aus Sicht von DZ-Banker Behrens braucht es für eine steigende Investitionsbereitschaft im Mittelstand eine Stabilität bei den Förderprogrammen. „Zentral für das Vertrauen der Unternehmen ist Planbarkeit. Das heißt: Programme sollten mindestens drei Jahre bestehen, damit sich alle entlang der Wertschöpfungskette daran gewöhnen können.“ Dazu gehöre auch, dass die Budgets langfristig bereitstünden und ein Förderprogramm nicht abrupt im Laufe eines Jahres ende.
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