Nach Messerangriff im Cockpit: Indischer Pilot berichtet von Kampf um Passagierleben
Ein Copilot attackiert den Kapitän auf einem Flydubai-Flug. Trotz schwerer Verletzungen gelingt es dem Piloten, die Cockpittür zu öffnen und eine Katastrophe zu verhindern.
Quick Look
Nach einem Messerangriff eines Copiloten auf einem Flydubai-Flug hat der verletzte Kapitän Smit Machchhar geschildert, wie er trotz schwerer Verletzungen das Leben der 182 Menschen an Bord rettete, indem er die Cockpittür öffnete.
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Why It Matters
Ein Copilot attackierte den Kapitän einer Flydubai-Maschine mit einem Messer auf einem Flug von Dubai nach Tel Aviv.
Nach dem Messerangriff eines Copiloten im Cockpit einer Flydubai-Maschine hat der verletzte Kapitän von seinem Kampf um das Leben der Passagiere berichtet. Der indische Flugkapitän Smit Machchhar sagte am Freitag per Videoschalte dem indischen Premierminister Narendra Modi, er habe in den Minuten nach der Attacke um sein Leben gekämpft.
Ihm sei klar gewesen, dass er wieder aufstehen müsse, um das Leben der Menschen an Bord zu retten, beschrieb Machchhar, der derzeit in einem Krankenhaus in Abu Dhabi behandelt wird, die Situation: „Ich hatte so viele Wunden. Ich war zu Boden gestürzt“, sagte er aus dem Krankenhaus mit bandagiertem Kopf und Schläuchen in der Nase. Das Gespräch wurde vollständig auf dem Youtube-Kanal des indischen Premierministers veröffentlicht.
Die Maschine mit 182 Menschen an Bord war auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv und wurde zur Landung nach Tabuk im Nordwesten Saudi-Arabiens umgeleitet.
Bei der Erinnerung an den Angriff kamen dem Kapitän die Tränen. „Ich kämpfte um mein Leben. Irgendwann wurde mir klar: Wenn ich nicht aufstehe, dann würden die Passagiere ihr Leben verlieren.“
Machchhar wurde bei dem Angriff durch den omanischen Copiloten am Mittwoch schwer verletzt und war zu Boden gegangen. Dennoch habe er den steilen Sinkflug der Maschine wahrgenommen. „Ich fliege seit 17 Jahren Flugzeuge und bin seit den vergangenen elf Jahren Kapitän. Ich kann genau spüren, was mit einem Flugzeug geschieht, selbst wenn meine Augen geschlossen sind. Als ich am Boden lag, fühlte ich, dass das Flugzeug abstürzte“, sagte Machchhar.
Also stand Machchhar trotz des Blutverlusts wieder auf. Es gelang ihm sogar, die Cockpittür zu öffnen, sodass Passagiere eindringen und den Copiloten überwältigen konnten. Währenddessen verlor die Boeing 737 rasch an Höhe, wie Zeugen und israelische Behörden erklärten.
Im Gespräch mit Modi erklärte der Pilot auch, woher er die Kraft dafür nahm: Er habe in den schwierigen Momenten aus einer Andacht zu Ehren des Affengottes Hanuman rezitiert, der traditionell um Kraft und Mut gebeten wird. „Gott Hanuman gab mir Mut“, sagte er zu Modi.
Zahlreiche Videos in sozialen Netzwerken dokumentieren die dramatischen Minuten nach dem Angriff. Zu sehen ist, wie Passagiere das Cockpit erreichen und später ein an Bord anwesender Mediziner den verletzten Kapitän behandelt. Immer wieder versuchen sie, ihn wachzuhalten. „Stay awake, stay awake! Don’t fall asleep!“, ist mehrfach zu hören.
Behandelt wurde der Pilot von einem mitreisenden Zahnarzt mit georgisch-jüdischen Wurzeln: „Der Pilot verlor sehr viel Blut“, sagte Shota Musaev der britischen „Daily Mail“. „Sein Arm war aufgeschlitzt, ebenso sein Hals. Außerdem hatte er eine sehr tiefe Wunde am Hinterkopf. Das gesamte Cockpit war voller Blut, aber er war bei Bewusstsein. Uns gingen praktisch die Erste-Hilfe-Materialien aus. Irgendwie schafften wir es, die Blutungen mit Stoffstücken zu stoppen.“
Erst später sei Musaev klar geworden, was der verletzte Pilot geleistet habe. „Wäre das Cockpit verschlossen geblieben, hätten wir wahrscheinlich nichts tun können. Es wäre ein zweiter 11. September geworden, so wie damals in Amerika.“ Auch Musaev rang mit Tränen, als er nach dem schwierigsten Moment in diesen Minuten gefragt wurde. „Wahrscheinlich der Moment, als ich meiner Frau sagte, dass ich helfen gehe und mich praktisch von ihr verabschiedete.“
Politiker würdigten Machchhar dafür, eine mögliche Katastrophe verhindert zu haben. Modi selbst sagte, „Mut, Geduld und Geistesgegenwart“ des Piloten hätten viele Menschenleben gerettet.
Weiter unklar ist, bei wem es sich bei dem Copiloten handelte. Er sei in Saudi-Arabien in Gewahrsam genommen worden und werde dort verhört. Sein Motiv für den Angriff ist unklar. Laut Zeugen soll er nach seinem Messerangriff auf den Piloten versucht haben, im Cockpit Instrumente zu zerstören. Die Passagiere konnten ihn jedoch daran hindern.
„Wir packten den Angreifer am Hals und zogen ihn heraus“, berichtete Zahnarzt Shota Musaev. Anschließend seien ihm Hände und Füße gefesselt worden. Währenddessen soll der Mann die Passagiere wiederholt angefleht haben, ihn zu töten. „Er sagte nichts, außer uns anzuflehen: ,Tötet mich‘“, schilderte Musaev.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu teilte allerdings bereits mit, der Angreifer habe die omanische Staatsbürgerschaft. Man gehe von einem Selbstmordattentäter aus, der einen Terroranschlag geplant hatte. „Seine Social-Media-Konten zeigen eindeutig, dass er von einer dschihadistischen Ideologie radikalisiert wurde. Er spricht davon, Juden zu töten“, zitierte auch die britische „Daily Mail“ einen israelischen Beamten.
Flugkapitän Machchhar, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, ist laut seinem LinkedIn-Profil seit etwa vier Jahren für Flydubai tätig. Zuvor arbeitete er elf Jahre lang bei SpiceJet, einer indischen Billigfluggesellschaft. Bei SpiceJet absolvierte er mehr als 9750 Flugstunden.
Philip Kean, Geschäftsführer der Flugschule Mainland Air in Neuseeland, an der Machchhar ausgebildet wurde, sagte, Piloten würden darauf trainiert, die Kontrolle zu übernehmen, falls ein anderes Besatzungsmitglied handlungsunfähig werde. Auf einen Messerangriff durch einen Kollegen bereite die Ausbildung jedoch normalerweise nicht vor, sagte er der Nachrichtenagentur AP am Freitag. „Ich glaube nicht, dass es im Handbuch viel dazu gibt, erstochen zu werden“, sagte Kean. „Man ist befreundet und fliegt zusammen. Niemand würde erwarten, dass jemand auf diese Weise auf einen losgeht.“
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Verhör und rechtliche Schritte gegen den festgenommenen Copiloten in Saudi-Arabien
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Open Questions
- Was war das genaue Motiv des Copiloten?
- Wie konnte der Angreifer das Messer unbemerkt an Bord bringen?


