Wissenschaftler widerlegen das berühmte Schrittziel. Entscheidend für die Gesundheit sind Tempo und Regelmäßigkeit statt starrer Rekorde.
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Wissenschaftler analysierten die Daten von 64.743 Teilnehmern aus der UK Biobank, die zwischen 2013 und 2015 Aktivitätstracker trugen.
Manchmal ist es schwierig, sich zwischen Familie, Beruf und Alltagshektik für Sport zu motivieren. Jedoch ist es insbesondere für Menschen, die den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen, wichtig, sich genügend zu bewegen. Bislang galt es als vorteilhaft, möglichst viele Schritte zu gehen.
Neueste Erkenntnisse zeigen nun, dass sowohl weniger Schritte in einem schnelleren Tempo als auch mehr Schritte in einem langsameren Tempo das Risiko eines vorzeitigen Todes um bis zu 43 Prozent senken können.
Wissenschaftler der Monash University und der University of Sydney analysierten dafür die Daten von 64.743 Teilnehmern mittleren Alters aus der UK Biobank. Sie veröffentlichten die Studie im Fachmagazin „British Journal of Sports Medicine“. Die Teilnehmer trugen zwischen 2013 und 2015 sieben Tage lang ununterbrochen einen Aktivitätstracker. So erfassten die Forscher die Anzahl und Intensität der täglich zurückgelegten Schritte.
„Wir haben festgestellt, dass das Risiko bei denjenigen deutlich geringer ist, die zwar ein höheres Schritttempo erreichen, aber weniger als 5000 Schritte per Tag zurücklegen“, wird Emmanuel Stamatakis in einer Mitteilung zitiert. „Ebenso verringerte sich das Risiko eines vorzeitigen Todes erheblich bei denjenigen, die täglich 5000 bis 7500 Schritte zurücklegten, allerdings in einem geringeren Schritttempo.“
Mitautor Nicholas Koemel spricht sich klar gegen die 10.000-Schritte-Theorie aus. Die Forschung stütze den angeblichen gesundheitlichen Vorteil von 10.000 Schritten pro Tag nicht. „Das vielzitierte Schrittziel stammt tatsächlich aus einer japanischen Schrittzählerkampagne der 1960er Jahre und nicht aus wissenschaftlichen Erkenntnissen“, wird Koemel zitiert.
Das Ziel sei eher demotivierend für viele, so Koemel. „Für einen 65-Jährigen mit Knieproblemen, für eine pflegende Person mit wenig Zeit oder für einen Schichtarbeiter kann ein hohes Schrittziel eher ein Grund zum Aufgeben als ein Grund zum Anfangen sein.“
Die wichtigste Botschaft sei, dass die Art und Weise, wie jemand die Schritte geht, eine zentrale Rolle spiele. „Jemand, der 4000 Schritte am Tag geht und diese bewusster zurücklegt, tut etwas Sinnvolles, und auch jemand, der nicht schnell gehen kann, kann davon profitieren, indem er nach und nach in einem langsameren Tempo mehr Schritte sammelt.“
Doch was bedeutet schnelles Gehen? „Es gibt kein Tempo, das für jeden geeignet ist. Eine Geschwindigkeit, die sich für einen fitten Spaziergänger in den Vierzigern sehr angenehm anfühlt, kann für einen 70-Jährigen maximale Intensität darstellen“, heißt es in der Mitteilung.
Und weiter: „Der praktischste Test ist gleichzeitig der einfachste: Achten Sie auf Ihre Atmung. Bei einem zügigen Atemtempo, das Sie mindestens eine Minute lang beibehalten, sollten Sie merklich schwerer atmen, sich wärmer fühlen und sich noch in kurzen Sätzen unterhalten können, aber nicht mehr bequem singen können.“
Zudem reagiere der Körper auf gewohnheitsmäßige Bewegungsmuster, so die Wissenschaftler. Entscheidend sei also, was man an den meisten Tagen über Monate und Jahre hinweg tut, nicht innerhalb einer motivierten zweiwöchigen Phase.

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