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Neuer Fed-Chef Warsh setzt auf Inflationsbekämpfung und Reformen
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Handelsblatt6/19/2026Business6 min readGermany

Neuer Fed-Chef Warsh setzt auf Inflationsbekämpfung und Reformen

Quick Look

  • Kevin Warsh, der neue Chef der US-Notenbank Fed, überraschte bei seiner ersten Pressekonferenz mit einem klaren Bekenntnis zur Inflationsbekämpfung und kündigte Reforminitiativen an.
  • Dies führte zu Kursausschlägen an den Börsen und löste Diskussionen über die Einschneidendheit seiner Vorhaben aus.

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Why It Matters

Kevin Warsh, der neue Chef der US-Notenbank Federal Reserve, überraschte bei seiner ersten Pressekonferenz mit einem klaren Bekenntnis zur Inflationsbekämpfung und kündigte Reforminitiativen an. Dies führte zu Kursausschlägen an den Börsen und löste Diskussionen über die Einschneidendheit seiner Vorhaben aus.

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Frankfurt. Nach 43 Minuten wandte sich Kevin Warsh mit eiligen Schritten von den Kameras ab und ließ ratlose Investoren zurück. Der neue Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) überraschte bei seiner ersten Pressekonferenz gleich auf mehreren Ebenen.

Viel deutlicher als gedacht bekannte sich Warsh dazu, die Inflation zu senken. Außerdem stellte der Wunschkandidat von US-Präsident Donald Trump Reforminitiativen vor, die weitreichende Folgen für die Geldpolitik und die Finanzmärkte haben könnten. Kursausschläge an den Börsen waren die unmittelbare Folge.

Von der Wall Street bis zur Frankfurter Börse wird jetzt aufgeregt diskutiert, ob die Investoren überreagiert haben und wie einschneidend Warshs Vorhaben sind. Vielen Experten scheint nun klar zu werden, was der US-Anleiheinvestor Jeff Gundlach im Börsensender CNBC so zuspitzte: Warsh habe zweifellos „eine neue Ära eingeläutet“.

Dies sind die wichtigsten Punkte, mit denen sich Warsh von seinem Vorgänger Jerome Powell absetzt und die an den Märkten für viel Gesprächsstoff sorgen:

Ein Satz genügte, um eine deutliche Reaktion an den Anleihemärkten auszulösen: „Der Ausschuss wird Preisstabilität gewährleisten.“ Mit dieser Aussage endete das erste geldpolitische Statement unter Kevin Warsh, das die Fed direkt nach ihrem Zinsentscheid veröffentlichte.

Immer wieder betonte Warsh diese Mission auch während der Pressekonferenz. Das führte dazu, dass die Renditen auf die zinssensiblen US-Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit auf ein 15-Monats-Hoch von 4,22 Prozent stiegen.

Viele Marktteilnehmer hatten ursprünglich erwartet, dass Warsh sich für eine lockerere Geldpolitik starkmachen würde, so wie es US-Präsident Donald Trump seit Langem fordert. Dass sich Warsh nun doch als sogenannter geldpolitischer Falke, also als Verfechter eines straffen geldpolitischen Kurses, positionierte, führte zu einer schnellen Kurskorrektur an den Anleihemärkten.

Die Fed hat, anders als die Europäische Zentralbank (EZB), ein duales Mandat. Die Notenbank ist damit nicht nur für Preisstabilität verantwortlich, sondern auch für Vollbeschäftigung. Warshs Vorgänger Jerome Powell hatte stets beide Ziele im Blick. Schließlich können höhere Leitzinsen dazu führen, dass die Wirtschaft und damit der Arbeitsmarkt geschwächt werden.

Für Warsh indes sind die Prioritäten klar. „Schon seit fünf Jahren liegt die Inflation deutlich über dem von der Fed kommunizierten Inflationsziel von zwei Prozent“, räumte der 56-Jährige ein. „Doch die jüngste Vergangenheit muss nicht die Zukunft bestimmen.“ Wie schnell er zu einem Inflationsziel von zwei Prozent zurückkehren wolle, ließ Warsh offen.

Die Analysten der italienischen Bank Unicredit Luca Cazzulani und Marco Valli halten den sprunghaften Anstieg der Renditen für überzogen. Joachim Schallmayer von der Sparkassen-Fondstochter Deka hält es für möglich, dass es die Fed bei Andeutungen zu einer Zinserhöhung belässt.

Die deutliche Reaktion an den Märkten führe dazu, dass die Investoren „der Fed ein Stück weit die Arbeit abnehmen“, sagte Schallmeyer. Er sieht in Warshs strenger Haltung zur Inflation indes ein gutes Signal: Die Fed nehme ihre Mandate weiterhin ernst. „Die Märkte können aufatmen“, sagte er.

Marktteilnehmer waren eigentlich schon darauf vorbereitet, dass Warsh künftig weniger kommunizieren will als Powell. Dies hatte der neue Fed-Chef mehrmals angedeutet. Wie wenig Warsh indes bereit ist, seine Einschätzungen mit der Öffentlichkeit zu teilen, sorgt für Unmut.

So strich Warsh nicht nur Hinweise darauf, in welche Richtung sich die Leitzinsen als Nächstes bewegen könnten. Er verzichtete auf jede Erläuterung, wie das Gremium überhaupt zu seinen Entscheidungen gelangt, monierte Michael Feroli, Chefökonom von Amerikas größter Bank JP Morgan Chase. Die Fed habe damit „keinen geldpolitischen Rahmen“.

Das wiederum könnte unbeabsichtigte Konsequenzen haben. „Die Märkte werden sich an eine schwierige Übergangsphase in die neue Fed-Ära gewöhnen müssen“, mahnte Krishna Guha, Notenbankexperte der US-Investmentbank Evercore ISI. Er geht davon aus, dass Anleger „extrem sensibel“ auf die nächsten Inflationsdaten reagieren werden.

Die Inflation ist zuletzt auf ein Dreijahreshoch von 4,2 Prozent gestiegen. Sollte die Teuerungsrate erneut anziehen, könnten die Investoren Guha zufolge einen noch härteren Zinskurs der Fed einpreisen. Anleihemärkte könnten dann stark schwanken und für unnötige Unruhe sorgen.

Für Bond-Investor Gundlach gab es nach Warshs erster Pressekonferenz keine Zweifel: „Es gibt einen neuen Sheriff in der Stadt.“ Damit meinte er nicht nur den neuen Fokus auf die Inflation, sondern auch die Bereitschaft, alte Strukturen aufzubrechen.

Warsh kündigte gleich fünf Arbeitsgruppen an, die bis zum Jahresende Reformen für die Kernthemen der Notenbank ausarbeiten sollen: Kommunikation, die Bilanz der Fed mit einem billionenschweren Bestand an Anleihen, die Nutzung von Datenquellen, Produktivität am Arbeitsmarkt und das allgemeine Rahmenwerk zur Inflation.

Experten zufolge ist die Hürde für die Notenbanker höher, die Zinsen anzutasten, bis die Ergebnisse der Arbeitsgruppen vorliegen. Denn so lange, so der Tenor, arbeitet die Fed unter Vorbehalt tiefgreifender Reformen.

„Dies ist wirklich ein sehr geschicktes Vorgehen von Warsh“, sagte Tobias Basse von der Nord/LB. Mit Verweis auf die Tätigkeiten der Arbeitskreise könne er mögliche Kritik an einer längeren Zinspause entschärfen.

„Die letzten drei Wechsel an der Spitze der Fed, zu Bernanke, zu Yellen, zu Powell, haben keine großen Veränderungen der Methodologie mit sich gebracht“, sagte Gundlach. Warsh indes sei bereit, die „verstaubte“ Institution umzukrempeln und zu modernisieren. Auch hier ließ Warsh viele Details offen. Er gehe davon aus, dass die Arbeitsgruppen bis Ende des Jahres erste Ergebnisse liefern würden.

Warsh räumte ein, dass die Finanzmärkte nun „einiges zu verdauen“ hätten. Die starken Marktreaktionen lassen ihn aber nach eigenem Bekunden kalt: Es sei nicht von Belang, wie die Märkte in den nächsten Stunden oder gar Tagen auf den ersten Zinsentscheid unter seiner Führung reagierten, wiegelte er am Mittwoch ab.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Fed belässt es bei Andeutungen zu Zinserhöhungen, bis Arbeitsgruppenergebnisse vorliegen.

    Possible · Within months

  • Anleger werden extrem sensibel auf nächste Inflationsdaten reagieren.

    Very likely · Within weeks

Open Questions

  • Wie schnell kehrt die Fed zum Inflationsziel von 2% zurück?
  • Welche konkreten Ergebnisse liefern die Arbeitsgruppen bis Jahresende?
  • Wie wird die Fed ihre Kommunikation in Zukunft gestalten?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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