Niedrigwasser am Rhein: Wirtschaft unter Druck
Historische Tiefstände am Pegel Kaub belasten Binnenschifffahrt und Industrieunternehmen entlang des Rheins.
Quick Look
- Der Rhein leidet unter historischem Niedrigwasser, insbesondere am Pegel Kaub.
- Dies führt zu massiven Einschränkungen in der Binnenschifffahrt und belastet Unternehmen entlang des Flusses durch höhere Logistikkosten und Produktionskürzungen.
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Why It Matters
Der Rhein ist eine der wichtigsten Wasserstraßen für den Gütertransport in Europa. Niedrige Pegelstände führen regelmäßig zu Kapazitätsengpässen in der Logistik.
Düsseldorf. Der Rhein erholt sich – langsam. Am Pegel Kaub, dem Nadelöhr der Rheinschifffahrt, war der Wasserstand zuletzt unter null gefallen. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde erwartet für die kommenden Tage allerdings einen leichten Anstieg, einstellige Zentimeterwerte. Für die Binnenschifffahrt und die Industrie am Fluss bleibt die Lage damit angespannt.
Laut einer gemeinsamen Befragung der Industrie- und Handelskammer zu Köln (IHK) entlang des Rheins melden 78 Prozent der Unternehmen höhere Kosten, 72 Prozent stellen ihre Logistik um und fast jedes dritte Unternehmen schränkt die Produktion ein. 13 Prozent sehen sogar ihren Standort am Rhein gefährdet.
Im Rheineinzugsgebiet fehle es an ergiebigeren Niederschlägen. „Die Schifffahrt steht ihren Kunden als Dienstleister weiterhin zur Verfügung; es kann jedoch nur mit deutlich weniger Ladung gefahren werden“, sagte Fabian Spieß, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB). Die Schifffahrt fahre, solange es sicher möglich sei. Auch der Fährenbetrieb und die Personenschifffahrt spüren die Trockenheit und reduzieren den Betrieb teilweise.
Wie schnell der niedrige Wasserstand zum Problem wird, zeigte sich zuletzt in Düsseldorf. Mercedes hat dort ein großes Sprinter-Werk, ein Teil der Transporter wird über den Rhein verschifft. Am vergangenen Montag hatte sich ein mit Mercedes-Sprintern beladenes Frachtschiff im Düsseldorfer Hafen festgefahren. Der Schiffsverkehr am Rhein oder im Hafen wurde nicht beeinträchtigt, da das Schiff nur ein Hafenbecken blockiert. Am Dienstag wurde der Frachter geborgen.
Angespannt bleibt die Lage auch in einem besonders empfindlichen Flussabschnitt: Zwischen St. Goar und Mainz gilt die Strecke als „Nadelöhr“ der Rheinschifffahrt. Der dort gelegene Pegel in Kaub unterschritt am Wochenende zeitweise den Nullpunkt und erreichte damit einen historischen Tiefstand.
Wie groß die Tragweite ist, zeigt ein Blick auf die Bedeutung des Flusses: Der Rhein ist laut der zuständigen Bundesbehörde eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt. Gewöhnlich passieren täglich Hunderte Schiffe die am Rhein gelegenen Städte wie Mainz und Köln.
Dort ansässige Unternehmen nutzen den Fluss als Transportweg und Kühlwasserreservoir, etwa der Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen. Betroffen von der Trockenheit ist nicht nur der Rhein: Am Donnerstag wurde auch der Schiffsverkehr in Teilen des Bodensees eingestellt.
Die Bundesanstalt für Gewässerkunde und die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung rechnen damit, dass die Pegelstände in Köln und Kaub zum kommenden Wochenende wieder steigen. Der Binnenschifffahrtsverband mahnt jedoch, dass kurzfristige Erholung das Grundproblem nicht löst.
Dieser fordert eine Vertiefung der Fahrrinne um 20 Zentimeter. Diese ist zwischen St. Goar und Mainz seit vielen Jahren geplant. Das Projekt zieht sich weiter in die Länge. Zudem sollte sich laut dem Verband das Bundesverkehrsministerium fragen, welche Maßnahmen es gebe, um dauerhaft mehr Wasser im Flusssystem halten zu können. Überdies sei eine Intensivierung der Förderung von niedrigwasseroptimierten Schiffen nötig.
What to Watch
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Leichter Anstieg der Pegelstände in den kommenden Tagen.
Likely · Within days
Open Questions
- Wann wird die geplante Fahrrinnenvertiefung umgesetzt?
- Welche langfristigen Klimaanpassungsstrategien verfolgt das Verkehrsministerium?


