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Back|Novo Nordisk plant Neuausrichtung und Produktoffensive bis 2030
Novo Nordisk plant Neuausrichtung und Produktoffensive bis 2030
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FAZ·1 hour ago·Business·5 min read·🇩🇪Germany·

Novo Nordisk plant Neuausrichtung und Produktoffensive bis 2030

Der dänische Pharmakonzern will nach dem Hype um Semaglutid neue Therapiegebiete erschließen und setzt auf die Markteinführung von fünf Blockbuster-Medikamenten bis 2030.

Quick Look

  • Der Pharmakonzern Novo Nordisk stellt sich nach dem Hype um Semaglutid neu auf.
  • Mit einer Produktoffensive, darunter das Adipositas-Medikament Cagrisema, und dem Fokus auf neue Therapiegebiete wie Leber- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen will das Unternehmen bis 2030 fünf neue Blockbuster-Medikamente etablieren.

AI-generated summary

Why It Matters

Novo Nordisk steht vor dem Auslaufen der Patente für den Wirkstoff Semaglutid. Das Unternehmen versucht, durch neue Therapiegebiete und orale Darreichungsformen Marktanteile zu sichern.

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Novo Nordisk heißt jetzt nur noch Novo. Eine kleine Änderung in der Ansprache, nichts weiter, denn der rechtliche Name bleibt unverändert. So wie der Ölkonzern British Petroleum immer mit BP abgekürzt wird, meint Konzernchef Mike Doustdar. Doch geht es dem dänischen Pharmakonzern um mehr. Es geht um das, was nach dem Hype um den Wirkstoff Semaglutid und dem tiefen Absturz, dem Verlust von Marktanteilen in den vergangenen Jahren, kommt.

Novo will sich neu aufstellen, Gebiete abseits des Kerngeschäfts Diabetes und Adipositas erschließen. Auserkoren sind verwandte Therapiebereiche wie Lebererkrankungen, insbesondere Fettleber (MASH), Blut- und Hormonerkrankungen, bei denen Novo auf eine „lange Tradition zurückblicke“, und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, für die jeweils Wirkstoffkandidaten klinisch entwickelt werden. Das kürzliche Scheitern mehrerer Studien mit dem Herzmedikament Ziltivekimab will Doustdar schnell abhaken: „Das wird uns nicht davon abhalten, den Weg weiterzugehen, der sich richtig anfühlt“, sagte der Unternehmenschef am Dienstag am Rande eines Diabetes-Kongresses in Mailand.

Mindestens zehn Phase-3-Programme will Novo bis Ende 2030 laufen haben: fünf davon aus dem Kernsegment Diabetes und Adipositas, die übrigen fünf aus anderen Therapiegebieten. Und die Zielsetzungen gehen noch weiter: Bis 2030 will Novo mindestens fünf Blockbuster-Medikamente auf den Markt bringen. Damit sind verschreibungspflichtige Arzneimittel gemeint, die weltweit einen jährlichen Umsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar einbringen. Außerdem strebt das Unternehmen an, mit Wirkstoffkandidaten, die jetzt noch in der klinischen Entwicklung sind, im Jahr 2035 einen Umsatz von mehr als 150 Milliarden dänischen Kronen (rund 20 Milliarden Euro) zu erzielen.

Die hochgesteckten Vorhaben zeigen, dass die Dänen es ernst meinen. Sie wollen wieder zu ihrer alten Stärke finden und das Vertrauen von Investoren zurückgewinnen. Angesichts des harten Wettbewerbs um Abnehmpräparate und auslaufender Patente des Wegovy- und Ozempic-Wirkstoffs Semaglutid in Märkten wie Kanada, China und Brasilien musste die Novo-Aktie seit dem Allzeithoch von mehr als 1033 Kronen im Juni 2024 einen Wertverlust von mehr als 75 Prozent bis September 2026 verkraften. Für dieses Jahr erwartet das Unternehmen im besten Fall stagnierende Umsätze und Gewinne.

Doch das soll eine Ausnahme bleiben. Zwar will Unternehmenschef Mike Doustdar keine genauen Prognosen geben. Den Investoren sagt er aber für die nächsten Jahre bis 2030 ein Wachstum vorher, das mindestens auf dem Niveau von Novos Wettbewerbern liegt, also im mittleren einstelligen Bereich.

Den Anfang der Produktoffensive soll das Adipositas-Medikament Cagrisema machen, das Anfang 2027 zunächst als Spritze auf den Markt kommen wird. Es kombiniert das Wegovy-Molekül Semaglutid, das das Darmhormon GLP-1 imitiert, mit Cagrilintid, einem Nachahmer des körpereigenen Hormons Amylin. Auf diese Weise soll sich der Abnehmmechanismus verstärken, denn sowohl Semaglutid als auch Cagrilintid senken den Blutzucker und rufen ein Sättigungsgefühl hervor.

Kürzlich hat Novo neue Studiendaten vorgelegt, die Cagrisema mit dem Mounjaro-Wirkstoff Tirzepatid des Konkurrenten Eli Lilly vergleichen. Das Ergebnis: Nach 60 Wochen konnten Teilnehmer, die eine geringe Dosis (ein Milligramm) Cagrisema wöchentlich nahmen, einen Gewichtsverlust von 12,4 Prozent erreichen – gegenüber 9,1 Prozent Gewichtsverlust, den Teilnehmer mit fünf Milligramm Tirzepatid im selben Zeitraum erzielten. Ein auf den ersten Blick überschaubarer Unterschied. Unternehmenschef Doustdar verweist daher noch auf eine andere Studie, bei der die Dosis von einem Milligramm Cagrisema nach 68 Wochen zu einem Gewichtsverlust von 21 Prozent führte. Das sei vergleichbar mit dem, was ein Patient mit 15 Milligramm des Konkurrenzmedikaments erreiche.

Für Doustdar sind die Dosierungen entscheidend – zumindest psychologisch. „Es geht nicht um die wissenschaftliche Seite, sondern um die Überzeugung, mit weniger Wirkstoff das bestmögliche Ergebnis zu erzielen“, sagte der Novo-Chef der F.A.Z. Er ist sicher, so Ärzte und Patienten zu einem Wechsel des Abnehmpräparats zu überzeugen.

Zudem gebe es noch weitere Vorteile. So soll Cagrisema auch dazu beitragen, trotz des rapiden Gewichtsverlusts bei Patienten Muskelmasse sowie gesunde Knochen zu erhalten. Bei den bisher zugelassenen Abnehmpräparaten Wegovy und Ozempic, aber auch bei denen des US-Konkurrenten Eli Lilly ist der Verlust von Muskelmasse bisher eine unerwünschte Nebenwirkung. Novo-Forschungschef Martin Holst Lange betont, dass für Patienten der Erhalt von Muskelkraft wichtig sei, um den Alltag zu bewältigen. „Wir verfügen über sehr überzeugende Daten zu den Pipeline-Produkten Zenagamtide und Cagrisema“, so Lange. Sie hätten gezeigt, dass Patienten trotz eines erheblichen Gewichtsverlusts von mehr als 20 Prozent ihre Muskelkraft und ihre Funktionsfähigkeit erhalten und teilweise verbessern konnten. Novo will daher auch bei künftigen Wirkstoffen den Fokus mehr auf eine höhere Qualität des Gewichtsverlusts legen.

Viel Zeit bleibt dem Pharmaunternehmen nicht, um seine Forschungspipeline voranzubringen. Die Patente für Semaglutid laufen weiter aus. In den USA und Europa wird der Wirkstoff seine Exklusivität nach 2031 verlieren. In Kanada, wo der Patentschutz bereits Anfang 2026 ausgelaufen ist, sind die Preise seitdem stark gefallen. Generikahersteller, darunter seit Kurzem auch der Schweizer Konzern Sandoz, bieten Präparate inzwischen für etwa ein Drittel des Originalpreises an. Trotzdem plant Novo, seine Absatzmengen von Wegovy und Ozempic „vehement zu verteidigen“ und das Verkaufsvolumen hochzuhalten. Unternehmenschef Doustdar nennt drei Vorteile. Erstens sei Novo das volumenstärkste Unternehmen, wenn es um das Darmhormon GLP-1 geht. „Viele der Wettbewerber werden nicht von heute auf morgen in der Lage sein, die Volumina und die Größe zu erreichen“, sagt er. Zweitens profitiere Novo davon, dass viele Patienten das Markenprodukt bevorzugen würden. Als dritten Punkt verweist Doustdar auf die Beziehungen zu Ärzten und Patienten. Sie würden das Unternehmen mit hohen Standards in Verbindung bringen.

Einen Trumpf will das dänische Unternehmen zudem nicht aus der Hand geben: den Markt mit oralen Präparaten. Seit der Einführung der Wegovy-Pille in den USA zu Beginn des Jahres sei die Zahl der Nutzer binnen acht Monaten auf mehr als 1,5 Millionen gestiegen. In den Vereinigten Staaten machen orale Therapien rund ein Drittel aller Adipositas-Verschreibungen aus. Eigenen Angaben zufolge bedient Novo damit rund 80 Prozent der Verschreibungen für orale GLP-1-Therapien. Gleichzeitig will das Unternehmen Tablettenformen für weitere Medikamente einführen, darunter Cagrisema und das Diabetesmittel Zenagamtide. Wettbewerber Eli Lilly bekam die Zulassung für seine Abnehmpille Foundayo erst im April in den USA. Diesen Vorsprung behält sich Novo nun auch in Europa vor: In Großbritannien kam die Wegovy-Pille im Juli 2026 auf den Markt, in Deutschland ist sie seit gut einem Monat erhältlich.

Laut Emil Kongshøj Larsen, der das operative Geschäft für Novo global leitet, war Deutschland als dritter Zielmarkt ein logischer Schritt. Mit fast 20 Millionen Menschen, die mit Übergewicht oder Adipositas lebten, gebe es einen großen medizinischen Bedarf. „Zugleich gehört Deutschland zu den europäischen Ländern, in denen die Behandlungsraten vergleichsweise niedrig sind“, sagte Larsen der F.A.Z. In Dänemark und Großbritannien seien die Behandlungsraten um ein Vielfaches höher. Er hofft, dass sich das durch die Wegovy-Pille künftig ändert. „Zum einen hoffen wir, dass Hausärzte durch ein Tablettenpräparat stärker in die Behandlung eingebunden werden“, so der Manager. Viele Patienten fühlten sich mit Tabletten wohler. „Zum anderen ist da die Telemedizin“, sagt Larsen. Einige Telemedizinunternehmen, die in Deutschland tätig seien, leisteten gute Arbeit. Sie könnten Larsen zufolge Patienten begleiten, zum Beispiel bei der schrittweisen Dosissteigerung oder beim Erfassen von Gesundheitswerten.

Generell will Novo Nordisk künftig enger mit Telemedizinanbietern zusammenarbeiten. Dort angebotene Abonnements für GLP1-Medikamente könnten dazu beitragen, die Adipositas-Therapie erschwinglicher zu machen und Patienten langfristig zu halten. Gleichzeitig sucht Novo verstärkt den Dialog mit Regierungen, um Behandlungskosten zu senken und damit einen Kundenkanal abseits von Selbstzahlern zu erschließen.

Laut Unternehmenschef Doustdar ist eine wichtige Voraussetzung, dass Regierungen Adipositas als chronische Krankheit anerkennen, nicht bloß als „Lebensstilproblem.“ Danach würden sich zwei Dinge ergeben: „Erstens fühlen sie sich stärker in der Pflicht, ernsthaft darüber nachzudenken, die Behandlung von der Solidargemeinschaft zu finanzieren, statt die Betroffenen sich selbst zu überlassen“, so Doustdar. Er verweist auf Länder wie Frankreich und Großbritannien, wo Patienten bereits Zugang zu einer Kostenerstattung für Abnehmpräparate erhielten. „Zweitens muss Adipositas als Investition und nicht als Kostenfaktor betrachtet werden.“ Dem Novo-Chef zufolge könnten so die Risiken für Folgeerkrankungen gesenkt und damit Geld gespart werden.

In Deutschland streiten Politiker und Gesundheitsfachleute darüber, ob eine Therapie mit der Abnehmspritze durch gesetzliche Krankenkassen erstattet werden sollte. Die Bundesregierung vertritt den Standpunkt, dass Langzeitdaten aus Studien noch fehlen. Zudem sehen sich die Kassen schon jetzt einem Milliardendefizit gegenüber. Um das zu stopfen, sollen mitunter Arzneimittelhersteller den Kassen höhere Abschläge auf ihre Preise gewähren. „Wir müssen gemeinsam mit der deutschen Regierung einen Weg finden, wie wir zur Senkung der Gesundheitskosten beitragen und gleichzeitig der Gesellschaft nützen können, ohne die Kosten zu erhöhen“, sagt Doustdar. „Stattdessen pauschal niedrigere Preise für alle Medikamente zu fordern, wird die Probleme im Gesundheitswesen nicht lösen.“

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Markteinführung von Cagrisema als Spritze Anfang 2027.

    Likely · Within months

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  • ?Wann erfolgt die Zulassung von Cagrisema in Europa?
  • ?Wie reagieren die deutschen Krankenkassen auf die Kostendiskussion?

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  • Der Pharmakonzern Novo Nordisk stellt sich nach dem Hype um Semaglutid neu auf.
  • Mit einer Produktoffensive, darunter das Adipositas-Medikament Cagrisema, und dem Fokus auf neue Therapiegebiete wie Leber- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen will das Unternehmen bis 2030 fünf neue Blockbuster-Medikamente etablieren.

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