
Der belgisch-amerikanische Physiker erhält den Nobelpreis für seine visionäre Arbeit am Neutrino-Observatorium IceCube in der Antarktis.
Der Physiker Francis Halzen erhält den Nobelpreis für Physik für seine maßgebliche Rolle bei der Entwicklung des IceCube-Neutrino-Observatoriums in der Antarktis, das den Nachweis hochenergetischer kosmischer Neutrinos ermöglichte.
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Das IceCube-Observatorium nutzt einen Kubikkilometer Gletschereis in der Antarktis, um hochenergetische Neutrinos nachzuweisen. Francis Halzen präsentierte die Pläne für dieses Projekt erstmals 1988.
Stockholm. Manchmal braucht es etwas Großes, um etwas sehr Kleines zu finden: Der belgisch-amerikanische Forscher Francis Halzen hat mit der Vision für einen gigantischen Eiswürfel entscheidend dazu beigetragen, winzigste Elementarteilen zu erfassen – und wird dafür nun mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.
Halzen habe bedeutende Beiträge zum Neutrino-Observatorium „IceCube“ geleistet, hieß es von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm – einem Kubikkilometer Gletschereis in der Antarktis, der mit Sensoren ausgestattet ist. „Seine Hartnäckigkeit und wissenschaftliche Vision haben den Weg für eine neue Art der Astronomie geebnet“, sagte der Vorsitzende des Physik-Nobelkomitees, Mark Pearce.
Halzen, Professor an der Universität von Wisconsin in Madison und inzwischen 82 Jahre alt, erkannte, dass sich das Eis am Südpol zur Verfolgung von Neutrinos – oft Geisterteilchen genannt – eignet. Seine Pläne präsentierte er erstmals 1988.
Mit dem 2011 vollständig in Betrieb genommenen „IceCube“ gelang der erste Nachweis hochenergetischer kosmischer Neutrinos, wie es beim Teilchenforschungszentrum Desy (Deutsche Elektronen-Synchrotron) heißt. „Ein neues Beobachtungsfenster zu den extremsten Bereichen unseres Universums war aufgestoßen.“
Deutschland ist an der IceCube Collaboration maßgeblich beteiligt und stellt nach den USA das zweitgrößte nationale Kontingent. Beteiligt ist neben Desy auch das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Deutsche Forschungsgruppen arbeiten nicht nur wissenschaftlich mit, sondern entwickelten auch zentrale Komponenten des Observatoriums.
Der Preisträger hielt sich am Dienstag in Italien auf. Der Preis sei „eine große Überraschung gewesen“ und „ich habe natürlich nicht damit gerechnet“, sagte Halzen, als das Nobelkomitee ihn zur Preisbekanntgabe nach Stockholm zuschaltete. Es sei eine große Freude – und fühle sich „seltsam“ an, den Nobelpreis zugesprochen zu bekommen.
Über seine Pläne für seinen großen Tag sagte der frisch gekürte Nobelpreisträger, er arbeite derzeit an einem wissenschaftlichen Antrag und hoffe darauf, dass der Preis die Chancen darauf erhöhe, dass dieser angenommen werde.
Halzen wurde 1944 im belgischen Tienen geboren und ist mittlerweile US-Bürger. 1969 promovierte er an der Katholischen Universität Leuven. Dort zeigte man sich stolz und überglücklich, wie eine Sprecherin der Universität der Deutschen Presse-Agentur erzählte.
Christopher Wiebusch von der RWTH Aachen arbeitet am „IceCube“-Projekt mit und kennt Halzen schon seit Jahren. „Ich glaube, dass es einen sehr großen kulturellen Gewinn gibt, weil wir lernen, das Universum auf eine neue Art zu sehen. Neue Ansichten des Universums haben letztlich immer langfristige Auswirkungen auf die Menschheit gehabt“, sagte Wiebusch der dpa – und beschrieb Halzen als Mensch mit Charisma, wie er es selten erlebt habe. Er sei „sehr schlau, aber auch sehr nahbar“.
Neutrinos zählen zu den geheimnisvollsten Elementarteilchen. Im Mittel treffen zwar pro Sekunde zehn Milliarden auf jeden Quadratzentimeter der Erdoberfläche - also etwa die Fläche eines Fingernagels. Sie spielen eine wichtige Rolle in der Kernphysik, etwa bei der Kernfusion im Inneren der Sonne. Die Neutrinos, nach denen mit „IceCube“ gefahndet wird, sind aber millionen- bis zu milliardenfach energiereicher und entstehen bei Sternexplosionen und in der Umgebung supermassereicher Schwarzer Löcher in fernen Galaxien.
Neutrinos sind dabei recht scheue Gesellen: Sie treten mit gewöhnlicher Materie kaum in Wechselwirkung. Um die flüchtigen Partikel nachzuweisen, sind große Materiemengen nötig, die aus möglichst reinen Stoffen bestehen. Ein solcher Stoff ist beispielsweise Wasser - im Eis der Antarktis liegt es in großen Mengen in ausreichend reiner Form vor.
Reagiert ein Neutrino - was selten vorkommt - mit einem Wassermolekül, so entstehen elektrisch geladene Teilchen, die mit nahezu Lichtgeschwindigkeit durch das Eis rasen und dabei Licht aussenden, die sogenannte Tscherenkow-Strahlung. Der einen Kubikkilometer große Detektor fängt diese Lichtsignale dem Desy zufolge durch mehrere tausend Lichtsensoren ein, die in Glaskugeln an langen Trossen tief in das Polareis eingeschmolzen sind.
Von solcher Neutrino-Forschung erhoffen sich Physiker sehr viel: Erkenntnisse über die Dunkle Materie, über den Urknall und über eine Physik jenseits des Standardmodells der Teilchenphysik. Die von der Anlage entdeckten Wechselwirkungen könnten kosmische Phänomene enthüllen, die bislang noch unbekannt seien, erklärte das Nobelkomitee.
„Wir sehen bisher nur die Spitze des Eisbergs – nur ein ganz kleiner Teil des Neutrino-Himmels ist aufgelöst“, erläuterte der DESY-Forscher Marek Kowalski. Die IceCube Collaboration plant daher eine Erweiterung des Detektors: „Der Ausbau zu IceCube-Gen2 wird den Detektor auf gigantische acht Kubikkilometer vergrößern und die Nachweisrate kosmischer Neutrinos verzehnfachen“, heißt es auf der Website.
Im 125. Jahr des Physik-Nobelpreises gibt es eine Besonderheit: Erstmals in der Geschichte der Stiftung werden die Namen der Nobelpreisträger für Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften von einer Frau verkündet. Die gebürtige Belgierin Ellen Moons trat zum Jahresstart ihren Posten als neue Generalsekretärin der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften (KVA) in Stockholm an, die die Nobelpreise in den drei Preiskategorien alljährlich bekanntgibt. Sie ist die erste Frau in diesem Amt seit der Gründung der Akademie im Jahr 1739.
„Für mich ist es ziemlich normal, die erste Frau in der Physik zu sein oder zu einer Minderheit weiblicher Physikerinnen zu gehören“, sagte die 60-Jährige. „Aber natürlich ist das hier ein ganz besonderes Ereignis: Wir feiern heute die Wissenschaft, und es ist eine große Freude für mich, als deren Sprecherin zu fungieren.“
AI outlook — possibilities, not facts
Ausbau des Detektors zu IceCube-Gen2
Likely · Within years

The Nobel Prize in Physics goes to particle researcher Francis Halzen for his contributions to the “IceCube” neutrino observatory at the South Pole.
Belgian-American astrophysicist Francis Halzen will receive the Nobel Prize in Physics for his vision and leadership of the IceCube neutrino observatory at the South Pole, which enabled the discovery of high-energy neutrinos from space.

Halzen realized that Antarctic ice is used for neutrino tracking. The reporting also sheds light on the history of the Nobel Prizes, their endowment and the upcoming announcements of the categories.
The 2026 Nobel Prize in Physics goes to Francis Halzen for his work on the “IceCube” neutrino observatory in the Antarctic ice. The award is worth the equivalent of around one million euros.
Belgian-American scientist Francis Halzen will receive the 2024 Nobel Prize in Physics for using the South Pole ice to track neutrinos and enabling the IceCube Observatory.

Belgian astrophysicist Francis Halzen receives the Nobel Prize in Physics for his research into the “IceCube” neutrino observatory. This was announced by the Royal Swedish Academy of Sciences in Stockholm.