Ölpreise fallen weiter, DAX steigt auf Rekordhoch
Hoffnungen auf diplomatische Entspannung im Nahen Osten und politische Berechenbarkeit in den USA treiben die Märkte an.
Quick Look
- Die Ölpreise fallen infolge der US-Zwischenwahlen, da Anleger auf eine Entspannung im Nahen Osten hoffen.
- Gleichzeitig treibt die politische Berechenbarkeit in den USA den DAX auf ein neues Rekordhoch von rund 26.671 Punkten.
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Why It Matters
Die Ölpreise waren zuvor aufgrund geopolitischer Spannungen stark gestiegen. Die US-Zwischenwahlen haben die politische Konstellation in Washington verändert.
Seit vier Tagen geben die Ölpreise nach. An den Märkten wächst offenbar die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten. Das könnte den Druck auf die Energiemärkte verringern und längerfristig die Inflationssorgen dämpfen. Allerdings bleibt vieles ungewiss.
Rohöl der Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich zuletzt um rund zwölf Prozent. Ein Barrel kostet inzwischen etwa 97 Dollar. Vor zwei Wochen waren es zeitweise noch mehr als 117 Dollar. Auch US-Öl der Sorte WTI ist aktuell mit rund 88 Dollar pro Fass günstiger und damit laut Datenanbieter Infront innerhalb einer Woche um etwas mehr als 13 Prozent gesunken.
Auch an den Tankstellen gingen die Preise zurück: Super E10 kostete an manchen Tankstellen zeitweise weniger als zwei Euro pro Liter. Im bundesweiten Durchschnitt kostete gestern ein Liter Super 2,09 Euro. Der Preis für einen Liter Diesel lag bei 2,26 Euro, damit bleibt dieser Kraftstoff deutlich teurer.
Wegen der hohen Spritpreise plant die Bundesregierung die Einführung eines Preis-Deckels. Über die genaue Ausgestaltung dieser Maßnahme diskutiert die schwarz-rote Koalition noch.
Auslöser für den Rückgang an den Ölmärkten ist die Niederlage der Republikaner bei den US-Zwischenwahlen. Anleger halten weitere US-Angriffe auf Iran dadurch für weniger wahrscheinlich.
Eine diplomatische Lösung ist jedoch nicht in Sicht. Immer wieder kommt es zu gegenseitigen Angriffen. Marktanalyst Kyle Rodda bei Capital.com bringt aber eine andere Perspektive ein: Die Friedensgespräche beschränkten sich derzeit vor allem auf Rhetorik, sagt er. "Zugleich gibt es die Sorge, dass ein zunehmend geschwächter Präsident Trump außenpolitisch aktiver und möglicherweise riskanter agieren könnte, wenn er noch Einfluss nehmen will und weniger Gründe zur Zurückhaltung hat", so Rodda.
Analysten rechnen deshalb weiterhin mit starken Schwankungen bei den Ölpreisen. Hinzu kommt, dass die weltweiten strategischen Ölreserven deutlich geschrumpft sind.
Der sinkende Ölpreis gibt den Börsen zusätzlichen Rückenwind. Zusammen mit positiven Industriedaten hält das die Euphorie nach den US-Zwischenwahlen aufrecht und katapultiert den Deutschen Leitindex nach oben. Der DAX erreichte zeitweise ein neues Rekordhoch von rund 26.671 Punkten. Bereits am Mittwoch hatte der Deutsche Aktienindex um mehr als zwei Prozent zugelegt.
Auch der US-Leitindex Dow Jones Industrial legte Mitte der Woche kräftig zu, nachdem die Demokraten sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat deutlich gewonnen hatten.
Zwar können die Demokraten die Politik des republikanischen Präsidenten Donald Trump nicht ohne Weiteres umkehren. Sie dürften seine Vorhaben aber zumindest stärker bremsen können.
Das Wahlergebnis sei für die Märkte gleich aus mehreren Gründen positiv, erklärte Jochen Stanzl, Analyst bei der Consorsbank. Es habe schnell festgestanden und sei eindeutig gewesen. Die nun geteilte politische Macht verringere das Risiko überraschender politischer Entscheidungen.
"Die Börse liebt Berechenbarkeit und steigt", sagt Stanzl. Für Erleichterung hatte auch gesorgt, dass US-Präsident Donald Trump das Wahlergebnis direkt akzeptiert hatte.
Open Questions
- Wie wird die Bundesregierung den geplanten Preis-Deckel umsetzen?
- Wie wird sich die Außenpolitik von Donald Trump nach den Wahlen entwickeln?






