
Der Zusammenbruch der Digitalbank Ueno und der Rückzug der Unterstützung durch Horacio Cartes führten zum Sturz des Präsidenten.
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Santiago Peña regierte Paraguay seit 2023 und hatte bis 2025 Anteile an einer mit der Ueno-Bank verbundenen Holding. Die Digitalbank gewann 2,9 Millionen Kunden, fast zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung. Unter Peña stiegen die öffentlichen Einlagen bei Ueno massiv auf rund 850 Millionen Dollar. Carlos Carvallo, früherer Ueno-Chef, wurde von Peña zum Zentralbankchef ernannt.
Salvador. Der Name sollte Programm sein: Ueno, eine Abwandlung des spanischen Wortes „bueno“, also gut. Die Digitalbank versprach den Paraguayern eine bessere Zukunft. Ein Bankkonto ließ sich mit wenigen Klicks eröffnen. Wer bisher sein Geld unter der Matratze aufbewahrte, konnte plötzlich mit dem Smartphone bezahlen.
Im Supermarkt lockte Ueno mit großzügigen Rabatten auf Kreditkartenzahlungen. Bei Fußballspielen, Musikfestivals und Motorsportveranstaltungen warb die Digitalbank als Sponsor. Innerhalb weniger Jahre gewann sie 2,9 Millionen Kunden – fast zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung Paraguays.
Am frühen Dienstagmorgen übernahm die Zentralbank die Kontrolle über Ueno und leitete die Abwicklung ein. Polizisten verhafteten führende Manager. Millionen Kunden konnten nicht mehr auf ihre Konten zugreifen. Vor den geschlossenen Filialen bildeten sich verzweifelte Menschentrauben.
Nur zwei Tage später ist nun Präsident Santiago Peña zurückgetreten. Der 47-jährige Ökonom, der das Land seit 2023 regiert, hatte bis 2025 Anteile an einer mit der Ueno-Bank verbundenen Holding gehalten. Nun ist er über einen Korruptionsskandal gestürzt, in dessen Mittelpunkt ausgerechnet jene Bank stand, die wie kaum ein anderes Unternehmen für sein Versprechen eines modernen Paraguay gestanden hatte.
Peña war mit großen Ambitionen angetreten. Der in den USA ausgebildete Wirtschaftswissenschaftler hatte beim Internationalen Währungsfonds gearbeitet und wollte Paraguay für ausländische Investoren attraktiv machen. Er sprach gerne vom „erwachenden Riesen“. Tatsächlich entwickelte sich das Land zu einer der dynamischsten Volkswirtschaften Südamerikas. 2025 wuchs die Wirtschaft um 6,6 Prozent. Niedrige Steuern, vergleichsweise solide Staatsfinanzen und günstige Energie aus dem Wasserkraftwerk Itaipú lockten Investoren an.
Ueno passte perfekt zu diesem Aufbruch. Das Unternehmen war 2021 aus einer traditionellen Finanzierungsgesellschaft hervorgegangen und erhielt 2023 seine Banklizenz. Es wollte das erste paraguayische Unicorn werden, also ein Start-up mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde Dollar. Doch hinter der glänzenden Fassade entwickelte sich offenbar ein gefährliches Geflecht aus Politik und privaten Geschäften.
Unter Peña stiegen die öffentlichen Einlagen bei Ueno massiv. Zuletzt lagen dort rund 850 Millionen Dollar staatlicher Gelder, darunter Mittel der öffentlichen Altersvorsorge. Eine Schwestergesellschaft, Itti, erhielt zahlreiche staatliche Aufträge und damit Zugang zu sensiblen Daten der Bevölkerung.
Besonders brisant war die Rolle von Carlos Carvallo. Bevor Peña ihn zum Zentralbankchef ernannte, hatte Carvallo die Ueno-Bank geleitet. In seinem neuen Amt sollte er die Geschäfte seines früheren Arbeitgebers beaufsichtigen.
Die Aufsichtsbehörden hatten bereits Monate vor dem Zusammenbruch Unregelmäßigkeiten entdeckt. Rund 150 Millionen Dollar soll Ueno an kleinere Unternehmen verliehen haben, die mit Aktionären und Mitarbeitern der Bank verbunden waren. Schließlich fiel die Eigenkapitalausstattung auf weniger als die Hälfte des vorgeschriebenen Mindestwerts.
Doch der Bankenskandal allein hätte Peña wohl nicht das Amt gekostet. Entscheidend war, dass ihm sein mächtigster Verbündeter die Unterstützung entzog: Horacio Cartes.
Der ehemalige Präsident ist der eigentliche Machtfaktor Paraguays. Der 70-Jährige regierte von 2013 bis 2018. Der vermögende Unternehmer kontrolliert weite Teile des Partido Colorado, jener konservativen Partei, die das Land mit kurzen Unterbrechungen seit fast acht Jahrzehnten regiert. Auch der Diktator Alfredo Stroessner, der von 1954 bis 1989 regierte, stützte sich auf die Colorados.
Cartes hatte Peña einst politisch aufgebaut. In seiner Regierung war der junge Ökonom Finanzminister geworden. Später unterstützte Cartes dessen Präsidentschaftskandidatur. Ohne seinen mächtigen Förderer wäre Peña kaum an die Staatsspitze gelangt.
Beide Politiker pflegen enge Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump. Als Cartes unter Joe Biden wegen schwerer Korruptionsvorwürfe mit amerikanischen Finanzsanktionen belegt wurde, geriet er international unter Druck. Doch im Oktober 2025 hob Trump die Sanktionen wieder auf – eine politische Rehabilitierung des umstrittenen Ex-Präsidenten.
In Asunción allerdings tobte hinter den Kulissen schon länger ein Machtkampf zwischen Cartes und Peña: um die Kontrolle der Partei, die Verteilung staatlicher Posten und die Nachfolge bei den nächsten Präsidentschaftswahlen.
Der Zusammenbruch der Digitalbank bot Cartes schließlich die Gelegenheit, mit seinem einstigen Schützling zu brechen. Er entzog Peña die Unterstützung und stellte sich hinter ein Amtsenthebungsverfahren. Ein solches Verfahren würde auch nach Peñas Rücktritt Folgen haben: Der Kongress könnte damit verhindern, dass er als Senator auf Lebenszeit parlamentarische Immunität erhält.
Am Donnerstag erklärte Peña seinen Rücktritt. „Kein Amt darf über dem Wohl Paraguays stehen“, sagte er in einer Videobotschaft. Er wolle die Stabilität des Landes und seine demokratischen Institutionen schützen. Doch sein Abgang war weniger eine freiwillige Geste als die Konsequenz seiner politischen Isolation.
Für Paraguay ist die Krise ein schwerer Rückschlag. Zwar halten Experten das Bankensystem für stabil. Doch der Skandal beschädigt das internationale Ansehen eines Landes, das gerade begonnen hatte, sich von seinem traditionellen Image zu lösen. Im Korruptionswahrnehmungsindex 2025 von Transparency International schneidet unter den südamerikanischen Ländern nur Venezuela schlechter ab als Paraguay. Paraguay wollte nicht länger nur als Standort für Schmuggel, Korruption und politische Patronage wahrgenommen werden, sondern als moderner Wirtschaftsstandort im Herzen Südamerikas.
Nach der Verfassung soll Vizepräsident Pedro Alliana die Amtszeit bis 2028 beenden. Auch gegen ihn gab es einen Amtsenthebungsantrag, der jedoch im Abgeordnetenhaus scheiterte. Alliana gehört ebenfalls den Colorados an.
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Der Kongress wird das Amtsenthebungsverfahren gegen Peña fortsetzen, um ihm die lebenslange Senatorenimmunität zu verwehren.
Likely · Within weeks
Vizepräsident Pedro Alliana wird die Amtszeit bis 2028 beenden.
Very likely · Within hours
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