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Personalberatung: Diese Headhunter sind die stillen Lenker der deutschen Wirtschaft
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Handelsblatt46 minutes agoBusiness7 min readGermany

Personalberatung: Diese Headhunter sind die stillen Lenker der deutschen Wirtschaft

Trotz Krise und Künstlicher Intelligenz platzieren diese Top-Personalberater weiterhin erfolgreich Vorstände und Aufsichtsräte.

Quick Look

Trotz einer dreijährigen Krise im deutschen Personalberatungsmarkt vermitteln sechs prominente Headhunter weiterhin erfolgreich Top-Führungskräfte und nutzen dabei zunehmend Künstliche Intelligenz.

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Why It Matters

Das Geschäft der Personalberatungen in Deutschland schwächelt das dritte Jahr in Folge. Dennoch gelingt es einigen Top-Headhuntern, Spitzenpositionen in Vorständen und Aufsichtsräten zu besetzen.

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Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg. Das Geschäft der Personalberatungen in Deutschland schwächelt das dritte Jahr in Folge. Doch diese sechs Headhunter machen mit ihren Top-Platzierungen in Vorständen und Aufsichtsräten weiter gute Geschäfte – trotz Krise und nicht zuletzt mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI).

Wer sind sie, was können sie, wen haben sie wo platziert? Allen gemein ist, dass sie sehr diskret unterwegs sind. Niemand von ihnen plaudert eigentlich über Posten oder diskutiert Namen. Ihr Kapital sind schließlich ihr Netzwerk, ihre Menschenkenntnis und ihre Diskretion. Doch mit dem Handelsblatt haben sie alle gesprochen.

Christoph Zeiss hat den Personalberatungsmarkt in den vergangenen 25 Jahren aufgemischt – und zwar in doppelter Hinsicht: als Headhunter und als Unternehmer. Zeiss hat es zunächst einmal aus dem Stand geschafft, einer der profiliertesten Headhunter zu werden – in Deutschland, der Schweiz und zunehmend auch in den USA.

Zu seinen Platzierungen gehören Luka Mucic, seit Januar 2026 Vorstandschef (CEO) von Vonovia, Jens Birgersson, CEO von Brenntag, Thierry Garnier, CEO des niederländischen Handelsunternehmens Ahold Delhaize, Katja Garcia Vila, Finanzvorständin (CFO) des Triebwerksexperten MTU, sowie Mike Joo, Co-CEO der Investmentbank von Barclays.

Zum anderen hat Zeiss, der selbst aus einer Unternehmerfamilie stammt, mit der Personalberatung Heads! ein mittelständisches Unternehmen aufgebaut, das eigenen Angaben zufolge inzwischen etwa 100 Beschäftigte hat und dieses Jahr mit etwa 250 Besetzungen einen Umsatz von rund 75 Millionen Euro machen will, den Großteil davon international.

Heads! ist dabei ein Unikum. Die Beratung mit Büros in München, Königsstein bei Frankfurt, Zug in der Schweiz und New York unterscheidet sich fundamental von Wettbewerbern. Sie bietet nur Personalsuche an und keine zunehmend wichtiger werdende Personalberatung in form von Audits, Diagnostik oder Coaching, wie es die fünf weltgrößten Personalberatungen tun.

Zudem gehört Heads! zu 100 Prozent dem Gründer. Die 26 Partnerinnen und Partner folgen der Geschäftsregel „Eat what you kill!“ und arbeiten damit wie Ich-AGs. Eine Gewinnaufteilung wie etwa bei Egon Zehnder findet nicht statt. Ziel ist es, das Geschäft bis 2030 auf einen Umsatz von 150 Millionen Euro und 500 Besetzungen zu verdoppeln.

Über sich selbst sagt der 51-jährige Zeiss: „Ich habe zwei Hüte auf: Ich bin Headhunter und Unternehmer. Das empfinde ich als intellektuell extrem reizvoll.“ Er selbst sei häufig nur der „Türöffner“ und besetze rund 25-30 Top-Positionen pro Jahr weltweit. Der Trend für seine Partnerschaft laute ohnehin: Weniger Besetzungen, dafür aber nur noch auf oberster Ebene.

Er ist der Grandseigneur der Headhunterszene. Nicolas von Rosty hat in seiner Karriere schon drei der fünf weltweit führenden Personalberatungen in Deutschland geprägt: Egon Zehnder, Spencer Stuart und Heidrick & Struggles. Seit April 2021 ist er Deutschlandchef von Heidrick & Struggles – und es wirkt so, als wäre er nie besser im Geschäft gewesen. „2026 ist unser bestes Geschäftsjahr aller Zeiten. Wir haben eine unglaubliche Auftragsflut aus der Industrie“, sagt von Rosty. Es würden vor allem Manager für die digitale Transformation gesucht sowie „leistungsfähige CFOs mit Restrukturierungserfahrung“.

Zu seinen jüngsten Besetzungen zählen die neue Vorstandschefin des österreichischen Energiekonzerns OMV, Emma Delaney. Sie trat zum 1.9. an, kam von BP und leitet nun bei OMV auch den Aufsichtsrat. Außerdem brachte von Rosty 2025 den amtierenden Sprecher der Geschäftsführung des Familienunternehmens Freudenberg, Mohsen Sohi, als neuen Aufsichtsratsvorsitzenden zum Gabelstaplerkonzern Kion und fand mit Mathias Miedreich den neuen Vorstandsvorsitzenden für ZF Friedrichshafen. Zuvor hatte er schon Lea Corzilius als neue Personalvorständin bei dem Automobilzulieferer platziert.

Von Rosty, der seine Karriere als Leiter der Führungskräfteentwicklung von Siemens in den Jahren 2008 bis 2014 begründete, wird dabei wie viele seine Kunden von Investoren getrieben. Heidrick & Struggles ist seit dem 10. Dezember 2025 kein börsennotiertes Unternehmen mehr. Das Unternehmen gehört nun einem Konsortium privater Investoren. Der 64-jährige Vater von vier Kindern ist aber auch lange genug im Geschäft, um die Ruhe zu bewahren: „Man ist immer nur so gut, wie der letzte Auftrag war.“ Headhunting sei ein reines Empfehlungsmarketing.

Sie geht bei Tech-Firmen wie SAP, Deutsche Telekom und Nokia ein und aus: Sandra Stegmann, Partnerin bei Europas führender Personalberatung Egon Zehnder. Die Betriebswirtin leitete dort auch europaweit das Geschäft mit IT-Firmen. Ihre Glaubwürdigkeit zieht sie dabei aus ihrer eigenen operativen Managerkarriere bei SAP. Von 2005 bis 2015 verantwortete sie als Executive Vice President in der Zentrale in Walldorf operative und strategische Themen sowie das Portfoliomanagement.

Zu Egon Zehnder, wo sie neben Deutschlandchefin Elke Hofmann die zweite bekannte Frau ist, hat sie ihre Überzeugung geführt: „Am Ende hängt jede Strategie und jede Transformation an Menschen.“ Ohne das richtige und motivierte Personal sei in allen Unternehmungen nichts zu ändern und nichts zu erreichen. „Und das gilt“, sagt Stegmann, „mit Künstlicher Intelligenz mehr denn je.“ Die 57-Jährige ist sich zudem auch in eigener Sache und Profession sicher: „KI verändert unser Geschäft, KI wird uns Personalberater aber nicht disruptieren!"

Stegmann besetzt nicht nur Top-Positionen, sie hat auch selbst eine inne: Seit 2015 ist sie Aufsichtsrätin beim IT-Dienstleister Bechtle. Über die Frage, wie sie dieses Mandat bekommen hat, schmunzelt sie zunächst nur. Schließlich sagt sie: „Entscheidend war der persönliche Kontakt.“ Die Besetzung zeige aber schon auch, worauf es in ihrem Geschäft ankomme: fachliche Expertise und ein gutes Netzwerk.

Zu Bechtle sei sie, so verrückt es klinge, über die Jugendmusikschule in Ludwigsburg gekommen. Dort sei sie – als Mutter und damals noch als SAP‑Managerin – mit dem damaligen Vorstandschef der Bausparkasse Schwäbisch Hall und Aufsichtsratsvorsitzenden von Bechtle ins Gespräch gekommen. „Am Ende sagte er zu mir: Du bist genau die Richtige für unseren Aufsichtsrat."

Zu Beginn seiner Karriere stand ein besonderer Auftrag: Christoph Trah sollte das Family Office der Henkel-Dynastie aufbauen. Mit der Familie ist er seit seiner Hochzeit mit Simone Bagel-Trah, einer Ur-Ur-Enkelin des Gründers Fritz Henkel und langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden des gleichnamigen Dax‑Konzerns, verbunden.

Dieser und andere Aufträge gelangen ihm so gut, dass sich der promovierte Volkswirt und erfahrene Versicherungsmanager als Personalberater profilierte. In den Folgejahren baute Trah die Düsseldorfer Boutique Interconsilium aus und etablierte sie als eine der führenden Personalberatungen für Familienunternehmen.

Seit einigen Jahren hat Interconsilium weitere Gesellschafter. Neben Trah sind das Marc Viebahn und Ulrich Lohaus. Das Trio komplettiert Geschäftsführer Daniel Iczek. „Wir sind eine echte Partnerschaft“, sagt Trah. Weiter sagt er: „Über weitere Verstärkung unseres Partnerkreises würden wir uns sehr freuen."

Das Geschäft von Interconsilium läuft eigenen Angaben zufolge dieses Jahr wieder „erfreulich gut“. Bei der Suche für die neue operative Führungsspitze des Gasespezialisten Messer soll sich Trah im sogenannten Pitch gegen Partner großer Beratungshäuser durchgesetzt haben und sowohl den CEO Peter Mohnen als auch den neuen CFO Sven Wildner platziert haben. Trah möchte das auf Nachfrage „nicht kommentieren“. Er sagt nur: „Diskretion ist alles in unserem Geschäft.“ Unkommentiert lässt Trah auch, dass er bei seinem früheren Arbeitgeber regelmäßig höchste Posten besetzt.

Einen Nachteil gegenüber den großen Top-Beratungen oder Branchengrößen wie Heads! sieht Trah kaum noch. „Künstliche Intelligenz hat uns Boutiquen im Research viel besser und schneller gemacht. Mein Karteikasten ist der gesamte Markt.“ Der vermeintliche Wettbewerbsvorteil der fünf Großen, die große Researchabteilungen aufgebaut hätten, habe sich durch KI dramatisch reduziert. Trah: „Führungsfähigkeiten und Umsetzungsgeschwindigkeit sind für uns selbst wie für unsere Klienten entscheidender denn je."

Er ist der wohl bekannteste Vertreter der fünf großen Personalberatungen in Deutschland: Matthias Scheiff. Der 56-Jährige führt seit 2019 sehr selbstbewusst in Deutschland die Geschäfte der 1969 in New York gegründeten Beratung Russell Reynolds. Die Zahl der Partnerinnen und Partner hat sich seitdem eigenen Angaben zufolge um 50 Prozent erhöht.

Neben Scheiff ist auch Jens-Thomas Pietralla unter den deutschen Partnern präsent und prägend. Er ist Co-Chef der weltweit agierenden Board & CEO Advisory Group (BCAP) von Russell Reynolds, einer spezialisierten Beratungseinheit, die Führungskräfte und Aufsichtsräte bei zentralen Governance- und Führungsthemen unterstützt.

Für Scheiff sind es derzeit „besonders herausfordernde Zeiten“. Der Transformationsdruck in der deutschen Wirtschaft sei enorm. Dadurch werde Führung neu bewertet: Vorstandspositionen würden neu besetzt, ganze Führungsteams umgebaut.

Zu seinen Kunden zählen etwa, so ist im Markt zu hören, die Deutsche Bahn und die Deutsche Bank sowie der kriselnde Agrarhändler Baywa. Scheiff soll sowohl an der Besetzung der neuen Deutsche-Bahn-Chefin Evelyn Palla maßgeblich mitgewirkt haben, als auch bei der des neuen Finanzchefs der Bahn, Michael Obrowski.

Bei der Deutschen Bank und Baywa soll Scheiff die neuen CFOs Raja Akram und Matthias Rapp platziert haben. Zum Münchener Agrarhändler vermittelte er dem Vernehmen nach mit Ines Kapphan, Solveig Menard-Galli und Christine Rittner-Koch drei neue Aufsichtsrätinnen.

Scheiff, der über sich selbst sagt, dass er „nicht everybody's darling“ sei, bezieht gerne klar Position und liebt die Herausforderungen. Das zeigt sich auch in seinem Privatleben. Er hat schon zwei Mal den Ironman-Triathlon in Frankfurt absolviert, hat einen Jagd- und einen Bootsführerschein.

Im Herbst 2024 hatte er Nachrichten in eigener Sache zu verkünden: Thomas Tomkos. Der frühere Deutschlandchef von Russell Reynolds machte sich selbstständig. Er gründete in Hamburg seine eigene Personalberatung Tomkos Partners.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagt er: „Ich möchte die Tradition der unabhängigen Boutiqueberater wiederbeleben.“ Seines Erachtens gebe es in den Führungsetagen einen klaren Bedarf nach persönlicher Beratung.

Gesagt und getan: Zwei Jahre später hat sich der 54-Jährige mit seinem Team etabliert. Eigenen Angaben zufolge hat er inzwischen rund 40 Vorstände und Aufsichtsräte besetzt, darunter einige in Dax- und MDax-Konzernen und in großen Familienunternehmen.

Und die Expansion soll weitergehen. Seit dem 1. Juli verstärkt Valerie Hitschold, 39, als Partnerin sein Team. Zudem kooperiert Tomkos nun mit der Personalberatung Mercer und ist Teil der Global Board Advisors (GBA), einer internationalen Allianz von Personalberatern.

Open Questions

  • Wie stark wird KI die Research-Arbeit in Zukunft verändern?
  • Erreichen die Headhunter ihre avisierten Wachstumsziele bis 2030?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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