Breaking
RUThe dismembered body of businesswoman Elena Tsereteli was discovered in Moscow, the suspect was detainedRUIn Moscow, a court arrested Teimuraz Gogiashvili on charges of murdering his mother and daughter.CNSchool bus flips in central Florida crash, killing two including 10th grade girlRUMedvedev will apologize to the fan for hitting the ball in the face during the match with DjokovicSEBus accident in Kronoberg – several injured after overturningCNFormer U.S. House Speaker Hastert dies at 84JPJapan national soccer team defeats New Zealand 2-1 in Kirin Cup final, marking Moriyasu's last domestic match with a victoryITANSA journalist Alessandra Moneti, food and agri-food expert, has diedRUBlogger Andrei Arbenin died at the age of 31ARDemocrats are optimistic ahead of the midterm elections amid Republican fears of inflationRUThe dismembered body of businesswoman Elena Tsereteli was discovered in Moscow, the suspect was detainedRUIn Moscow, a court arrested Teimuraz Gogiashvili on charges of murdering his mother and daughter.CNSchool bus flips in central Florida crash, killing two including 10th grade girlRUMedvedev will apologize to the fan for hitting the ball in the face during the match with DjokovicSEBus accident in Kronoberg – several injured after overturningCNFormer U.S. House Speaker Hastert dies at 84JPJapan national soccer team defeats New Zealand 2-1 in Kirin Cup final, marking Moriyasu's last domestic match with a victoryITANSA journalist Alessandra Moneti, food and agri-food expert, has diedRUBlogger Andrei Arbenin died at the age of 31ARDemocrats are optimistic ahead of the midterm elections amid Republican fears of inflation
BackPflegereform in der Kritik: Experten fordern strukturelle Änderungen statt reiner Finanzierung
Pflegereform in der Kritik: Experten fordern strukturelle Änderungen statt reiner Finanzierung
Politics
Handelsblatt1 hour agoPolitics4 min readGermanyView translation

Pflegereform in der Kritik: Experten fordern strukturelle Änderungen statt reiner Finanzierung

Experten kritisieren den Entwurf von Gesundheitsminister Carsten Linnemann als unzureichend und verweisen auf internationale Pflegemodelle aus den Niederlanden, Österreich und Japan.

Quick Look

  • Gesundheitsexperten kritisieren die Pflegereform von Carsten Linnemann als zu kurz gegriffen.
  • Sie fordern strukturelle Reformen, Digitalisierung und den Blick auf internationale Modelle wie Buurtzorg, Zeitpolster oder japanische Ansätze, um den Fachkräftemangel und Bürokratie zu bewältigen.

AI-generated summary

Why It Matters

Die Bundesregierung plant eine Pflegereform durch Erhöhung von Beiträgen und Kinderlosenzuschlägen. Experten fordern stattdessen eine umfassende strukturelle Neuausrichtung.

Font size

Düsseldorf. Die Pflegereform von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) geht Pflegeexperten nicht weit genug. Sie kritisieren, dass der Entwurf nur die Einnahmenseite angeht und strukturelle Probleme ausblendet – und verweisen auf Ansätze im Ausland.

Linnemann brachte vergangenen Mittwoch einen Entwurf durchs Bundeskabinett, der Beitragsbemessungsgrenze und Kinderlosenzuschlag erhöht und Änderungen etwa bei der Reha enthält. Weitere Reformen soll nach seinen Worten eine Kommission ausarbeiten.

David Matusiewicz, Professor für Medizinmanagement an der FOM Hochschule und Experte für digitale Gesundheit, kritisiert: „Man müsste bei der Pflegereform viel struktureller ansetzen. Mir fehlt eine Gesamtstrategie.“ In zwei bis drei Jahren sei man wieder da, wo man heute stehe. Durch weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung und neue Pflegemodelle lasse sich bei den Ausgaben erheblich sparen – Modelle, die anderswo längst erprobt sind.

Mehrere Länder organisieren ihre Pflege grundlegend anders als Deutschland. Deren Systeme auf Deutschland zu übertragen, ist jedoch nicht ohne Hürden – und zeigt zugleich die größten Schwächen des deutschen Systems. Ein Blick auf drei Länder, von denen Deutschland lernen könnte.

Der Pflegedienst vergütet nach tatsächlich aufgewendeter Zeit statt nach festen Leistungskomplexen. Einer Auswertung im Auftrag des niederländischen Gesundheitsministeriums zufolge sinkt der Pflegeaufwand dadurch um rund ein Drittel – bei laut Buurtzorg 60 Prozent geringeren Krankenständen. Damit will Buurtzorg auch dem Fachkräftemangel in der Pflege entgegenwirken.

In Deutschland startete Buurtzorg 2018 erstmals – in Nordrhein-Westfalen (NRW). Wenige Jahre später musste es dort und an zehn weiteren Standorten Insolvenz anmelden. Nur Münster und München blieben. Die Betreiber hatten den Minutenpreis zu niedrig kalkuliert, die bürokratischen Hürden waren zu hoch. Die föderale Struktur in Deutschland erhöhte den Verwaltungsaufwand zusätzlich.

Neben den Kosten war auch die fehlende Schulung von Pflegekräften ein Hindernis. „Das deutsche Gesundheitssystem ist sehr stark an Hierarchien gebunden“, sagt Matusiewicz. Das gehe mit einer klaren Rollenverteilung einher: Pflegekräfte übernehmen vor allem Helferrollen, das präge auch die Persönlichkeit. Mitarbeiter in der deutschen Pflege seien „vom Typ her anders“. Modelle wie das der Niederlande seien deshalb „nicht jedermanns Sache“ und könnten „überfordernd wirken“.

Michael Ewers, Direktor des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenschaft der Charité, findet noch klarere Worte: „Deutschland ist im internationalen Vergleich absolutes Schlusslicht bei der Ausbildung.“ Das Motto hierzulande laute oftmals „Viel Herz, viel Hand, wenig Hirn“. Buurtzorg funktioniert nach dem Gegenprinzip: In den Niederlanden sind rund 40 Prozent der Pflegekräfte Akademiker.

Auch das österreichische Modell Zeitpolster setzt an der Nachbarschaft an. Freiwillige Helfer bekommen statt eines Lohns eine Zeitgutschrift. Jede geleistete Stunde landet auf einem persönlichen Zeitkonto und lässt sich später bei eigenem Hilfebedarf einlösen.

Zeitpolster ist seit acht Jahren aktiv – inzwischen in sieben österreichischen Bundesländern und, nach Angaben des Verbands der privaten Krankenversicherungen (PKV), in rund 20 Prozent der Kommunen. Etwa 2700 Freiwillige machen mit.

Matusiewicz ist Gründungsmitglied von Zeitpolster Kreis Recklinghausen, das im Sommer startete. Die Idee: Menschen sollen so lange wie möglich im eigenen Zuhause leben können. Das Modell ergänzt medizinische und pflegerische Leistungen und trägt damit dazu bei, dass Ältere nicht für alltägliche Dinge auf staatliche Leistungen angewiesen sind.

Viele Menschen landeten im Pflegeheim, weil sich niemand im Alltag um sie kümmern kann, nicht unbedingt, weil sie ein Pflegefall sind, erklärt Matusiewicz. Zeitpolster organisiert Fahrdienste, Begleitung zu Arztterminen, Einkäufe, Spaziergänge und Gespräche.

In Deutschland finanziert der PKV-Verband eine fünfjährige Anschubphase mit zwei Leuchtturmregionen, unterstützt von der Deutschen Postcode-Lotterie. Bisher gibt es jedoch kaum Erfahrungswerte im städtischen Raum. „Es kann sein, dass solch ein Konzept nicht in einer anonymeren Großstadt funktioniert“, sagt Matusiewicz. Ohnehin gebe es nicht das eine Modell für alle – Zeitpolster ergänze viele andere, teils bereits bestehende Angebote.

Auch Charité-Professor Ewers sieht in solchen Nachbarschaftsinitiativen eine Chance für die deutsche Pflege. Gesellschaft und Politik müssten so lange wie möglich verhindern, dass Pflegebedürftige in Heimen landen und aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden.

Japan setzt, genau wie Deutschland, auf eine Pflegeversicherung – allerdings erst ab 40 Jahren verpflichtend. Um die Pflege weiterhin bezahlen zu können, hob Japan die Eigenbeteiligung für höhere Einkommen schrittweise auf 30 Prozent an, die Beiträge steigen, und der Staat passte die Anspruchsvoraussetzungen an.

Damit steht Japan vor ähnlichen Herausforderungen wie Deutschland. Die häusliche Pflege organisiert Japan jedoch stärker über die Nachbarschaft, während sie in Deutschland oft bei den Familien liegt. Japaner hätten ein stärkeres gesellschaftliches Verantwortungsgefühl. In Deutschland verlasse sich die Gesellschaft beim Thema Pflege nach wie vor zu sehr auf den Staat, sagen beide Experten.

Zudem sei Pflege in Japan – im Gegensatz zu Deutschland – eng mit medizinischen Leistungen verknüpft, sagt Ewers. „Fatalerweise haben wir unser Sozialversicherungssystem in Säulen organisiert. Wir müssen davon weg, alle Leistungen zersplittert anzubieten.“ Dadurch entstünden unnötige Kosten und Bürokratie.

Auch technologisch ist Japan Deutschland deutlich voraus, doch der Einsatz von Pflegerobotern und anderer Technik lasse sich nicht einfach übertragen, sagt Matusiewicz. „In Japan ist die Akzeptanz für Pflegetechnologie viel höher.“ Deutschland sei noch weit davon entfernt, Technologien in diesem Ausmaß einzusetzen. Doch auch hierzulande könne Digitalisierung die Pflege deutlich verbessern.

Ewers warnt davor, existierende Pflegemodelle zu idealisieren. In Tokio etwa sehe die gesundheitliche Versorgung ganz anders aus als auf dem japanischen Land. Ebenso ließen sich NRW und Brandenburg nicht vergleichen. Das ideale Modell gebe es nicht.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Einsetzung einer Kommission zur Ausarbeitung weiterer Pflegereformen.

    Very likely · Within months

Open Questions

  • Wie wird die angekündigte Kommission die strukturellen Probleme adressieren?
  • Können internationale Modelle in deutschen Großstädten erfolgreich skaliert werden?

Related Topics

This article was originally published by Handelsblatt.

Related Stories

More on this topicpflegereform