
Der Betriebsrat beklagt in einem Brief an den Vorstand toxische Arbeitsbedingungen, Diskriminierung und mangelnde Transparenz während der laufenden Umstrukturierung.
Der Biontech-Betriebsrat wirft der Unternehmensführung in einem internen Brief toxische Arbeitsbedingungen, Diskriminierung und mangelnde Transparenz bei der aktuellen Umstrukturierung und dem Stellenabbau vor.
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Biontech befindet sich in einer tiefgreifenden Neuordnung mit der Schließung dreier deutscher Standorte und dem Abbau von bis zu 1800 Stellen. Zudem verlassen die Gründer das Unternehmen.
In einem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt, kritisiert der Betriebsrat die Führung scharf. Die Rede ist von Stillstand, Angst – und „erschütternden Berichten über Rassismus und Drohungen“.
Der Biontech-Betriebsrat wirft der Führung vor, die Beschäftigten in der laufenden Neuausrichtung allein zu lassen. Er beklagt Zukunfts- und Arbeitsplatzängste sowie einen „Stillstand bei Entscheidungen“.
Der Betriebsrat nennt konkrete Meldungen zu „Sexismus, Rassismus, Diskriminierung und Drohungen“. Er fordert vertrauliche Anlaufstellen und mehr Transparenz über die Folgen des Umbaus.
Das Unternehmen nimmt die Vorwürfe nach eigener Aussage „sehr ernst“ und toleriert weder Diskriminierung noch Vergeltung gegen Hinweisgeber.
Biontech schließt die deutschen Produktionsstandorte Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen und baut bis zu 1800 Stellen ab. Die Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci verlassen das Unternehmen, um eine neue Firma zu gründen.
Düsseldorf, Berlin. Der Betriebsrat von Biontech greift den Vorstand des Biotech-Unternehmens in einem Brief frontal an. Darin prangern die Arbeitnehmervertreter den Umgang mit den Mitarbeitern in der derzeit laufenden Neuausrichtung des Unternehmens an.
„Mitarbeitende berichten von Zukunfts- und Arbeitsplatzängsten sowie dem Gefühl, mit ihren Sorgen allein zu sein und den Veränderungen hilflos gegenüberzustehen“, heißt es in dem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt.
Das Schreiben des Betriebsrats von Biontech ging am Montagabend an das Executive Board. Beklagt wird darin nicht allein die Verunsicherung sowie ein „Stillstand bei Entscheidungen“.
Der Betriebsrat sei „erschüttert“ von Berichten einzelner Mitarbeiter über „toxische Arbeitsplatzsituation und eklatantes Verhalten“. Es lägen konkrete Meldungen zu „Sexismus, Rassismus, Diskriminierung und Drohungen“ vor.
Einige würden sich nicht trauen, die Vorfälle zu melden oder sich dem entgegenzustellen. Es fehle das Vertrauen in das interne Whistleblower-System, über das derartige Fälle dem Vorstand gemeldet werden sollen.
Biontech teilte auf Anfrage des Handelsblatts mit, das Unternehmen nehme die in dem Brief angesprochenen Vorwürfe sehr ernst. Biontech toleriere „weder Vergeltungsmaßnahmen gegen Hinweisgeberinnen und Hinweisgeber noch Diskriminierung, Sexismus, Rassismus oder Drohungen“.
Jede Meldung, die über die externe Meldestelle eingehe, werde ernst genommen „und im Einklang mit den geltenden gesetzlichen Anforderungen und unseren internen Richtlinien untersucht“, hieß es weiter.
Die Biontech-Führung sei diesbezüglich mit der Arbeitnehmervertretung im Gespräch. „In einer solchen Situation ist es allerdings wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen und Gerüchte einiger von gesicherten Fakten zu unterscheiden“, schreibt das Unternehmen.
Biontech steckt derzeit in einer tiefgreifenden Neuordnung. Die Produktionswerke in Deutschland werden geschlossen und die Forschung neu ausgerichtet. Bis zu 1800 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden. Das Gründerpaar Ugur Sahin und Özlem Türeci verlässt in wenigen Wochen das Unternehmen und gründet eine neue Biotechfirma.
Die Aufteilung der beiden Unternehmen sollte eigentlich bis zum Sommer feststehen, ist aber immer noch unklar. Damit fehlt Mitarbeitern die Grundlage für ihre Entscheidung, ob sie mit in das neue Unternehmen der Gründer wechseln. Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen sollen, seien im Disput mit der Führung über Abfindungen, heißt es in Arbeitnehmerkreisen.
Der Betriebsrat fordert den Vorstand in dem Brief auf, für „vertrauliche Anlaufstellen für Mitarbeitende zu sorgen, die Übergriffe oder andere belastende Erfahrungen melden möchten“. Die Kommunikation über mögliche Auswirkungen des Umbaus auf Standorte, Bereiche und Arbeitsplätze müsse transparenter werden.
Biontech unterstrich, das Unternehmen werde die Belegschaft über die geeigneten Kanäle informieren, sobald „wesentliche Entwicklungen“ feststünden. Von einem Stillstand im operativen Geschäft könne jedoch keine Rede sein: In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 habe Biontech 15 klinische Meilensteine in der Wirkstoffentwicklung erreicht, ein weiterer stehe aus.
Für das dritte Quartal 2026 hat Biontech einen Nettogewinn von über 185 Millionen Euro gemeldet. In den ersten neun Monaten kam allerdings ein Verlust von 1,17 Milliarden Euro bei den Mainzern zusammen und damit mehr als im Vorjahreszeitraum mit 831,1 Millionen Euro.
Ein Hauptgrund sind immense Ausgaben für die Forschung und Entwicklung, vor allem von Krebstherapien, bei gleichzeitig stark geschrumpftem Geschäft mit Covid‑19‑Impfstoff. Vor dem Hintergrund kündigte Biontech in diesem Jahr auch die baldige Schließung der drei Standorte Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen an. In Tübingen soll Ende 2027 Schluss sein, in Marburg Anfang 2028 und in Idar-Oberstein Ende 2028.

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