Risikokapitalmanagerin Lixandru: "Europa hat das Potenzial für ein Billionen-Dollar-Start-up"
Quick Look
- Luciana Lixandru, Partnerin bei Sequoia, sieht großes Potenzial für europäische Start-ups, insbesondere im Rüstungssektor.
- Sie betont die Reife des Marktes und die Ambitionen der Gründer, mahnt aber auch Geduld im Vergleich zu den USA an.
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Why It Matters
Luciana Lixandru, eine führende Risikokapitalmanagerin, sieht gute Zukunftsaussichten für europäische Start-ups, insbesondere im Rüstungssektor. Sie betont die Reife des Marktes und die Ambitionen der Gründer.
Die prominente Risikokapitalmanagerin sieht gute Perspektiven für europäische Start-ups, vor allem für junge Rüstungsfirmen. Hürden macht die Sequoia-Partnerin trotzdem aus. Nadine Schimroszik 22.06.2026 - 07:23 Uhr Artikel anhören
Luciana Lixandru: In Deutschland hat sie in die Firmen Robco, Stark und Tacto investiert, international etwa in Deliveroo. Foto: RobCo, Deliveroo, Privat
London. Luciana Lixandru ist eine der erfolgreichsten Investorinnen Europas. Die Partnerin eines der ältesten Risikokapitalgeber der Welt, Sequoia, hat in Firmen wie den Lieferdienst Deliveroo, die Softwarefirma Uipath sowie jüngst in das deutsche Robotikunternehmen Robco und das Berliner Rüstungs-Start-up Stark investiert. Auch nach 15 Jahren in der Branche hat sie den Glauben an Europa nicht verloren.
Stattdessen ist sie der Meinung, dass in Europa „jetzt Großes passieren kann“. Ihre Zuversicht begründet sie damit, dass der Markt reifer geworden sei und die Gründer ambitionierter und talentierter. „Wir müssen geduldig sein, weiter pushen, eine gute Haltung bewahren und uns nicht ständig mit den USA vergleichen“, sagt Lixandru im Interview mit dem Handelsblatt. Europa habe bereits bewiesen, dass es Unternehmen im Wert von mehr als zehn Milliarden Dollar bauen könne. Jetzt sei die Frage, wann die erste Firma die Marke von einer Billion reiße.
Potenzial macht Lixandru dafür vor allem im Rüstungssektor aus. In Hinblick auf das Kampfdrohnen-Start-up Stark sagt sie: „Mit der Zeit können sie zum Konsolidierer werden.“ Damit meint sie, dass Stark letztlich auch andere Firmen kaufen könnte, um zu wachsen. Zu Deutschland hat sie wegen ihres deutschen Ehemanns ein besonderes Verhältnis: „Ich lerne gerade Deutsch, zusammen mit meiner kleinen Tochter.“
Lesen Sie hier das Interview mit Sequoia-Partnerin Luciana Lixandru:
Frau Lixandru, gerade hat die Weltraumfirma SpaceX den größten Börsengang – IPO – in der Geschichte hingelegt. Sequoia hat erstmals 2019 investiert und jetzt beim Börsengang wie viele andere in den USA ordentlich verdient. Fällt Europa jetzt weiter zurück?
Europa wird seinen Moment in der Sonne haben. Aber wir sind noch nicht ganz so weit. Mir ist in Europa kein IPO in dieser Größenordnung bekannt, der in absehbarer Zeit ansteht. Wir dürfen nicht vergessen, dass es in den USA seit den 70er-Jahren Wagniskapital gibt, in Europa vielleicht seit gut 15 bis 20 Jahren. Ich denke, es ist eine Frage der Zeit und der Reife des Ökosystems. Wir müssen geduldig sein, weiter pushen, eine gute Haltung bewahren und uns nicht ständig mit den USA vergleichen. Ich denke, wir sind in einer guten Position. Europa ist bereit für diese Phase, in der Großes passieren kann.
Warum?
Ich habe meine gesamte Karriere darauf verwendet, mit europäischen Gründerinnen und Gründern zu arbeiten, die das Rennen wirklich gewinnen wollen. Ich bin tatsächlich ziemlich begeistert davon, wo wir heute stehen. Europa hat bewiesen, dass es Unternehmen im Wert von mehr als zehn Milliarden Dollar bauen kann. Die entscheidende Frage ist jetzt: Wann wird Europa ein Billionen-Dollar-Start-up haben?
Vita Luciana Lixandru
Luciana Lixandru ist Partnerin beim Risikokapitalgeber Sequoia aus den USA. Die gebürtige Rumänin lebt in London. Ihre Karriere begann sie als Händlerin für Morgan Stanley, bevor sie 2011 zum Risikokapitalgeber Accel wechselte. Dort investierte sie unter anderem in die rumänische Softwarefirma Uipath, die 2021 ihren milliardenschweren Börsengang an der Wall Street feierte. Seit 2020 arbeitet Lixandru für Sequoia. Zu ihren Portfoliofirmen gehören das Münchener Robotik-Start-up Robco, die KI-Logistikfirma Tacto und das Rüstungs-Start-up Stark.
Sequoia gehört zu den ältesten Risikokapitalgebern der Welt. Die Firma wurde 1972 von Don Valentine im Silicon Valley gegründet. Mit dem ersten, damals drei Millionen Dollar schweren Fonds investierte Valentine in Apple wie auch Atari. Über die Jahre beteiligte sich Sequoia an inzwischen milliardenschweren Firmen wie Airbnb, Klarna, Google, Paypal, Uber und SpaceX. Laut dem niederländischen Datendienst verwaltet Sequoia derzeit Vermögenswerte in Höhe von rund 90 Milliarden Dollar.
Darauf warten wir schon eine Weile. Wann ist es denn so weit?
Das weiß ich nicht. Es müssen mehrere Dinge zusammenkommen, damit das passiert. Es dauert Jahrzehnte. Wir brauchen Gründer, die entsprechend langfristig denken und ein unglaubliches Ambitionsniveau haben. Allein das Beispiel Nvidia zeigt, wie lange es dauern kann. Die Chipfirma wurde vor über 30 Jahren gegründet und hatte 2015 noch eine Marktkapitalisierung von ungefähr zehn Milliarden Dollar. Heute sind es mehr als vier Billionen. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass wir in Europa jetzt solche Gründerinnen und Gründer haben.
Was ist jetzt anders als noch vor einem Jahrzehnt?
Erstens: die Qualität der Gründerinnen und Gründer. Damit meine ich: Wir haben mehr Seriengründer. Wer schon mal einen kleineren Exit hatte ...
... also seine Firma veräußert hat ...
... ist beim zweiten Mal größer und kühner. Zweitens: KI verschiebt für alle die Messlatte. Die Anforderungen sind für alle viel höher. Und die Umsetzungsgeschwindigkeit befindet sich auf einem völlig anderen Level als alles, was ich zuvor gesehen habe. Das bricht Barrieren auf. Drittens: Es geht immer mehr um europäische Souveränität, und ich glaube, dass Deutschland da eine große Rolle spielen kann. Man spürt bei Gründerinnen und Gründern in der Tech-Szene allgemein dieses Gefühl: „Wir erleben gerade einen besonderen Moment – geben wir alles, um etwas möglich zu machen.“
Haben Sie deswegen auch in das Berliner Rüstungs-Start-up Stark investiert, das inzwischen für die Bundeswehr Kampfdrohnen herstellt?
Ich will nicht zu sehr auf die Politik eingehen. Aber es steht fest, dass europäische Regierungen seit Ende des Kalten Krieges zu wenig in die Verteidigung investiert haben. Eine unserer Investmentthesen ist, dass Rüstung eines der Felder ist, in denen es in Europa mindestens ein paar sehr große Unternehmen geben wird. Und wenn ich „sehr groß“ sage, meine ich die Art von Unternehmen, über die ich vorhin gesprochen habe – die zu mehreren zehn Milliarden Dollar kommen können und hoffentlich sehr lange existieren.
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Deswegen investieren Sie auch in der anstehenden Finanzierungsrunde in Stark?
Dazu kann ich nichts sagen. Aber ich kann sagen, dass ich nicht viele Firmen kenne, die sich in zwei Jahren so entwickelt haben. Mit der Zeit können sie zum Konsolidierer werden.
Bundeskanzler Friederich Merz (M.) mit Stark-Drohne auf der Messe ILA: „Ich kenne nicht viele Firmen, die sich in zwei Jahren so entwickelt haben“, sagt Luciana Lixandru. Foto: AFP
Würden Sie heutzutage noch in ein Software-Unternehmen investieren?
Dazu habe ich eine sehr klare Meinung. Ich glaube, jedes großartige Unternehmen im Jahr 2026 ist ein KI-Unternehmen. Wenn wir uns Unternehmen ansehen, mit denen wir arbeiten und die vor dem „ChatGPT-Moment“ gestartet sind: Das sind KI-Unternehmen. Sie nutzen KI genauso stark wie Unternehmen, die in den letzten zwölf Monaten gegründet worden sind. Sie wollen die Chance nicht verpassen und schnell handeln und auf die Umgebung reagieren.
Die Messlatte hat sich verschoben. Haben das alle Firmen bereits realisiert, dass die Ansprüche höher geworden sind?
Das ist definitiv ein fortlaufendes Gespräch. Wenn Sie jemanden bei Sequoia fragen, was unser Job ist, würden die meisten sagen: nicht nur investieren, sondern auch so gut wie möglich beim Firmenaufbau helfen. Wir machen tatsächlich nur ein paar Investments pro Jahr, und genau deshalb verbringen wir sehr viel Zeit mit unseren Unternehmen. Ich kann nicht sagen, dass wir eines Tages alle aufgewacht sind und plötzlich war alles „100 Prozent KI“. Das läuft seit mehreren Jahren. Aber im vierten Quartal im letzten Jahr gab es einen Moment der Beschleunigung, weil Coding-Tools deutlich besser geworden sind.
Wir sehen jetzt, dass unsere Unternehmen Produktivität sehr eng tracken, und wir sehen vor allem auf der Engineering-Seite Produktivitätssteigerungen – besonders in den letzten ungefähr sechs Monaten.
Verkaufen Gründer in Europa zu früh?
Ein Exit muss nicht von Nachteil sein. Seriengründer haben ein höheres Ambitionsniveau, weil sie es schon einmal gemacht hatten und aus Fehlern gelernt haben. Ein gutes Beispiel ist das Pariser Fintech Pennylane. Die Gründer haben ihr erstes Unternehmen direkt nach dem Studium an Booking.com verkauft. Diesmal wollen sie für die nächsten 30 Jahre bauen. Ich bin überzeugt, dass sie auch ein absurd hohes Kaufangebot nicht ernsthaft erwägen würden.
Also läuft inzwischen alles gut in Europa?
Was ich sage, ist, dass Gründerinnen und Gründer bewiesen haben, dass es geht. Erfolg erzeugt Erfolg. Aber es ist härter, aus Europa heraus zu bauen. Ich will nicht hier sitzen und sagen: Es ist so einfach, jeder kann das. Nein. Es gibt Barrieren. Eine davon ist: Europa ist wirklich fragmentiert, und das wird sich nicht so leicht ändern – es ist, wie es ist. Trotzdem stelle ich mehr und mehr Konzentration in einigen Ökosystemen fest: London, München, Stockholm. Ich glaube, wir bewegen uns von extremer Fragmentierung in Europa zu etwas mehr Konsolidierung.
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Sie haben über die Relevanz von außergewöhnlichen Gründerinnen und Gründern gesprochen. Wie finden Sie diese?
Das ist eine wirklich gute Frage. Es gibt nicht die eine Formel. Schlussendlich wollen wir Menschen finden, die von einer Sache wirklich besessen sind. Sie müssen die Fähigkeit besitzen, harte Phasen zu überstehen. Resilienz ist sehr wichtig. Aber die Gründer müssen nicht nur selbst durchhalten, wenn es schlecht läuft. Sie müssen auch ihr Team dazu bringen, durch Höhen und Tiefen zu gehen. Aber am Ende muss es zwischen Gründer und Investor „klicken“.
Am Ende entscheidet der Bauch?
Ja, ehrlich, man weiß es irgendwie. Die besten Partnerschaften und Investments, bei denen ich dabei war, sind die, wo ich nach dem ersten Treffen rausging, „wow“ dachte und selbst nach einem langen Tag Energie hatte. Zu Hause macht man dann seine Hausaufgaben, holt Referenzen ein, versucht, Hintergründe und den Markt zu verstehen. Einer dieser Gründer, die mich sofort überzeugt haben, war der CEO von Robco, Roman Hölzl.
Robco-Chef Roman Hölzl: Er hat Sequoia-Partnerin Lixandru bereits beim ersten Kennenlernen von seiner Geschäftsidee überzeugt. Foto: Robco
Ich hatte ein Zoom-Telefonat mit ihm. Er ist ein großartiger Storyteller. Er ist technisch versiert, kann verkaufen, ist kommerziell und hat eine sehr klare Vision, die er hervorragend artikuliert. Ich sah viele Parallelen zu Uipath – aber für die physische Welt. Nach dem Meeting dachte ich: „Oh, das ist ein besonderer Typ.“ Er ist extrem kompetitiv, war ein erfolgreicher Skifahrer, akademisch sehr stark. Zu Hause habe ich mich daran gesetzt, die Automatisierung in der Fertigungswelt zu verstehen.
Wie bleiben Sie selbst auf dem Laufenden?
Es ist eine aufregende Zeit, aber es ist auch eine komplizierte Zeit. Für Gründerinnen und Gründer wie auch für Investoren, weil man sich ständig neu erfinden muss. Die Welt bewegt sich schneller, als ich es früher erlebt habe. Jeden Montag treffen wir uns als Team und brainstormen neue Ideen und teilen, was wir Spannendes gelesen haben. Uns geht es bei Sequoia darum, ein „prepared mind“ zu haben ...
... das ist die Sequoia-Philosophie, die sich damit beschäftigt, dass diejenigen gewinnen, die vorbereitet sind ...
... da reden wir beispielsweise über KI in der physischen Welt. Das war vor fünf Jahren noch nicht „sexy“. Das hat sich geändert. Vor einiger Zeit hat mein Kollege Shaun Maguire ein „Hardware Manifesto“ veröffentlicht. Das fand ich augenöffnend.
Gibt es ein Hardware-Comeback?
Ja, zu einhundert Prozent. Wenn Sie mich fragen, was heute am interessantesten ist, abgesehen davon, dass alles KI ist. Das sind physische KI und Hardware.
Mehr: Start-up Destinus strebt Börsengang in Milliardenhöhe an
Erstpublikation: 20.06.2026, 11:36 Uhr.
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Stark wird zum Konsolidierer im Rüstungssektor und kauft andere Firmen.
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Europa wird ein Billionen-Dollar-Start-up hervorbringen.
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Open Questions
- Wann wird Europa das erste Billionen-Dollar-Start-up hervorbringen?
- Wie wird sich die Fragmentierung Europas auf das Wachstum von Start-ups auswirken?
- Welche spezifischen Hürden muss Europa überwinden, um mit den USA gleichzuziehen?


