
Orangensaft und Rohöl verteuern sich deutlich, während Kohle ein überraschendes Comeback feiert.
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Der Irankrieg stört wichtige Handelsrouten für Energie. Das Wetterphänomen El Niño führt weltweit zu Extremwetterereignissen, die Ernten beeinträchtigen.
Frankfurt. Der Trend setzt sich fort: Auch im September waren der Irankrieg und das Wetterphänomen El Niño die wichtigsten Einflussfaktoren auf dem Rohstoffmarkt.
Bei mehreren Energie- und Agrarrohstoffen stiegen die Preise, weil der Iran wichtige Schifffahrtsrouten blockiert und Hitze sowie Überschwemmungen Ernten beeinträchtigten. Der wichtigste Rohstoffindex, der Goldman Sachs Commodity Index (GSCI), legte um rund 4,5 Prozent zu.
Dabei überraschte vor allem ein fossiler Energieträger, der lange totgesagt wurde, mit einem Comeback. Ein Überblick.
Am besten hat im September der Rohstoff performt, der im August noch der Verlierer des Monats war: Orangensaft. Die in New York gehandelten Terminkontrakte verteuerten sich im September um mehr als 27 Prozent.
Für Agrarrohstoffe wie Orangensaft sind solche Preisschwankungen nicht ungewöhnlich. Es handelt sich um einen wenig liquiden Markt, einzelne große Positionen können die Preise bereits stark beeinflussen.
Zudem kann die Produktion nur mit deutlicher Verzögerung auf Veränderungen in der Nachfrage reagieren, da vom Anbau bis zur Ernte einige Zeit vergeht. Dafür gibt es einen Begriff aus dem Viehhandel: „Schweinezyklus“.
Für den Preisanstieg von Orangensaft gibt es aber auch fundamentale Gründe: Die Produktion dürfte laut Rabobank 13 Prozent unter dem Niveau der Vorsaison liegen. Zudem bestehe die Gefahr, dass die endgültige Produktion sogar unter diesem Prognosewert liegen könnte, falls das dritte und vierte Quartal ungewöhnlich heiß werde.
Meteorologen befürchten, dass das Wetterphänomen El Niño dieses Mal besonders stark ausfallen könnte. Dabei handelt es sich um eine Erwärmung der Meeresoberfläche im östlichen Pazifik. Sie tritt alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert etwa neun bis zwölf Monate. Die Folge sind Extremwetterereignisse, die von Region zu Region unterschiedlich ausfallen, sowie steigende Temperaturen weltweit.
Wegen El Niño könnte die Produktion im kommenden Erntejahr niedriger ausfallen, warnen die Rabobank-Analysten. „Längere Trockenperioden am Ende des Winters in Verbindung mit überdurchschnittlichen Temperaturen über längere Zeiträume könnten einen Teil der Blüte für die Erntesaison 2027/28 beeinträchtigen“, schreiben sie.
Auf dem zweiten Platz landet im September die Rohölsorte Brent, die sich um mehr als 14 Prozent verteuert hat. Zeitweise erreichte der Preis Höchststände von fast 110 Dollar pro Barrel (159 Liter), nachdem Saudi-Arabien den Betrieb seiner East-West-Pipeline nach iranischen Angriffen einstellen musste.
Damit trat ein befürchtetes Szenario ein. Denn über diese Pipeline leitete Saudi-Arabien zeitweise rund fünf Millionen Barrel Rohöl pro Tag zum Hafen Yanbu am Roten Meer um und sorgte so dafür, dass die Ölpreise trotz der Blockade der Straße von Hormus nicht in Richtung 200 Dollar pro Fass in die Höhe schnellten.
Mittlerweile hat der Ölmulti Saudi Aramco den Betrieb der Pipeline wieder teilweise hochgefahren, sie läuft nun auf etwa 50 Prozent ihrer Kapazität. Doch die Risiken bleiben, und die Pipeline könnte jederzeit wieder Ziel von Angriffen werden.
Mit einem Plus von über sechs Prozent belegt Kohle den dritten Platz im September-Rohstoffranking. Denn der fossile Energieträger erfährt ein kriegsbedingtes Comeback. Höhere Gaspreise wegen des Irankriegs sorgen dafür, dass der Kohleverbrauch in diesem Jahr voraussichtlich einen Rekord erreichen wird, wie die Internationale Energieagentur (IEA) mitteilte.
Noch Ende des vergangenen Jahres hatte die IEA prognostiziert, dass die Kohlenachfrage in diesem Jahr leicht zurückgehen und bis 2030 sinken würde. Stattdessen steigt die Nachfrage voraussichtlich um 1,2 Prozent.
So haben vor allem Europa, China, Südkorea und Japan in ihrem Mix von Gas- auf Kohleverstromung umgestellt, so die IEA. Zusätzlich zu den gestiegenen Gaspreisen war auch der höhere Stromverbrauch von Klimaanlagen wegen der El-Niño-Hitze ein Treiber der Kohlenachfrage.
Hinzu kommen auch Sorgen auf der Angebotsseite: Der größte Kohleexporteur der Welt, Indonesien, hat im September so wenig Kohle ausgeliefert wie seit fünf Jahren nicht mehr. Grund sind niedrige Wasserstände auf wichtigen Flüssen für den Kohletransport und die Tatsache, dass die Regierung die Förderquoten gekürzt hat, um den Preis langfristig zu stützen und somit die Staatseinnahmen zu erhöhen.
Der Gewinner des Monats August ist der Verlierer im September: Der Preis für Kakao ist um mehr als 19 Prozent gefallen.
Für Kakao trifft dasselbe zu, was bereits bei Orangensaft gilt: Solche Preisschwankungen sind bei Agrarrohstoffen nichts Ungewöhnliches. Auch die Liquidität auf dem Kakaomarkt ist gering, die Volatilität entsprechend hoch.
Mittelfristig droht aber ein Angebotsdefizit. So warnt der staatliche Exporteur Ghanas, dass die Kakaoproduktion des weltweit zweitgrößten Produzentenlandes in der Saison 2026/27 um mehr als ein Drittel einbrechen könnte. Auslöser sind heftige Regenfälle, durch die die Gefahr von Pflanzenkrankheiten gestiegen ist. Das Problem wird durch El Niño verschärft.
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