
Der geplante Börsengang des deutsch-französischen Rüstungskonzerns KNDS wurde verworfen; stattdessen strebt der Bund eine direkte Staatsbeteiligung an, um französische Dominanz zu verhindern.
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KNDS entstand 2015 aus der Fusion von Nexter und Krauss-Maffei Wegmann. Das Unternehmen ist zentral für die Produktion von Kampfpanzern wie dem Leopard 2.
Berlin, München, Frankfurt. Der deutsch-französische Panzerbauer KNDS wird voraussichtlich zum Staatskonzern. Der ursprüngliche Plan für einen Börsengang wird nicht länger verfolgt. Stattdessen wollen die deutschen Eigentümer ihre Anteile an die Bundesregierung verkaufen.
Das hat das Handelsblatt von mehreren mit den Verhandlungen vertrauten Personen erfahren. Demnach soll es eine finale Entscheidung in den nächsten Wochen geben. Verhandelt wird vor allem noch über den Preis.
KNDS war 2015 aus der Fusion des französischen Staatsunternehmens Nexter und der deutschen Firma Krauss-Maffei Wegmann (KMW) entstanden. Das Unternehmen spielt eine entscheidende Rolle für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands. Es baut unter anderem den deutschen Kampfpanzer Leopard 2 und dessen französisches Pendant Leclerc.
Bislang halten die deutschen Familien Braunbehrens und Bode über die Wegmann-Holding die Hälfte an KNDS, die andere Hälfte gehört dem französischen Staat. Weil die deutschen Eigentümerfamilien sich von ihren Anteilen trennen wollen, laufen seit längerer Zeit die Arbeiten an einer Neuordnung des Konzerns.
Ursprünglich war geplant, dass der deutsche Staat 40 Prozent am Unternehmen kauft, Frankreich seinen Anteil auf ebenfalls 40 Prozent reduziert und die übrigen 20 Prozent an die Börse gehen. Das hätte bereits Anfang Juli geschehen sollen.
Der Börsengang wurde allerdings mehrfach verschoben, bis zuletzt wollte KNDS dennoch daran festhalten. Jetzt aber steht fest: Die Beteiligten lassen diesen Plan fallen. KNDS wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern. Im Umfeld der Familienholding Wegmann wird ein bevorstehender Einstieg des Bundes ebenfalls nicht kommentiert.
Hintergrund für die wohl gescheiterten Börsenpläne ist das schwierige Marktumfeld für Rüstungsaktien. Die Eigentümerfamilien sehen deshalb aktuell keine Chance, mit dem Börsengang wie zuletzt erhofft mindestens 15 Milliarden Euro zu erlösen. Als realistisch gilt derzeit allenfalls die Hälfte. Ursprünglich hatten die Eigentümer sogar auf noch höhere Erlöse gehofft.
Ein Grund für die getrübte Börsenperspektive ist, dass der Drohnenkrieg in der Ukraine Zweifel an der Zukunftsfähigkeit von schweren Waffensystemen wie Kampfpanzern geweckt hat. So haben die Rheinmetall-Aktien seit Jahresbeginn etwa 50 Prozent ihres Werts verloren.
Konzernchef Jean-Paul Alary hatte noch Anfang Oktober betont, dass sein Unternehmen weiter an den Börsenplänen festhalte. „Der Börsengang ist vorerst ausgesetzt, aber nicht abgesagt“, sagte Alary im Interview mit dem Handelsblatt und der französischen Zeitung „Les Echos“.
Diese Entscheidung habe der Verwaltungsrat Ende Juni aufgrund der Marktbedingungen getroffen. „Die derzeit erzielbare Bewertung entspricht bisher nicht den Erwartungen der Aktionäre. Das hindert uns natürlich nicht daran, mit Investoren zu sprechen.“
Parallel liefen aber die Verhandlungen mit dem Bundeswirtschaftsministerium weiter. Das Ressort von Katherina Reiche (CDU) war genauso wie das Kanzleramt ursprünglich skeptisch, einen großen Anteil an KNDS zu übernehmen, während Verteidigungsminister Boris Pistorius auf einen größeren staatlichen Einfluss drängte.
Angesichts fehlender Alternativen hält die Bundesregierung die Übernahme der gesamten 50 Prozent der KNDS-Anteile für sinnvoll, heißt es. Ein verbleibender Minderheitsanteil der Familien würde wenig bringen. Auch die Beteiligung eines Industriepartners wurde geprüft, mangels sinnvoller Optionen aber verworfen.
Noch sind keine Verträge über den Verkauf der 50 Prozent an den deutschen Staat unterschrieben, die finale Entscheidung der Eigentümerfamilien steht noch aus und wird maßgeblich von den Verhandlungen um den Preis abhängen. Wie es aus Insiderkreisen heißt, sei man zuversichtlich, dass eine Einigung gelingen werde.
Die Entscheidung liege bei den Anteilseignern, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Die Bundesregierung äußere sich nicht zu hypothetischen Szenarien.
Hintergrund der geplanten Staatsübernahme ist, dass Berlin eine französische Dominanz bei dem Panzerbauer verhindern will. Die Bundeswehr ist der größte Kunde von KNDS. Würde die Familie ihre Anteile anderweitig veräußern und Deutschland keinen Einfluss mehr haben, könnte das die Aufrüstung hierzulande deutlich erschweren.
Der Bund wolle sich jetzt direkten Zugriff auf das Unternehmen sichern und es nicht allein dem französischen Staat überlassen, auch angesichts der Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr, heißt es in Finanzkreisen. Wenn sich die Bundesregierung Einfluss sichern wolle, „muss der deutsche Staat jetzt zugreifen“.
Man wolle „kein zweites Airbus“, heißt es aus Kreisen der Verhandlungsführer. Beim deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzern fallen die maßgeblichen Entscheidungen heute in Paris.
Diese Ausrichtung hatte vor allem der frühere Airbus-Chef Thomas „Tom“ Enders vorangetrieben, der seit November 2025 Verwaltungsratsvorsitzender von KNDS ist. Es gibt die Sorge, dass unter Enders auch beim Panzerbauer deutsche Interessen ausverkauft werden könnten.
Für die Wiederaufrüstung der Bundeswehr ist KNDS von zentraler Bedeutung, weil der Konzern nicht nur den Leopard 2 baut, sondern – teils gemeinsam mit Rheinmetall – auch den Schützenpanzer Puma, den Transportpanzer Boxer, die Haubitzen PzH 2000 und RCH 155 sowie das Raketenartilleriesystem Mars.
Durch eine Staatsbeteiligung erhofft sich die Bundesregierung mehr Einflussnahme auf unternehmerische Entscheidungen und gegebenenfalls auch eine Bevorzugung bei der Belieferung. Bisher ist der deutsche Staat im Rüstungsbereich an Airbus und am Sensorspezialisten Hensoldt beteiligt.
Mit der Übernahme eines 50‑Prozent-Anteils durch den Bund könnte auch wieder Bewegung in die Verhandlungen über den Verkauf des Mercedes-Benz-Werks in Ludwigsfelde an KNDS kommen. Der Panzerbauer wollte zumindest einen Teil der Produktionskapazitäten der Van-Fabrik in der Nähe von Berlin nutzen. KNDS macht den Deal aber von einer milliardenschweren Großbestellung von Panzerfahrzeugen durch die Bundeswehr abhängig, die bisher aussteht.
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Finale Entscheidung über den Verkauf in den nächsten Wochen.
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