Sachsen: Studie stellt sexistische Diskriminierung bei Polizei fest
Eine Untersuchung der Universität Leipzig deckt strukturelle Probleme und Defizite im Umgang mit Fehlverhalten auf.
Quick Look
- Eine Studie der Universität Leipzig belegt strukturelle sexistische Diskriminierung bei der Polizei Sachsen.
- Polizistinnen berichten von körperlichen Übergriffen, verbalen Herabwürdigungen und einem problematischen Idealbild.
- Die Polizeiführung kündigt Reformen an.
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Why It Matters
Die Studie entstand im Rahmen des Forschungsprojekts 'Geschlecht und Polizei' des Sächsischen Instituts für Polizei- und Sicherheitsforschung.
Bei der sächsischen Polizei hat eine Studie strukturelle sexistische Diskriminierung und Defizite im Umgang mit Fehlverhalten festgestellt. «Das ist kein exklusives Problem der Polizei», sagte Thomas Schmidt-Lux, Leiter der Studie «Sexismus im Dienst» der Universität Leipzig, bei der Vorstellung der Ergebnisse. Es handle sich um ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das aber immer an spezifischen Orten und Institutionen existiere. Die Studie zeige dies für die Polizei Sachsen konkret auf.
Sexistische Diskriminierung trete in drei verschiedenen Ausprägungen auf, erläuterte Sophia Weißer, Co-Autorin der Studie. Zu körperlich-räumlichen Formen gehörten etwa Griffe unter den Rock, ungewolltes Anfassen oder sexuell explizite Bilder in Gemeinschaftsräumen und Streifenwagen.
Auf verbal-kommunikativer Ebene gebe es etwa Beleidigungen, beispielsweise als Hure, Kommentare über die Körper von Polizistinnen oder unerwünschte Kontakte mit expliziten Einladungen. Auf struktureller Ebene stellt die Studie unter anderem fest, dass Frauen häufiger Aufgaben wie Putzen oder das Überbringen schlechter Nachrichten zugeteilt werden.
Zudem beschrieb Weißer ein stark stereotypisch geprägtes Idealbild einer «guten Polizistin», das innerhalb der Polizei existiere. Polizistinnen sollten beispielsweise nicht zu muskulös oder groß sein, aber hübsch und niedlich aussehen. Gleichzeitig würden sie etwa für schwächere körperliche Leistungen oder ihre «Piepsstimme» diskreditiert. Die «gute Polizistin» müsse auch die Sexualisierung ihres Körpers dulden, damit sie von Kollegen auf Augenhöhe behandelt werde. «Weist sie beispielsweise auf sexistische Kommentare hin oder lässt sich nicht antatschen, wird sie als sensibel oder als Spaßbremse bezeichnet», sagte Weißer.
Den Umgang mit sexistischem Verhalten bei der Polizei beschreibt Schmidt-Lux als ambivalent. Einerseits gebe es weitreichende Möglichkeiten, Menschen zu schützen. Diese würden aber in der Praxis nicht in allen Fällen bei den Betroffenen ankommen. «Gerade wenn Frauen Unterstützung benötigen, wenn sie sich gegen Sexismus und Rassismus wehren, werden deutliche institutionelle Schwächen sichtbar», so Schmidt-Lux.
«Ich habe gedacht, wir sind weiter», kommentierte Landespolizeipräsident Jörg Kubiessa die Ergebnisse. Er sei sehr froh, dass sich die Kolleginnen und Kollegen zu den Interviews bereiterklärt hätten. Die beschriebenen Fälle hätten ein emotionales Momentum. «Es tut mir immer noch weh, wenn ich das höre, aber man muss daran arbeiten.»
Kubiessa kündigte eine Arbeitsgruppe unter der Leitung der Leiterin der Polizeifachschule in Leipzig, Nadine Finke, an, die auf Basis dieser Erkenntnisse bereits erste Schritte einleiten soll - parallel zur Auswertung der quantitativen Befragung. Finke kündigte an, das Vertrauen innerhalb der Organisation stärken zu wollen. «Das Ziel ist, dass wir jetzt die ersten Schritte zum kulturellen Wandel innerhalb der Polizei Sachsen vorantreiben», sagte sie. «Wir können viele Dinge besser.»
Die Studie entstand im Rahmen des Forschungsprojekts «Geschlecht und Polizei» des Sächsischen Instituts für Polizei- und Sicherheitsforschung (SIPS). Durchgeführt wurde sie von der Universität Leipzig, um die nötige Distanz zur Polizei und die Unabhängigkeit zu gewährleisten.
Grundlage sind 23 Interviews mit Polizistinnen und Polizisten unterschiedlicher Dienstgrade, Einsatzorte, Funktionen und Erfahrungen, die zwischen November 2023 und April 2024 geführt wurden.
Die Auswertung liefert kein repräsentatives Gesamtbild, sondern vertiefte Einblicke in typische Erscheinungsformen und individuelle Erfahrungen. Auf dieser Grundlage hat das SIPS im zweiten Schritt eine Beschäftigtenbefragung mit 3.500 Teilnehmenden durchgeführt, die derzeit ausgewertet wird. Voraussichtlich im zweiten Quartal sollen die Ergebnisse vorgestellt werden. Im dritten und abschließenden Schritt des Forschungsprojekts sollen dann Handlungsempfehlungen entwickelt werden.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Veröffentlichung der quantitativen Befragungsergebnisse im zweiten Quartal.
Very likely · Within months
Open Questions
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