SAP setzt auf eigene KI-Lösungen statt teurer Sprachmodelle
Quick Look
- SAP-Chef Philipp Herzig berichtet, dass das Unternehmen vor drei Jahren die Idee eines eigenen großen Sprachmodells ablehnte und stattdessen auf günstigere Lösungen wie Tabellenmodelle von Prior Labs setzt.
- Die neue KI-Strategie unter CEO Christian Klein soll das Kundenerlebnis verbessern und die hohen Preise rechtfertigen.
AI-generated summary
Why It Matters
SAP hat lange mit seiner Antwort auf den KI-Boom gehadert, da amerikanische Sprachmodelle seit 2023 schnell verbreitet wurden und das eigene Geschäftsmodell gefährdeten. Die Umsetzung eigener KI-Ankündigungen verlief zäh.
San Francisco, Palo Alto, Düsseldorf. San Francisco, Mitte September. Philipp Herzig steht auf der Bühne der Terra-Gallery im hippen Bezirk South of Market und erzählt von einem Nein, das ihn einmal fast den Job gekostet hätte. Vor rund drei Jahren, so schildert es der Technikchef von SAP, schlug bei einer Sitzung des Aufsichtsrats jemand vor, ein eigenes großes Sprachmodell für Künstliche Intelligenz (KI) zu bauen – so wie OpenAI, Anthropic oder Google, deren Erfindungen sich damals wie ein Lauffeuer verbreiteten.
Herzig hielt das für Unfug: Das sei „die dümmste Idee auf dem Planeten“, will er damals geantwortet haben. „Einige wollten mich dafür feuern“, sagt Herzig auf der Bühne.
Letztlich ging es glimpflich für ihn aus. Sprachmodelle kauft SAP nun bei der Konkurrenz ein, der Technikchef, der damals noch KI-Chef war, nennt sie abschätzig „Massenware“. Das Geld fließt bei SAP stattdessen dorthin, wo der Konzern auch mit weniger Geld mithalten kann und GPT oder Claude bislang enttäuschen: in die Anpassung der Modelle an konkrete Geschäftsprozesse oder sogenannte Tabellenmodelle, die Geschäftsdaten besonders schnell und günstig verarbeiten. An diesem Abend präsentiert Herzig das neueste Modell des Freiburger Labors Prior Labs, das SAP im Sommer übernommen hat.
Der Auftritt in Kalifornien ist Teil des Aufbruchs in eine neue Phase für den Softwarekonzern, der einmal das wertvollste Unternehmen Deutschlands war. Lange hat SAP mit seiner Antwort auf den KI-Boom gehadert: Die Sprachmodelle aus Amerika verbreiteten sich spätestens ab 2023 mit Wucht und drohten, dem eigenen Geschäftsmodell gefährlich zu werden. Zugleich verlief die Umsetzung der Ankündigungen wie die eines eigenen digitalen Assistenten zäher als gedacht. Kunden und Berater wurden zunehmend ungeduldig.
Doch inzwischen zeigt die Gegenoffensive von SAP-Chef Christian Klein erste Wirkung: Tabellenmodelle von Prior Labs, eine Einsatztruppe nach dem Vorbild der Gründerjahre und ein runderneuerter KI-Assistent Joule sollen das Erlebnis für die Kunden endlich wieder auf das Spitzenniveau hieven, das SAPs hohe Preise erwarten lassen. Das Personal soll in neuartigen Workshops für die KI-Zukunft gestählt werden.
Das Handelsblatt hat im Konzern recherchiert, Top-Manager in Kalifornien getroffen und kritische Kunden befragt. In Sachen KI, so viel steht fest, will die Führung um Klein nun keine Zeit mehr verlieren.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
SAP wird seine Ausgaben für eigene Sprachmodelle weiter reduzieren und stattdessen auf spezialisierte Geschäftsprozess-Modelle setzen.
Likely · Within months
Der neue KI-Assistent Joule wird im nächsten Quartal ein größeres Update erhalten, das die Integration in Geschäftsprozesse verbessert.
Possible · Within months
Open Questions
- Wie viel investiert SAP tatsächlich in die Anpassung von KI-Modellen?
- Wann wird der neue KI-Assistent Joule breit verfügbar sein?
- Wie reagieren Kunden auf die neue Strategie gegenüber reinen Sprachmodellen?





