„Schädlicher“ Algorithmus – EU-Kommission weist Tiktok zu Änderungen an
Der Empfehlungsalgorithmus der Videoplattform soll Suchtgefahren sowie Ess- und Angststörungen fördern.
Quick Look
- Die EU-Kommission hat Tiktok in einem vorläufigen Bericht Verstöße gegen den Digital Services Act vorgeworfen.
- Der Algorithmus der Plattform soll Suchtgefahren und psychische Probleme fördern, da er Nutzer in sogenannte Rabbit-Holes führt.
AI-generated summary
Why It Matters
Der Digital Services Act verpflichtet große Online-Plattformen in der EU dazu, Risiken ihrer Angebote zu minimieren und Transparenz zu gewährleisten.
Tiktoks Empfehlungsalgorithmus kann gefährlich sein – zu dieser Einschätzung kommt die EU-Kommission in einem vorläufigen Ermittlungsbericht. Laut dem am Freitag in Brüssel veröffentlichten Report verstößt die chinesische Videoplattform gegen europäisches Recht, weil sie Nutzer nicht ausreichend schütze.
Seit einigen Jahren unterliegen besonders große Online-Plattformen in der EU strengen Vorgaben. Der Digital Services Act, eines der zentralen EU-Gesetze zur Plattformregulierung, legt fest, dass Digitalkonzerne die Risiken ihrer Angebote minimieren und das transparent machen müssen.
Gegen diese Vorgaben soll Tiktok der Kommission zufolge verstoßen haben. Der „For You“-Feed von Tiktok zeigt Usern hintereinander Videos an, die auf deren bisheriges Nutzerverhalten passgenau zugeschnitten sind. So verdient die App ihr Geld: Um möglichst viel Werbung ausspielen zu können, will sie die Nutzer dazu bringen, möglichst viel Zeit auf der Plattform zu verbringen. Das schafft die Plattform mithilfe ihres Algorithmus, der immer die Inhalte ausspielt, die der Nutzer in der Vergangenheit besonders lange angeschaut hat.
Die EU-Kommission hat Tiktok vorgeworfen, mit ihrem Algorithmus Suchtgefahren, Ess- und Angststörungen zu befeuern. Sie wies das Unternehmen zu Änderungen an der „schädlichen“ Funktionsweise seiner App an, um die psychische Gesundheit der Nutzer zu schützen. Der sogenannte Rabbit-Hole-Effekt – übersetzt ein immer tieferes Hineinfallen in einen Kaninchenbau – könne negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Nutzer haben, vor allem von schutzbedürftigen Erwachsenen und Minderjährigen.
Tiktok wird vorgeworfen, diese Risiken nicht genug geprüft zu haben und nicht wirksam gegen die Gefahren vorzugehen. Tiktok habe zwar bestimmte Veränderungen an seinen Empfehlungen ergriffen, um das Risiko des Rabbit-Hole-Effekts zu mindern. Die Kommission hält sie aber nach eigenen Angaben nicht für wirksam genug. Die EU-Kommission geht beispielsweise davon aus, dass die angezeigten Inhalte sich selbst dann nicht unbedingt verändern, wenn Nutzer Inhalte als für sie „nicht interessant“ markieren.
Die Kommission fordert nun beispielsweise, dass Tiktok bei seinen Empfehlungen die ausdrücklichen Präferenzen der Nutzer stärker berücksichtigt und die Anzeigezeit nicht weiter als Indikator für Empfehlungen nutzt.
Tiktok kann nun auf die Vorwürfe reagieren. Sollten diese als bestätigt angesehen werden, kann theoretisch eine Geldstrafe von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes gegen das Unternehmen verhängt werden. In vergleichbaren Fällen lagen die Strafen bislang allerdings stets weit unterhalb dieses Maximalbetrags.
Darüber hinaus ermittelt die EU-Kommission wegen weiterer Vorwürfe gegen Tiktok. Hier geht es um den Verdacht des suchtfördernden Designs der Plattform, des mangelnden Zugangs zu Daten für Wissenschaftler und mangelnden Jugendschutz.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Tiktok muss Anpassungen am Empfehlungsalgorithmus vornehmen.
Likely · Within months
Open Questions
- Wie wird Tiktok konkret auf die Forderungen reagieren?
- Wie hoch wird eine mögliche Geldstrafe tatsächlich ausfallen?




