Simson-Erbe wehrt sich gegen AfD-Vereinnahmung von DDR-Mopeds
Quick Look
- Der Erbe der Simson-Familie, Dennis Baum, kritisiert die AfD scharf für die Nutzung von Simson-Mopeds zu Wahlkampfzwecken.
- Er bezeichnet jede Verbindung zur AfD als "abstoßend" und "Beleidigung" und fordert die Vernichtung aller Werbemittel.
- Baum plant, in Deutschland aufzuklären und am Rande des AfD-Parteitags in Erfurt zu sprechen.
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Why It Matters
Dennis Baum, Erbe der Simson-Familie, wehrt sich gegen die Vereinnahmung der Marke Simson durch die AfD. Seine Familie wurde von den Nazis enteignet und vertrieben. Die Simson-Werke in Suhl wurden nach der Wende abgewickelt.
Der Sprecher und Erbe der traditionsreichen Unternehmerfamilie Simson, Dennis Baum, wehrt sich gegen die Vereinnahmung der DDR-Mopeds Simson durch die AfD vor den Wahlen in Ostdeutschland. „Wir empfinden jede Verbindung mit der AfD als abstoßend und als eine Beleidigung unseres Familiennamens“, sagte Baum dem Tagesspiegel-Podcast „Im Osten“.
„Unser Ziel ist es, dass die AfD alle Plakate, T-Shirts und Werbemittel, mit denen sie unseren Namen missbraucht, vernichten muss“, sagte Baum. Er habe darüber bereits mit Gesa gesprochen, der Nachfolgeorganisation der Treuhandanstalt, die die Simson-Werke in Suhl nach der Wende abgewickelt hat und weiterhin die Namensrechte von Simson hält.
Baum, der 80 Jahre alt ist und als Investmentbanker in New York lebt, ist Nachfahre und Sprecher der Simson-Familie. Seinen Vorfahren gehörte einst das Simson-Werk in Suhl, in dem Waffen und Autos hergestellt wurden, bevor die jüdische Familie von den Nazis in einem Schauprozess enteignet und als Juden aus Deutschland vertrieben wurde.
In der DDR wurden in der Fabrik Mopeds der Marke Simson wie die Schwalbe gebaut, um die es in Ostdeutschland mittlerweile einen regelrechten Kult gibt. Immer häufiger nutzt auch die AfD die alten Mopeds zur Betonung einer neuen Ost-Identität. Zuletzt machten die AfD-Spitzenpolitiker Björn Höcke und Ulrich Siegmund Ausfahrten mit der Simson und wurden dabei von Hunderten begleitet.
„Wir haben nichts gegen die allgemeine Verwendung der Marke Simson und des Mopeds Schwalbe, es war ja auch ein Produkt der DDR“, sagte Baum dem Tagesspiegel-Podcast „Im Osten“. Es sei aber eine Grenze überschritten, wenn mit dem Namen Simson eine Politik der Ausgrenzung verbunden werde. „Das verhöhnt unsere Familiengeschichte.“
Baum sieht in der AfD, die am Wochenende ihren von Protesten begleiteten Bundesparteitag in Erfurt abhalten will, und in dem Thüringer Parteichef Björn Höcke eine Gefahr. „Höcke und seine Partei sind antisemitisch; er macht die Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten verächtlich. Die AfD diskriminiert Menschengruppen, die migrantisch sind, oder wegen ihrer sexuellen Orientierung. Höcke ist ein Freund von Diktatoren aus aller Welt, auch solchen, die Europa gerade attackieren.“
Baum kündigte an, in den nächsten Tagen nach Deutschland zu reisen, um insbesondere junge Menschen aufzuklären. So werde er am Wochenende in Erfurt am Rande des AfD-Parteitags auf einem Demokratiefestival sprechen und auch zu den alten Produktionsstätten nach Suhl fahren. „Ich möchte, dass Menschen verstehen, was unserer Familie passiert ist, damit wir nicht wieder in eine solche Lage geraten. Der Antisemitismus wächst, die AfD ist gefährlich“, sagte Baum im Podcast-Gespräch. Man dürfe die rechtsextreme Agenda der Partei und ihre Rhetorik des Hasses nicht tolerieren.
Baum berichtet in dem Podcast „Im Osten“ erstmals ausführlich über die Familiengeschichte der Simsons. Demnach gab es nach dem Mauerfall einen Versuch, zumindest die Jagd- und Sportfabrik in Suhl zu übernehmen, in der Jagd- und Schusswaffen produziert wurden. „Die Treuhand hat uns abgeblockt. 1994 wurde uns gesagt, dass eine Firma aus Amsterdam ein besseres Angebot vorgelegt hätte. Ein Jahr später kam heraus, dass die nichts bezahlt hatten. Die Fabrik ging pleite und musste schließen“, berichtet Baum.
20 Jahre später habe er Vertreter der früheren Treuhand gefragt, warum sie die Simson-Familie damals abgelehnt hätten. „Sie haben erzählt, unter welchem immensen Druck sie standen, das Volkseigentum innerhalb von fünf Jahren zu privatisieren. Für gründliche Recherchen hätten sie keine Zeit gehabt.“ Inzwischen stehen die Fabrikhallen in Suhl leer. Baum sagte dazu: „Die Werke geben ein trauriges Bild ab. Ich fühle Trauer für all die Menschen, die ihren Job verloren haben.“
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die AfD wird aufgefordert, ihre Simson-bezogenen Werbemittel einzustellen.
Likely · Within weeks
Dennis Baum wird eine Aufklärungskampagne gegen Rechtsextremismus starten.
Very likely · Within months
Open Questions
- Wie wird Gesa auf die Forderung reagieren?
- Welche rechtlichen Schritte sind möglich?
- Wie wird die AfD auf die Kritik reagieren?

