
Unternehmensgründer müssen private und geschäftliche Finanzen trennen. Eine Analyse von 26 Geschäftskonten zeigt, worauf es bei der Wahl ankommt.
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Gründer müssen private und geschäftliche Finanzen trennen und stehen vor der Wahl zwischen Filial- und Digitalbanken.
Köln. Unternehmensgründer haben von Anfang an viel zu organisieren. Einer der wichtigsten Schritte ist dabei, ein Geschäftskonto zu eröffnen. Denn Gründer junger Unternehmen sollten private und geschäftliche Finanzen von Beginn an trennen. „Die goldene Regel für Gründer lautet, die eigenen Konten aufzuteilen. So sehen Selbstständige auf einen Blick, ob ihr Business läuft oder nicht“, sagt Annick Weikert, Finanztrainerin mit Fokus auf Selbstständige.
Mindestens sollten Gründer drei Konten haben: ein Privatkonto, ein Geschäftskonto und ein Konto für Rücklagen für die Steuer. „Dieser Überblick spart Zeit, Geld und Nerven, weil man später nichts mehr auseinandersortieren muss“, sagt Weikert.
Genau wie beim Privatkonto müssen sich Selbstständige auch beim Geschäftskonto zwischen einer Filialbank und einem rein digitalen Anbieter entscheiden. Digitale Geschäftskonten von Direktbanken sind in der Regel günstiger. Die richtige Wahl hängt aber von den Bedürfnissen ab. „Wer einen Kredit aufnehmen und sich vor Ort beraten lassen will, ist mit einem Konto bei einer Filialbank besser aufgehoben“, sagt Weikert. Wer auf beides verzichten kann, spart bei einem Digitalkonto dagegen bei den Kontoführungsgebühren.
Die FMH-Finanzberatung hat exklusiv für das Handelsblatt 26 Konten von zehn Anbietern geprüft. Neben den monatlichen Kontoführungsgebühren flossen in die Wertung auch die Kosten für beleglose Buchungen ein, die zum Beispiel bei Überweisungen oder beim Zahlen mit der Karte entstehen. Zusatzleistungen wie Buchhaltungsintegration und Zinsen auf Guthaben sowie die Anzahl kostenloser Karten bewerteten die Experten ebenfalls.
Verglichen hat FMH dabei exemplarisch die Preise für 150 Buchungen im Monat. Viele der untersuchten Anbieter bieten sowohl eine Basis- als auch eine Premium-Version ihrer Geschäftskonten an. Im Ranking sind beide Versionen berücksichtigt, das Konto mit den jeweils besseren Konditionen liegt im Ranking weiter vorn. Ebenfalls mit Punkten belohnt wurde die Möglichkeit, Unterkonten einzurichten und Bargeld auf das Geschäftskonto einzuzahlen. Bargeldeinzahlungen sind nicht überall möglich: Einige Anbieter ermöglichen sie lediglich über Partner im Einzelhandel, andere bieten diese Funktion gar nicht an. „Bei vielen digitalen Geschäftskonten kann man seine Angelegenheiten ausschließlich digital abwickeln“, sagt Carlos Lopes da Costa, Datenanalyst bei FMH. „Das eignet sich gut für Selbstständige, die für ihr Geschäft alles am liebsten online regeln und wenig mit Bargeld hantieren müssen.“
Vier Anbieter bekamen für ihre Kontomodelle die Note „sehr gut“. Das beste digitale Geschäftskonto ist zum wiederholten Mal das „Standard“-Geschäftskonto des Berliner Fintechs Vivid Money. Der Anbieter erhebt keine Kontoführungsgebühr, beleglose Buchungen sind genauso gratis wie eine Visa-Debitkarte und 25 digitale Karten. Allerdings können die Kunden bei Vivid Money kein Bargeld einzahlen.
Dafür überzeugt das Konto mit einem integrierten Rechnungstool für die Buchhaltung. „Digitale Rechnungs- und Buchhaltungstools reduzieren den Verwaltungsaufwand und können auch die Zusammenarbeit mit der Steuerberatung erleichtern“, sagt FMH-Experte Lopes da Costa. Das Vivid-Geschäftskonto richtet sich ausschließlich an Selbstständige und Kleinstunternehmen. Der Anbieter verzinst Guthaben mit 0,5 Prozent, in den ersten vier Monaten sind es sogar vier Prozent. Zusätzlich gibt es auf Zahlungen bis zu zwei Prozent Cashback.
Ein Pluspunkt gegenüber dem Sieger der Auswertung: Bei N26 sind Bargeldeinzahlungen über Einzelhändler möglich. Außerdem bietet N26 einen Dispokredit mit einem Zinssatz von 13,4 Prozent und gewährt 0,1 Prozent Cashback auf Kartenzahlungen. „Bei vielen digitalen Geschäftskonten gibt es keine Möglichkeit eines Dispokredits“, sagt Lopes da Costa. Wer Wert darauf legt, sollte das vorab prüfen.
Auf den dritten Platz des Rankings schafft es die Deutsche-Bank-Tochter Fyrst mit ihrem Kontomodell „Fyrst Base“. Das Konto ist für Einzelunternehmer kostenfrei; für andere Rechtsformen kostet es sechs Euro im Monat. Für viele Gründer kann das trotzdem attraktiv sein, weil sie zunächst als Soloselbstständige starten und später in eine andere Rechtsform wechseln.
Bei dem Kontomodell von Fyrst sind 50 beleglose Buchungen pro Monat gratis, jede weitere Buchung kostet 19 Cent. Im Testfall von 150 Buchungen im Monat summiert sich das auf 19 Euro. Dafür gibt es eine kostenfreie Girocard sowie eine kostenfreie Mastercard-Debitkarte. Bargeld können Kunden an Geldautomaten der Cash Group und in Filialen der Postbank einzahlen. Pro angefangenen 5000 Euro Einzahlung fällt dabei eine Gebühr von drei Euro an.
Noch ein Tipp: Wer sich gerade selbstständig macht, überlegt am besten zuerst, welche Buchhaltungssoftware er nutzen möchte – oder fragt die Steuerberaterin, mit welcher sie arbeitet. Dazu rät die Gründungstrainerin Weikert. „Nicht jede Buchhaltungssoftware ist mit jeder Digitalbank kompatibel“, sagt sie. Ist das geklärt, können sich Freelancer und Selbstständige beim Verwalten ihrer Finanzen hinterher viel Arbeit und Ärger ersparen.
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