Spanien verabschiedet Maßnahmen gegen Wohnungsnot und hohe Mieten
Quick Look
- Die spanische Regierung hat nach tagelangen Protesten gegen hohe Mieten und Wohnungsnot ein Maßnahmenpaket verabschiedet, das unter anderem einen verlängerten Räumungsschutz bis 2030, strengere Regeln für Zeitmietverträge und ein Verbot des Wohnungsaufkaufs durch Investmentfonds bis 2028 vorsieht.
- Die Gesetze müssen noch vom Parlament bestätigt werden, bei dem die Regierung keine sichere Mehrheit hat.
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Why It Matters
In Spanien sind Mieten und Wohnraummangel seit geraumer Zeit das größte Problem. Die Mieten haben sich laut Idealista in zehn Jahren fast verdoppelt, und laut spanischer Zentralbank fehlen landesweit mehr als 700.000 Wohnungen. Der Auslöser der jüngsten Proteste war die Zwangsräumung der 87-jährigen Maricarmen Abascal in Madrid, deren Miete um 275 Prozent erhöht wurde.
Die spanische Regierung hat nach tagelangen Protesten gegen hohe Mieten und Wohnungsnot ein umfangreiches Maßnahmenpaket verabschiedet. Es sieht unter anderem einen verlängerten Schutz vor Zwangsräumungen bei schutzbedürftigen Personen bis 2030, eine stärkere Regulierung von Zeitmietverträgen und der Vermietung von Zimmern, ein Verbot des Erwerbs von Wohnungen durch sogenannte Geierfonds bis 2028 sowie steuerliche Vergünstigungen und Anreize für Mieter und Vermieter, wie Gesundheitsministerin Mónica García Gómez mitteilte.
Außerdem soll es spekulativen Investmentfonds nicht mehr möglich sein, Wohnungen zu kaufen. Die Vermietung von Wohnraum an Touristen soll stark beschränkt werden. Offen ist, ob auch das Parlament den Maßnahmen zustimmen wird.
Die Beschlüsse seien noch vor einem Monat »unvorstellbar« gewesen, sagte García Gómez . Sie dankte den Demonstranten, die die neuen Maßnahmen durch ihre Proteste ermöglicht hätten. »Ohne euch hätte das nicht geklappt.« Justizminister Félix Bolaños schrieb auf X von einem »schlechten Tag für Spekulanten«.
Gesetzesentwürfe könnten im Parlament scheitern
Die Maßnahmen sind Teil von zwei Gesetzesvorhaben der Regierung, die allerdings noch im Parlament verabschiedet werden müssen. Die linksorientierte Koalition hat hier keine Mehrheit. Anfang des Jahres war ein anderer Gesetzesentwurf, der unter anderem einen Mietendeckel vorsah, am Widerstand der konservativen Opposition gescheitert.
Ministerpräsident Pedro Sánchez hofft, dass er die parlamentarischen Hürden angesichts der Proteste überwinden kann. Dabei kann er nicht auf die Unterstützung der oppositionellen konservativen Volkspartei PP und der ultrarechten Partei Vox setzen.
Bei den Sozialisten und beim linken Koalitionspartner Sumar gibt es ebenfalls unterschiedliche Meinungen zu den Maßnahmen. Die Sozialisten hatten sich vor wenigen Wochen im Parlament bei einer Abstimmung über einen Sumar-Gesetzesvorschlag enthalten, der Investmentfonds den Kauf von Wohnungen verbieten sollte. Die katalanische Regionalpartei Junts wiederum warnte davor, private Wohnungsbesitzer zu kriminalisieren.
Proteste gegen Wohnungsnot und Zwangsräumungen
Auslöser der jüngsten Proteste war die Zwangsräumung der Wohnung der 87-jährigen Maricarmen Abascal in Madrid. Vergangene Woche war diese auf einer Trage aus ihrer Wohnung in Madrid geholt worden, nachdem ein Investor den Mietpreis nach Angaben des Mieterverbands um 275 Prozent auf 2650 Euro erhöht hatte. Sie hatte 70 Jahre lang in der Wohnung gelebt. Seit der Zwangsräumung wurde sie wegen Erschöpfung in einem Krankenhaus behandelt.
Inzwischen teilten Abascals Anwälte mit, dass diese wieder in ihre Wohnung zurückkehren könne. Demnach wurde eine Einigung mit den Eigentümern der Immobilie erzielt. Die Miete werde »ähnlich sein wie die, die sie bislang bezahlt hat«, sagte ihre Anwältin Beatriz Duro.
Das Schicksal der Rentnerin löste landesweite Proteste aus. Am Dienstag drohte die Regionalregierung mit der Räumung des Protestlagers auf dem zentralen Madrider Platz Puerta del Sol. In Málaga und Sevilla wurden inzwischen weitere Camps errichtet. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Proteste angesichts des Maßnahmenpakets der Regierung erlahmen. Die spanische Mietervereinigung begrüßte die Einigung zwar. Doch kündigte die Aktivistin Valeria Racu an, für das kommende Wochenende zu landesweiten Protesten aufzurufen. »Es geht gerade erst los«, sagte sie.
Umfragen zufolge sind drastisch gestiegene Mieten und Wohnraummangel für die Spanier schon seit gerauber Zeit das größte Problem im Land. Die Mieten in Spanien haben sich dem Immobilienportal Idealista zufolge in zehn Jahren fast verdoppelt. Die spanische Zentralbank schätzt, dass landesweit mehr als 700.000 Wohnungen fehlen.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Das Parlament wird über die beiden Gesetzesvorhaben abstimmen, wobei die Regierung aufgrund fehlender Mehrheit Kompromisse suchen muss.
Likely · Within weeks
Die Proteste gegen Wohnungsnot werden trotz des Maßnahmenpakets in den kommenden Wochen weitergehen.
Likely · Within weeks
Open Questions
- Wird das Parlament den Regierungsmaßnahmen zustimmen?
- Wie effektiv werden die neuen Regelungen zur Begrenzung von Investmentfonds und Touristenvermietung sein?
- Werden die Proteste trotz des Maßnahmenpakets weitergehen?
- Wie wird die Einigung zwischen Maricarmen Abascal und den Eigentümern langfristig umgesetzt?



