Stephen Miller: Drei Dinge, die man zu Trumps neuem Stabschef im Weißen Haus wissen muss
Nach dem Wahldebakel der Republikaner bei den Zwischenwahlen setzt Trump auf den Architekten seiner umstrittenen Einwanderungspolitik.
Quick Look
- Nach der Niederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen am 3.
- November hat Donald Trump Stephen Miller zum Stabschef des Weißen Hauses ernannt und Susie Wiles entlassen.
- Miller, Architekt der umstrittenen Einwanderungspolitik, gilt als polarisierende Figur.
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Why It Matters
Bei den Zwischenwahlen am 3. November verloren die Republikaner die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus. Trump ist in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit auf die Zusammenarbeit mit den Demokraten angewiesen, insbesondere in Haushaltsfragen. Stephen Miller war bereits in Trumps erster Amtszeit ein einflussreicher Architekt der Migrationspolitik und unterstützte den Wahlkampf 2016.
Washington. Trumps erste Konsequenz aus dem verheerenden Wahldebakel der Republikaner fiel völlig anders aus, als es sich viele in der republikanischen Partei gewünscht haben dürften: Er beförderte den bisherigen Vize-Stabschef des Weißen Hauses Stephen Miller zum Stabschef - und entließ dafür Susie Wiles, die als ordnende, eher gemäßigte Kraft in der zweite Trump-Regierung galt.
Miller ist der Architekt von Trumps umstrittener Einwanderungspolitik – eine Politik, die die Republikaner bei den Wahlen am 3. November massiv Stimmen gekostet hat. Miller treibt seit Jahren seine extremen Positionen mit einer Vehemenz und Schärfe voran, die das Magazin „The New Yorker“ einmal als „Besessenheit“ beschrieb.
„Die allerwichtigste Angelegenheit, die die Zukunft unseres Landes betrifft ist, die massenhafte Invasion der Dritten Welt nach Amerika zu beenden“, sagte er im Sommer. Miller verbreitet die Erzählung, dass Menschen nach Amerika nur einwandern, um das amerikanische System auszunutzen. Er spricht von „Millionen“ Menschen, die in die USA eingereist seien, nur um Finanzstützen zu beziehen. Die Beweise dafür liefert er nicht.
Als Anfang des Jahres kurz hintereinander bei Protesten gegen das massive und erbarmungslose Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE zwei amerikanische Staatsbürger von ICE-Mitarbeitern auf offener Straße erschossen wurden, bezeichnete Miller die Opfer kurzerhand und ohne Belege für Gewalttätigkeiten ihrerseits als „Terroristen“.
Auch in der Diskussion darüber, ob in den USA geborene Kinder automatisch die amerikanische Staatsbürgerschaft bekommen, schlägt Miller immer wieder hetzerische Töne an. An die Amerikaner gerichtet, sagte er: „Das Geburtsrecht bedeutet, dass die Kinder von illegalen Einwanderern dafür stimmen können, Ihre Kinder zu besteuern und deren Erbe zu beschlagnahmen.“
Die Demokraten haben bei den Zwischenwahlen nicht nur die Mehrheit im Senat, sondern auch im Repräsentantenhaus gewonnen. Trump ist damit insbesondere in Haushaltsfragen in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit auf die Zusammenarbeit mit ihnen angewiesen. Zudem haben die Demokraten bereits angekündigt, dass sie zahlreiche Untersuchungen gegen Mitglieder der Regierung einleiten werden.
Selbst Republikaner sahen die Beförderung von Miller vor diesem Hintergrund als Zeichen, dass die nächsten zwei Jahre eher konfrontativ als kooperativ verlaufen werden.
Thom Tillis, von Trump in den Vorwahlen für die Midterms geschasster republikanischer Senator aus North Carolina, nannte die Entscheidung für Miller in einem Interview mit dem Fernsehsender CNN einen „schweren Fehler“. Nicht nur, weil die US-Wähler – insbesondere die Latinos – sich gegen die bisherige Grenzpolitik ausgesprochen hätten.
Miller sei zudem eine der „parteipolitisch polarisierendsten Persönlichkeiten, und zwar nicht nur im Verhältnis zwischen Republikanern und Demokraten, sondern sogar innerhalb der Republikaner selbst“, so Tillis, „wie wird sich jemand mit einem so spaltenden Hintergrund wie Stephen Miller wohl verhalten?“
Miller redet oft in aggressivem, gereiztem Ton und nutzt drastische Formulierungen, insbesondere wenn es um die Demokraten geht. Im Gespräch mit dem Fernsehsender Fox News sagte er im Sommer vergangenen Jahres: „Die Demokratische Partei ist keine politische Partei. Sie ist eine inländische extremistische Organisation.“
James Talarico, der bei den Zwischenwahlen erstmals seit Jahrzehnten wieder den Senatssitz in Texas für die Demokraten gewann, bezeichnete er wiederholt als „krank und gestört“ und „wütenden Irren“.
Miller gehört zu Trumps längsten Weggefährten. Er unterstütze bereits seinen ersten Wahlkampf im Jahr 2016. Schon in der ersten Amtszeit von Trump hatte er erheblichen Einfluss auf dessen harte und umstrittene Migrationspolitik. Im Jahr 2018 war er einer der Architekten des sogenannten Mulismen-Bann, eine Politik, die Menschen aus überwiegend muslimischen Ländern pauschal die Einreise in die USA verwehrte.
Dabei wurden tausende, selbst kleinste Kinder von ihren Eltern separiert und wochen- oder monatelang in Einrichtungen festgehalten. Die Zustände der Zentren, wo die Kinder verwahrt wurden, waren dabei teilweise katastrophal. Ein Gruppe von Juristen kritisierte nach einem Besuch einer solchen Einrichtung in Texas, dass es für Kinder in diesen Unterbringungen ein großes Risiko für schwere Gesundheits- und psychische Schäden gebe. Die Kinder hätten keine ausreichende Betreuung durch Erwachsene, es gebe nicht ausreichend Essen und es fehlten grundlegenden Hygieneartikeln wie Seife und Zahnpasta.
Millers Kommentar zu der Praxis im Gespräch mit der „New York Times“ damals: „Es war eine einfache Entscheidung der Regierung, eine Null-Toleranz-Politik gegenüber illegaler Einreise zu verfolgen, Punkt. Die Botschaft lautet: Niemand ist vom Einwanderungsrecht ausgenommen.“
Millers Hauptthema ist Einwanderungspolitik, doch auch in Außenpolitik mischte er sich gelegentlich ein. So hatte er sich für die Annexion Grönlands ausgesprochen und dabei auch eine militärische US-Invasion nicht ausgeschlossen. „Niemand wird wegen der Zukunft Grönlands militärisch gegen die Vereinigten Staaten in den Krieg ziehen“, sagte er.
Die Gestaltung von Millers X-Account gibt Hinweise darauf, wie er sich selbst gern sieht: Ein Foto zeigt ihn, wie er China Staats- und Parteichef Xi Jinping die Hand gibt, daneben steht Trump. Miller, Mann der Macht, auf Augenhöhe mit zwei der mächtigsten Staatsführer der Welt.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Demokraten werden Untersuchungen gegen Mitglieder der Trump-Regierung einleiten.
Very likely · Within weeks
Die nächsten zwei Jahre der Trump-Regierung werden konfrontativer als kooperativ verlaufen.
Likely · Within months
Open Questions
- Wie werden die Demokraten auf die Ernennung von Miller im Kongress reagieren?
- Welche konkreten Einwanderungsmaßnahmen plant Miller als Stabschef?
- Wie wird sich die Beziehung zwischen Trump und den Demokraten in den nächsten zwei Jahren entwickeln?







