Studie: 12-Uhr-Regel für Tankstellen brachte höhere Benzinmargen
ZEW und DICE-Studie zeigt: Preiserhöhungs-Limitierung führte zu mehr Gewinn für Mineralölkonzerne statt Entlastung für Autofahrer
Quick Look
- Eine Studie des ZEW Mannheim und des DICE Düsseldorf zeigt, dass die 12-Uhr-Regel für Tankstellenpreise die Gewinnmargen bei Benzin um durchschnittlich 6 Cent pro Liter erhöht hat.
- Die 2022 eingeführte Regel sollte Preiserhöhungen begrenzen und Autofahrer entlasten, hat aber laut Forschern das Gegenteil bewirkt.
- Bei Diesel war der Effekt nicht eindeutig quantifizierbar.
AI-generated summary
Why It Matters
Die 12-Uhr-Regel wurde am 1. April 2026 eingeführt und übernahm ein Modell aus Österreich. Sie erlaubt Tankstellen nur eine Preiserhöhung pro Tag, um Preisschwankungen zu begrenzen und Autofahrer zu entlasten.
Die Bundesregierung wollte mit der 12-Uhr-Regel die Gewinne der Mineralölkonzerne begrenzen und die Autofahrer entlasten. Doch das Gegenteil ist eingetreten. Die Regel, die nur eine Preiserhöhung pro Tag um 12 Uhr erlaubt, hat der Mineralölindustrie einer Studie zufolge zusätzliche Gewinne verschafft.
Bei Superbenzin lag die Gewinnmarge in den ersten zwei Wochen nach Einführung der Regel demnach im Schnitt um 6 Cent pro Liter höher als in den zwei Wochen davor. Für Diesel fanden die Forscher des ZEW Mannheim (Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) und des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) keinen eindeutigen Effekt.
„Das Maßnahmenpaket hat bisher nicht dazu geführt, das Preisniveau zu senken. Insbesondere bei Benzin stiegen die Gewinnmargen erheblich“, sagt Autorin Leona Jung vom DICE. Bei Diesel hätten die Margen im Beobachtungszeitraum stark geschwankt, sagt Mitautor Jacob Schildknecht vom ZEW. Daher lasse sich der Anstieg dort aktuell nicht belastbar quantifizieren. Es deute aber einiges darauf hin, dass es auch bei Diesel einen Effekt geben könnte.
Wie stark die Effekte sind, kommt auf Region und Tankstellengröße an. Bei kleineren Ketten und unabhängigen Anbietern ermittelten die Forscher die größten Margenanstiege, bei großen Ketten die kleinsten. „Dieser Unterschied zeigt, dass die Reform nicht einheitlich wirkt, sondern stark von Marktstruktur und Wettbewerbsintensität abhängt“, sagt DICE-Direktor Justus Haucap. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere größere Unternehmen ihre Margen weniger stark erhöhen, da sie als marktbeherrschende Akteure eher kartellrechtliche Prüfungen fürchten müssen.“
Regional waren die Effekte in Süddeutschland besonders stark. „Das höhere durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen im Süden könnte eine höhere Zahlungsbereitschaft und damit größere Margenanpassungen begünstigen“, heißt es von den Forschern. Allerdings könnten auch regionale Unterschiede in den Lieferketten und bei der Rohölbeschaffung zu Kostenunterschieden führen, die die regionalen Unterschiede bei den Preisreaktionen weiter verstärkten.
Basis der Studie waren Preisdaten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe in den 14 Tagen vor und nach der Reform, die am 1. April in Kraft getreten ist. Um die Gewinnmargen zu berechnen, verglichen die Forscher die Nettopreise mit den Großhandelspreisen aus der europäischen Handelsregion Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen.
Schon im Vorfeld der Einführung der 12-Uhr-Regel hatte es Kritik und die Befürchtung gegeben, dass das aus Österreich übernommene Modell eher zu höheren Spritpreisen führen könnte, weil die Preise auf Vorrat erhöht würden. Auch die Entwicklung der Preise im Vergleich zu den EU-Nachbarn hatte in den ersten Tagen nach Einführung bei Benzin einen besonders starken Anstieg in Deutschland gezeigt.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Bundesregierung könnte die 12-Uhr-Regel überprüfen oder anpassen
Possible · Within months
Kartellrechtliche Untersuchungen gegen Mineralölkonzerne möglich
Possible · Within months
Open Questions
- Warum ist der Effekt bei Diesel nicht eindeutig?
- Wie entwickeln sich die Margen langfristig?
- Wird die Bundesregierung die Regel anpassen?




