Symbolisches Referendum in Piddington: Bewohner stimmen für „Abspaltung“ vom UK
Aus Protest gegen geplante Asylbewerberunterkunft auf ehemaligem Militärgelände stimmen 285 von 312 Teilnehmern für symbolische Unabhängigkeit.
Quick Look
- Im britischen Dorf Piddington stimmten 285 von 312 Teilnehmern in einem symbolischen Referendum für die „Abspaltung“ vom Vereinigten Königreich.
- Hintergrund sind Pläne des Innenministeriums, bis zu 1256 männliche Asylbewerber auf einem nahegelegenen Militärgelände unterzubringen.
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Why It Matters
Das Innenministerium plant die Unterbringung von bis zu 1256 männlichen Asylbewerbern auf einem ehemaligen Militärgelände bei Piddington.
Im kleinen Dorf Piddington (Grafschaft Oxfordshire), rund 25 Kilometer nordwestlich von Oxford, haben die Bewohner in einem symbolischen Referendum für die „Abspaltung“ vom Vereinigten Königreich gestimmt. Nach Angaben des „Telegraph“ votierten 285 der 312 Teilnehmer dafür, nur 26 dagegen.
Hintergrund sind Pläne des Innenministeriums, auf einem nahegelegenen ehemaligen Militärgelände bis zu 1256 männliche Asylbewerber unterzubringen.
Wie sehr das Thema die Bürger in Piddington bewegt, zeigt der „Telegraph“ (gehört wie WELT zu Axel Springer), der für seinen Bericht auch mit einem 76 Jahre alten Anwohner sprach. Herbert Owen zog dabei einen Vergleich zum Abwehrkampf der britischen Armee im Zweiten Weltkrieg. Er verglich den Kampf des Dorfes mit dem „Battle of Britain“ – sprich, der damaligen militärischen „Luftschlacht um England“.
„Diese Regierung destabilisiert unser Land“, sagt ein Anwohner
Eine Parallele, die so offenbar nicht nur ein Anwohner zieht: Die Veranstalter des Referendums haben den Abstimmungstermin bewusst auf den Jahrestag der historischen Luftschlacht vom 15. September 1940 gelegt. Damals kämpfte die britische Luftwaffe bereits seit Monaten gegen die deutsche Luftwaffe. An jenem 15. September hatte die deutsche Luftwaffe besonders viele Maschinen in der Luft, um eine Entscheidung im Luftraum über London zu erzwingen. Es gelang dem britischen Militär jedoch, den Vorstoß abzuwehren.
Der „Telegraph“ zitiert den 76-Jährigen mit den Worten: „Es geht um alles, wofür unsere Großeltern und Eltern gekämpft haben (...). Hier geht es nicht nur um Piddington, es geht um unser ganzes Land. Diese Regierung destabilisiert unser Land. Wo auch immer sie diese Menschen unterbringen – in Lagern, in Gemeinschaftsunterkünften oder sonst wo –, sie ruinieren das Leben der Menschen.“
Herbert Owen kritisiert damit auch die Migrationspolitik seines Heimatlandes. Sie ist in Großbritannien seit Jahren ein Streitpunkt. Allein in den vergangenen drei Jahren erreichten Zehntausende Menschen Großbritannien auf dem Wasserweg, zumeist in Schlauchbooten. Allein in den vergangenen drei Jahren kamen so rund 108.000 Menschen auf diesem Weg ins Land. Der neue Premierminister Andy Burnham (Labour) zeigt zwar grundsätzlich Verständnis für die Sorgen der Bevölkerung, hält aber an der Strategie fest, Asylbewerber landesweit zu verteilen.
Wohlhabendere und ländliche Gemeinden müssen seiner Auffassung nach ebenso Verantwortung übernehmen wie Großstädte und strukturschwache Regionen.
Rechtlich bindende Folgen hat das Referendum nicht. Britische Dörfer können sich weder für unabhängig erklären noch das Vereinigte Königreich verlassen. Die Abstimmung ist rein symbolisch und soll den Protest gegen das Asylprojekt sichtbar machen. Dennoch hoffen die Organisatoren, dass ihr Vorgehen als Vorbild für andere Gemeinden dient, die ähnliche Unterkünfte in ihrer Nähe ablehnen.
Zumindest eines haben die Einwohner schon erreicht: Ihr Fall macht landesweit Schlagzeilen, zahlreiche Medien haben berichtet und Reporter in den Ort geschickt.
Open Questions
- Wann soll die Asylbewerberunterkunft genau eröffnet werden?
- Wie wird das Innenministerium auf den lokalen Protest reagieren?





