Tankrabatt und Friedenspreis an die NATO: Eine kritische Betrachtung
Quick Look
- Der Autor kritisiert den Tankrabatt der Bundesregierung als politisch unsinnig, da er weder die Belasteten entlastet noch Vertrauen schafft, sondern von Gruppen finanziert wird, die nichts davon haben.
- Gleichzeitig hinterfragt er die Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die NATO als beunruhigendes Zeichen militarisierter Zeiten und erwähnt den Film 'Digger' als extremes Beispiel schlechter Kinoerfahrungen.
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Why It Matters
Der Tankrabatt wurde als Entlastungsmaßnahme für Autofahrer angesichts hoher Spritpreise eingeführt, während das Deutschlandticket kostet und die NATO aufgrund ihrer Rolle in der kollektiven Verteidigung und Krisenprävention international anerkannt wird.
Um die ökonomische und ökologische Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme ging es an dieser Stelle schon einmal, ich halte nicht viel davon. Heute geht es mir aber um die Frage der politischen Sinnhaftigkeit des Tankrabatts. Ganz offensichtlich ist er ja als Signal der Bundesregierung gedacht, die damit zeigen möchte, dass sie die Nöte der preisbelasteten Verbrennerfahrerinnen und -fahrer lindern kann. Mit demonstrativer Handlungsfähigkeit will sie neues Vertrauen bei der Bevölkerung gewinnen.
Und da frage ich mich, ob das gelingt. Bei all jenen, die den Tankrabatt als unsoziale Gießkannensubvention kritisieren, ja schon einmal nicht. Bei den außen vor bleibenden Fahrerinnen und Fahrern von Elektroautos auch nicht. Ebenso wenig werden die Menschen besonders dankbar sein, die als Nutzer des Deutschlandtickets ab kommendem Jahr 3,80 Euro mehr pro Monat bezahlen sollen (mehr dazu hier). Und diese Gruppen finanzieren den Tankrabatt durch die damit verbundenen Steuerausfälle auch noch mit, obwohl sie nichts davon haben.
Es ist nicht zu erwarten, dass dem Bundeskanzler heute wieder die Tränen kommen. Wie erst vorgestern, als ihn bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises in Berlin der freundliche Empfang der anwesenden Schülerinnen und Schüler offenbar so überwältigte, dass Friedrich Merz seine Gefühle nicht mehr verbergen konnte (mehr dazu hier).
Heute ist eine derartige Aufwallung wohl ausgeschlossen: Merz hält in Münster die Laudatio bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises. Der Preis ist mit 100.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben, zur Hälfte an Persönlichkeiten oder Repräsentanten von Staaten und Gruppen, die sich für den Zusammenhalt Europas eingesetzt haben; zur anderen an eine entsprechende Jugendorganisation. Friedenspreisträgerin ist diesmal die Nato, überreicht wird die Auszeichnung ihrem Generalsekretär Mark Rutte.
Ich will gar nicht bestreiten, dass sich die Preisverleihung an die Nato gut begründen lässt: Sie ist ein Verteidigungsbündnis und hat durch ihre abschreckende Wirkung in den vergangenen Jahrzehnten zur Stabilität in Europa beigetragen. Dass aber ein Friedenspreis, mit dem früher mal die Dirigenten Kurt Masur und Daniel Barenboim und zuletzt die Holocaustüberlebende Margot Friedländer geehrt wurden, in diesem Jahr ausgerechnet an eine Militärorganisation geht, ist nur ein weiteres beunruhigendes Zeichen für die waffenstarrenden Verhältnisse unserer Gegenwart. Ich finde das zum Heulen.
Heute ist Donnerstag, da laufen im Kino die neuen Filme an, und darunter auch einer, dessen Trailer mich einigermaßen ratlos gemacht haben. Da führte ein Mann mit einer Schaufel einen seltsamen Tanz auf, und das war, wie man nur auf den zweiten Blick und ungläubig feststellen konnte, der auf alt und unansehnlich gestylte Superstar Tom Cruise. Sehr, sehr seltsam und rätselhaft. Muss man das sehen?
Meine Kollegin, unsere Filmkritikerin Hannah Pilarczyk, hat »Digger« schon gesehen – und ist, sagen wir mal, beeindruckt: »Es waren die schrecklichsten 128 Minuten, die ich 2026 bislang im Kino verbracht habe.« Bei der Pressevorführung sei sie gebeten worden, keine Überraschung zu verraten, aber Hannah meint, das sei gar nicht möglich, denn es gab keine in diesem Film: »Es entwickelt sich nämlich nichts darin zum Besseren, es bleibt einfach konstant schrecklich.« Was der mexikanische Regisseur Alejandro González Iñárritu da angerichtet habe, sei »schreckliches Dicke-Eier-Kino«. Und ich weiß jetzt zwar noch nicht, ob ich mir »Digger« trotz Hannahs Warnung doch ansehen werde, aber eines kann ich schon sagen: Das waren die furiosesten 4500 Zeichen Filmverriss, die ich 2026 bislang bei uns gelesen habe.
Übrigens, falls Sie sich jetzt fragen, ob da auch Sandra Hüller mitspielt, weil Sandra Hüller doch jetzt in jedem Film mitspielt: Da kann ich Sie beruhigen. Sandra Hüller spielt natürlich auch mit.
Die ganze Geschichte hier: Sind das die schrecklichsten 128 Filmminuten des Jahres?
Open Questions
- Wie hoch sind die konkreten Steuerausfälle durch den Tankrabatt?
- Welche alternativen Maßnahmen wurden zur Entlastung von Pendlern diskutiert?
- Warum wurde die NATO speziell in diesem Jahr mit dem Friedenspreis ausgezeichnet?

