
Fünf Verbände bieten 1,3 Prozent Entgelterhöhung ab Juli 2028; IG Metall lehnt ab und kündigt Warnstreiks an.
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Die Metall- und Elektroindustrie verzeichnete seit 2019 einen Abbau von rund 350.000 Arbeitsplätzen. Die Branche leidet unter hohen Energiekosten und strukturellen Wettbewerbsproblemen.
Fünf Arbeitgeberverbände aus der Metall- und Elektroindustrie haben ein einheitliches Tarifangebot vorgelegt, das eine Entgelterhöhung von 1,3 Prozent ab Juli 2028 vorsieht und bis Ende 2028 gilt.
Das Angebot beinhaltet eine Sonderzahlung von einem Prozent des durchschnittlichen Jahresbruttoentgelts Mitte 2027, zahlbar nur bei Erreichen einer bestimmten Mindest-Nettoumsatzrendite.
Die IG Metall verlangt fünf Prozent mehr Lohn ab November und kündigt Warnstreiks an, sie kritisiert das Angebot als zu niedrig und ohne Perspektive für Beschäftigung und Standorte.
Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter betont die Einigkeit bei der Einschätzung der Krise, fordert eine erweiterte Differenzierung im Tarifvertrag und ein neues Instrument zur Sicherung von Investitionen und Beschäftigung.
Berlin. In der Not rücken die Arbeitgeber der deutschen Metall- und Elektroindustrie zusammen: Erstmals in der Tarifgeschichte haben sie zum Auftakt der zweiten Verhandlungsrunde in den regionalen Tarifverhandlungen zeitgleich in fünf Tarifgebieten ein abgestimmtes Angebot vorgelegt.
Demnach sollen die Tarifentgelte für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie ab Juli 2028 um 1,3 Prozent steigen, teilte der Arbeitgeberverband Gesamtmetall am Dienstag mit. Der neue Tarifvertrag soll 26 Monate bis Ende 2028 laufen.
Zudem sieht das Angebot der Arbeitgeber eine Sonderzahlung von einem Prozent des durchschnittlichen Jahresbruttoentgelts Mitte 2027 vor. Die volle Summe sollen aber nur Betriebe zahlen, die eine bestimmte Mindest-Nettoumsatzrendite erreichen.
Daneben wollen die Arbeitgeber mit der Gewerkschaft über die hohen Krankenstände und Maßnahmen zur Senkung der Krankheitskosten sprechen. Zudem drängen sie darauf, Künstliche Intelligenz (KI) schneller in den Betrieben einführen zu können.
Die IG Metall wies das Angebot als unzureichend zurück. Es bleibe deutlich hinter den Erwartungen der Beschäftigten zurück und enthalte keine tragfähige Perspektive für die Zukunft der Standorte und Arbeitsplätze, hieß es etwa in Baden-Württemberg.
Für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie verlangt die Gewerkschaft ab November fünf Prozent mehr Lohn und um 110 Euro höhere Ausbildungsvergütungen. Den nächsten Tarifvertrag will sie auf zwölf Monate begrenzen.
„Die Entgelterhöhung ist zu niedrig und kommt zu spät. Für die Beschäftigten bedeutet das einen Reallohnverlust“, sagte Barbara Resch, Verhandlungsführerin der IG Metall im Südwesten. Zugleich kündigte sie Warnstreiks ab dem 1. November an.
Vor allem fehle ein Konzept, das Beschäftigung und Standorte in Baden-Württemberg in die Zukunft führe, sagte Resch. „So wird es schwierig, schnell zu einem guten Ergebnis zu kommen. Die Beschäftigten brauchen Sicherheit für ihr Einkommen und ihre Arbeitsplätze. Das gehört für uns untrennbar zusammen.“
Auch die IG Metall hatte zuvor gefordert, den Tarifabschluss nach der Lage der einzelnen Unternehmen zu differenzieren, allerdings in Form einer Gewinnbeteiligung. Nötig sei ein „Paket, das allen Betrieben gerecht wird“, forderte Resch. „Wer strauchelt, braucht Unterstützung. Wer Gewinne macht, muss in Standort und Beschäftigte investieren. Die Beschäftigten brauchen in jedem Fall mindestens einen Inflationsausgleich und eine tabellenwirksame Entgelterhöhung.“
Hintergrund ist die schwierige Lage weiter Teile der Branche. Nach Angaben von Gesamtmetall fielen dort seit 2019 fast 350.000 Arbeitsplätze weg. Massive Probleme haben vor allem die Autobauer und ihre Zulieferer sowie die Maschinenbauer. Zugleich gehören aber auch boomende Unternehmen im Rüstungsbereich, der Luft- und Raumfahrt oder des Schienenfahrzeugbaus zum Geltungsbereich des Tarifvertrags.
Über das Ausmaß der Krise sei man sich mit den Vertretern der Arbeitnehmer einig, sagte Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter. Aber „das Ausmaß der Bedrohung für weitere Zehntausende Arbeitsplätze ist offensichtlich in großen Teilen der Gewerkschaft noch nicht angekommen“, fügte er hinzu.
Das ungewöhnliche gemeinsame Angebot von fünf Regionalverbänden am Dienstag nannte Dinglreiter ein „klares Signal der Geschlossenheit unserer Verbände“ in der „längsten und schwersten strukturellen Krise dieses Industriezweigs seit Gründung der Bundesrepublik“. Die Verbände vermittelten es der IG Metall zum Auftakt der zweiten Verhandlungsrunde in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und im Norden. Die übrigen Tarifgebiete sollen in Kürze folgen.
„Die Metall- und Elektroindustrie ist seit 2018 strukturell im Abwärtstrend, denn nicht mehr wettbewerbsfähige Standortbedingungen wie zu hohe Arbeitskosten machen die Produktion am Standort Deutschland für viele unserer Unternehmen unrentabel“, sagte Dinglreiter. Daher gelte es nun, die fortschreitende Deindustrialisierung und den inzwischen dramatischen Verlust von Arbeitsplätzen zu stoppen.
Unverzichtbar für eine Lösung sei, dass die bestehende „automatische Differenzierung“ im Tarifvertrag ausgeweitet und dauerhaft etabliert werde. Gemeint ist das erlaubte, geregelte Abweichen von Mindeststandards. Nach diesem Instrument des Tarifrechts darf die Unternehmensführung ohne Rücksprache mit der Gewerkschaft etwa einmalige Zahlungen kürzen, wenn das Unternehmen die Bedingung dafür erfüllt.
Hinzukommen müsse aber „ein betriebliches Instrument zur Sicherung von Investitionen, Innovationen, Standorten und Beschäftigung“, sagte der Gesamtmetall-Präsident.
Zugleich appellierte Dinglreiter an die Fähigkeit der Tarifpartner zum Kompromiss: Gerade in der Metall- und Elektroindustrie hätten diese immer wieder bewiesen, dass sie „in außerordentlichen Krisenlagen die Kraft für kluge tarifpolitische Entscheidungen finden“.
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Beginn von Warnstreiks ab dem 1. November.
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