Trumps Ärger über Forbes-Vermögensliste zeigt gesellschaftliche Faszination mit Reichtum
Quick Look
- Donald Trump forderte vor drei Jahren eine Entschuldigung von Forbes, nachdem er aus der Liste der 400 reichsten Amerikaner gefallen war.
- Der Vorfall zeigt, wie sehr solche Vermögensrankings öffentliche Aufmerksamkeit erregen, obwohl ihre Berechnungen oft auf Schätzungen beruhen und von den Reichen selbst kritisiert werden.
- Die Listen haben jedoch auch politische Bedeutung, da sie Einblick in Vermögensverteilung und Machtstrukturen geben.
AI-generated summary
Why It Matters
Vermögenslisten wie die von Forbes haben eine lange Geschichte und dienen sowohl der öffentlichen Neugier als auch politischen Debatten über Vermögensverteilung und Steuerpolitik.
Über den amerikanischen Präsidenten Donald Trump kursieren die absurdesten Geschichten, auch abseits seines politischen Tuns. So auch diese: Vor rund drei Jahren forderte er von „Forbes“ eine Entschuldigung. Das Magazin hatte seine alljährliche Liste der 400 wohlhabendsten Amerikaner veröffentlicht, und Trump war nicht mehr darauf zu finden. Laut der Auswertung war sein Vermögen um 600 Millionen Dollar gefallen und Trump damit von der Liste gerutscht. Das gefiel ihm nicht, und er setzte einen Post auf seiner Plattform Truth Social ab. „Forbes“ betreibe ein Propagandaspiel gegen ihn, wetterte er.
Man könnte meinen, Menschen wie Trump hätten Besseres zu tun, als sich über ihren Platz in einem Vermögensranking zu echauffieren, zumal er in der Zeit nicht mal im Amt war. Wie wichtig solche Listen genommen werden, zeigt der Vorfall aber allemal. Es sind längst nicht nur Exzentriker wie Trump, die darüber reden. Die Frage, wer wie reich ist, beschäftigt auch die breite Gesellschaft. Neuen Gesprächsstoff werden die kommenden Tage liefern, denn dann veröffentlicht „Forbes“ die neue Liste der reichsten Amerikaner.
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„Das Interesse ist von Voyeurismus getragen"
Ziemlich sicher ist, dass Elon Musk wieder eine Spitzenposition einnimmt. Im vergangenen Jahr dominierte er mit 428 Milliarden Dollar das Ranking, mittlerweile hat er sein Vermögen verdoppelt, auch dank des Börsengangs seiner Firma SpaceX. Die reichste Frau war im Vorjahr die Walmart-Erbin Alice Walton. Meta-Chef Mark Zuckerberg schaffte es auf Platz drei, gefolgt von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Ob sie alle ihren Rang auch in diesem Jahr halten? Wer ist neu, wer fällt von der Liste? Es bleibt spannend.
So mancher mag angesichts der Berichterstattung darüber aufstöhnen und sich fragen, was ihn die Reichen angehen. Tatsächlich aber haben diese Listen über die Jahrzehnte enorme Popularität erlangt. Schon Anfang der Zehnerjahre des 20. Jahrhunderts gab es in Deutschland eine Millionärsliste mit dem Vermögen der Großbürger und Adeligen, sie sorgte damals für ziemlich viel Furore. Anfang der Achtzigerjahre nahmen sich dann auch Journalisten des Themas an.
Für Außenstehende geben solche Zahlen einen Einblick in eine Welt, die sonst den meisten Menschen verschlossen bleibt. „Das Interesse ist durchaus von einem gewissen Voyeurismus getragen“, sagt Hanna Kuusela, die sich an der finnischen Universität Jyväskylä mit den Eliten und ihrem Vermögen beschäftigt. Die Neugier auf das Leben der Reichen sei zuletzt besonders gewachsen, sagt sie, befeuert auch durch Serien wie „Succession“, die das Leben der Wohlhabenden porträtieren. Gleichzeitig haben für Kuusela diese Auswertungen ernsthafte gesellschaftliche Dimensionen. Denn Vermögen gehe oft mit Macht einher, etwa durch die Nähe zur Politik. „Für eine Demokratie ist es sehr wichtig zu wissen, wer viel Vermögen hat“, sagt sie. Zudem geben die Listen Auskunft über die Herkunft des Reichtums. Kam er früher häufig aus der Industrie, stehen heute viele Techmilliardäre in den Auswertungen – und Erben, deren Eltern oder Großeltern erfolgreiche Unternehmer waren.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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Die „Forbes“-Liste der 400 reichsten Amerikaner ist längst nicht die einzige. Das Magazin veröffentlicht auf seiner Website zusätzlich ein Ranking der Ultrareichen, das sich im Minutentakt aktualisiert. Auch andere Medien wie Bloomberg oder – hier in Deutschland – das „Manager-Magazin“ erstellen solche Auswertungen. Sogar Ökonomen greifen für ihre Forschung inzwischen darauf zurück, denn die statistischen Ämter erfassen meist nur das Einkommen der Bürger, nicht aber deren Vermögen – und schon gar nicht flächendeckend. Und auf die Ergebnisse berufen sich wiederum Politiker oder Organisationen wie Oxfam, wenn sie eine neue Vermögen- oder Erbschaftsteuer fordern. Kurz: Die Rankings der Reichen haben ein beträchtliches politisches Gewicht. Umso drängender ist die Frage, woher deren Ersteller überhaupt wissen, wie reich Elon Musk und Co. sind. Ihre Kontoauszüge dürften die Reichen den Medien kaum zuspielen.
Die Berechnungen basieren teils auf Schätzungen
Die kurze Antwort lautet: Auf den Dollar genau – oder besser gesagt: auf die Million genau – kann „Forbes“ das nicht wissen. Die längere Antwort ist umso interessanter. Zur Methodik gibt „Forbes“ an, mit den Wohlhabenden und deren Umfeld zu sprechen, etwa mit Vermögensverwaltern, Mitarbeitern oder Konkurrenten. Das gelingt freilich nur, wenn diese zu Gesprächen bereit sind, was nicht immer der Fall sein dürfte. Zusätzlich durchforsten die Journalisten Dokumente zu den Unternehmen der Reichen und deren Beteiligungen. Auch andere Vermögenswerte wie Immobilien, Yachten, Schmuck oder Privatjets fließen ein, nach ihren Angaben sogar Schulden. Und dennoch muss auch Forbes einräumen, in manchen Bereichen nur auf Schätzungen zurückgreifen zu können.
An solchen Listen wirkt auch Andreas Bornefeld mit. Der Politologe recherchiert zu deutschen Vermögensverhältnissen und arbeitet sowohl an der weltweiten „Forbes“-Auswertung mit als auch an der Liste der reichsten Deutschen, die das „Manager-Magazin“ jährlich herausgibt. Er kennt also auch die regionalen Unterschiede. „In den USA ist es oft etwas einfacher, weil dort viel Vermögen aus börsennotierten Unternehmen stammt“, sagt er. In Deutschland sei das oft schwieriger. Dann zieht er zusätzlich das Handelsregister hinzu, um Einblick in die Unternehmen zu bekommen und daraus das Vermögen der Inhaber abzuleiten. Der Wert von Immobilien, Oldtimern oder Kunstsammlungen wiederum lässt sich nur schwer schätzen. „Oft ist ja nicht einmal bekannt, wer was besitzt“, sagt er.
Eine Korrektur gibt es üblicherweise dann, wenn sich die Reichen selbst melden. So manche Auswertung dürfte genau darauf spekulieren, um an neue Daten zu kommen. Andere Genannte wiederum wehren sich dagegen, überhaupt aufzutauchen. Denn auch das gehört zur Wahrheit solcher Listen: So spannend es ist, mehr über das Vermögen der anderen zu erfahren, den eigenen Namen möchten viele Reiche nicht in einem Ranking lesen. Für viele gilt noch immer der Grundsatz: Über Geld spricht man nicht. Und auch Sicherheitsbedenken werden gern ins Feld geführt.
Ob die Gesellschaft überhaupt das Recht hat, mehr über die Vermögensverhältnisse Wohlhabender zu erfahren, wurde sogar gerichtlich behandelt. Im Jahr 2011 ging der Bofrost-Gründer Josef Boquoi gegen die Auswertung des „Manager-Magazins“ vor. Im Kern drehte sich der Streit darum, wie viele Medien über das Vermögen wohlhabender Menschen berichten dürfen. Zudem sei die genannte Höhe von Boquois Vermögen falsch gewesen, hieß es damals von seinem Anwalt. Das Gericht aber urteilte, es bestehe ein berechtigtes öffentliches Interesse an Personen mit einem sehr hohen Vermögen. Das Urteil liegt einige Jahre zurück, doch die Botschaft gilt bis heute: Die Listen wird es wohl weiter geben, ob es den darauf Genannten passt oder nicht.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Elon Musk wird auch in der kommenden Forbes-Liste der reichsten Amerikaner eine Spitzenposition einnehmen.
Very likely · Within days
Die Veröffentlichung der neuen Forbes-Liste wird verstärkt öffentliche Diskussionen über Vermögensverteilung in den USA auslösen.
Likely · Within days
Open Questions
- Wie genau werden die Werte von nicht börsennotiertem Vermögen wie Kunst oder Immobilien geschätzt?
- Welche rechtlichen Grenzen gibt es für die Veröffentlichung von Vermögensangaben reicher Personen?
- Wie beeinflussen solche Listen tatsächlich politische Entscheidungen zu Steuerreformen?






