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Uefa-Gipfel in Berlin: Die Suche nach dem Gegenkandidaten zu Fifa-Präsident Infantino
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Uefa-Gipfel in Berlin: Die Suche nach dem Gegenkandidaten zu Fifa-Präsident Infantino

Beim Uefa-Gipfel in Berlin beraten deutsche Funktionäre über die Zukunft der Fifa. Ziel ist ein Gegenkandidat zu Gianni Infantino – doch die Suche ist komplex.

Quick Look

  • Beim Uefa-Gipfel in Berlin suchen Spitzenvertreter nach einem Gegenkandidaten für Fifa-Präsident Gianni Infantino für die Wahl im März 2027.
  • Mögliche Namen wie Victor Montagliani und Scheich Salman bringen jedoch Hürden und Altlasten mit sich.

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Why It Matters

Beim Uefa-Gipfel in Berlin beraten Vertreter über die Zukunft der Fifa und suchen einen Gegenkandidaten zu Gianni Infantino für die Wahl im März 2027.

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Drei Deutsche sitzen mit am Tisch, wenn es beim Uefa-Gipfel am 8. und 9. Oktober in Berlin um die Zukunft der Fifa geht. Die Mission: Die Runde soll einen Gegenkandidaten zu Fifa-Präsident Gianni Infantino finden. Der 56 Jahre alte Italo-Schweizer steht nach dem von der Uefa verhinderten Verkauf von kommerziellen Rechten an Fifa-Wettbewerben wie der Fußball-Weltmeisterschaft und der Klub-WM an einen US-Investor in der Kritik wie nie zuvor. Auf dem Fifa-Kongress im März 2027 in Rabat/Marokko soll er bei der Neuwahl gestürzt werden.

Für den DFB sind im „The Ritz-Carlton“ in Berlin dabei: Präsident Bernd Neuendorf, Generalsekretär Holger Blask sowie Vizepräsident und Bundesliga-Boss Hans-Joachim Watzke als Mitglied des Uefa-Exekutivkomitees.

Doch wer glaubt, dass die Spitzenvertreter der 55 Uefa-Mitgliedsverbände unter Führung von Präsident Aleksander Čeferin bereits einen Namen öffentlich machen, der irrt. Nach Informationen dieser Redaktion aus Uefa-Kreisen ist das eher unwahrscheinlich. Es dürfte vielmehr ein taktisches Spiel auf Zeit geben.

Infantinos Gegenkandidat soll voraussichtlich erst Ende Oktober präsentiert werden – das wären rund drei Wochen vor Ablauf der Fifa-Bewerbungsfrist für den Präsidentenposten am 18. November. Die Idee dahinter: Infantino und seine Handlanger sollen möglichst wenig Zeit bekommen, den Herausforderer unter Druck zu setzen und in Misskredit zu bringen. Denn eines will die Uefa unbedingt vermeiden: dass der Kandidat aufgrund des Gegenwinds aus der Fifa-Zentrale in Zürich seine Bewerbung noch zurückzieht.

Topkandidat schleppt eine Altlast mit sich herum

Bis zur Entscheidung Ende Oktober werden mögliche Bewerber von der Uefa genau unter die Lupe genommen. Nicht nur auf ihre Qualitäten – sondern auch auf mögliche Probleme, mit denen sie Angriffsflächen bieten könnten.

Ein Name, der dabei besonders interessant erscheint, ist Victor Montagliani aus Kanada. Der 61 Jahre alte Concacaf-Präsident, zuständig für Nord-, Mittelamerika und die Karibik, wird in den Medien als möglicher Kandidat gehandelt. Sein Kontinentalverband unterstützt genau wie die asiatische AFC die Uefa bei ihrem Bemühen, Infantino zu stürzen.

Montagliani könnte eine Altlast einholen. 2021 forderten Spielerinnen der Vancouver Whitecaps seine Suspendierung. Der Vorwurf: Montagliani sei 2008 als Vizepräsident des kanadischen Verbandes nicht angemessen mit Missbrauchsanschuldigungen gegen Bob Birarda umgegangen, damals Trainer der Whitecaps und der U-20-Frauen-Nationalmannschaft. Zwar wurde Birarda gefeuert, aber die Gründe wurden verschwiegen, er konnte daher im Mädchenfußball weiterarbeiten. 2022 dann wurde er wegen sexueller Übergriffe, die er über Jahrzehnte an Spielerinnen begangen hatte, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Montagliani wies die Vorwürfe gegen sich zurück, die Anschuldigungen seien „mit Nachdruck“ behandelt worden. Und er setzte seine Funktionärskarriere fort.

„Wir Europäer werden als arrogant wahrgenommen“

Die Uefa steckt nun in einem Dilemma. Montagliani, seit 2016 Fifa-Vize unter Infantino, würde ohnehin nicht für einen echten Neuanfang stehen. Er gilt als „kleinster gemeinsamer Nenner“, auf den sich die 55 Europa-Verbände einlassen könnten. Aber: Da­raus folgt nicht automatisch, dass ein europäischer Kandidat umgekehrt auf die Unterstützung aller 41 amerikanischen Concacaf-Verbände zählen könnte.

Leverkusens Geschäftsführer Fernando Carro, Vorstandsmitglied des europäischen Klub-Verbandes EFC und Mitglied der Uefa-Kommission für Klubwettbewerbe (CCC), bringt das Problem auf den Punkt. „Wir Europäer werden in Teilen der Welt als etwas arrogant wahrgenommen, weil man uns nachsagt, uns als Nabel der Fußball-Welt zu verstehen“, sagte Carro gegenüber „Sport Bild“: „Wer eine Veränderung an der Spitze der Fifa erreichen will, benötigt deshalb einen Kandidaten, der auch außerhalb von Europa überzeugt und Mehrheiten gewinnen kann.“

In Zahlen bedeuten diese Sätze: Infantinos Herausforderer muss weltweit mindestens 106 der 211 Fifa-Stimmen einsammeln können.

Ein weiterer Name, der medial gehandelt wird, ist der von Scheich Salman aus Bahrain. Doch auch dem 60-jährigen Fifa-Vizepräsidenten haftet ein Malus an. Nicht nur, weil er Infantino bereits bei dessen Amtsantritt 2016 unterlag. Aus Uefa-Kreisen heißt es zudem, dass die wachsende Macht und der zunehmende Einfluss arabischer Akteure im Weltfußball schon jetzt Misstrauen auslösen würden. Als Beispiele gelten die trotz Menschenrechtsverletzungen vergebenen Weltmeisterschaften 2022 an Katar und 2034 an Saudi-Arabien. Beide Herrscherhäuser stellen sich nun hinter Infantino, den auch Afrika (Caf) und Südamerika (Conmebol) unterstützen.

Infantino pflegt gute Beziehungen in den Nahen Osten

Erst diese Woche deklarierten die nationalen arabischen Verbände ihre Unterstützung für den amtierenden Präsidenten. In einer Erklärung der Union of Arab Football Associations (UAFA) hieß es: „Gianni Infantino hat in den vergangenen zehn Jahren die Einheit der weltweiten Fußball-Gemeinschaft gestärkt, den Fußball weiterentwickelt und seine globale Reichweite deutlich vergrößert.“ Zu den Verbänden zählen unter anderem auch die WM-Gastgeber Katar (2022) und Saudi-Arabien. Der Ausrichter der WM 2034 hatte seine Unterstützung Ende August noch mit einer zeitlichen Einschränkung ausgesprochen. In die Region pflegt Infantino traditionell gute Beziehungen.

Und dann ist da noch das heikle Thema Multi-Club-Ownership – also Mehrfachbeteiligungen an Fußballvereinen. Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman ist mit dem Staatsfonds PIF Besitzer von Newcastle United und mehrerer Klubs der Saudi Pro League, darunter Al-Nassr mit Portugals Altstar Cristiano Ronaldo. PIF investierte zudem eine Milliarde US-Dollar in den Streaming-Dienst DAZN. Dafür erwarb DAZN von der Fifa die TV-Rechte an der Klub-WM 2025 in den USA.

Und Saudi-Arabien ist längst nicht das einzige Beispiel. Auch Scheich Mansour aus den Vereinigten Arabischen Emiraten mischt im globalen Fußball kräftig mit. Seine City Football Group (CFG) ist an 13 Klubs weltweit beteiligt, darunter Manchester City. Für die Uefa stellt sich deshalb eine grundsätzliche Frage: Ist der Einfluss des Nahen Ostens auf den Weltfußball schon jetzt zu groß?

Nicht ausgeschlossen werden könne daher, verlautet es aus der Uefa, dass einige Europäer aus Angst vor einem Ausverkauf des Fußballs an die Golf-Staaten und deren unerschöpfliche Öl-Reserven einem arabischen Kandidaten für den Fifa-Thron ihre Stimme verweigern.

Der Kampf um die Fifa-Spitze ist längst mehr als ein Duell zwischen Infantino und einem Herausforderer. Es geht um Macht und Einfluss, um Milliarden – und um die entscheidende Frage: Wer bestimmt künftig die Richtung des Weltfußballs?

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Präsentation des Uefa-Gegenkandidaten Ende Oktober

    Likely · Within weeks

Open Questions

  • Wer wird der offizielle Gegenkandidat der Uefa?
  • Kann sich ein europäischer Kandidat weltweit durchsetzen?

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This article was originally published by Die Welt.

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