Ulrich Wickert ist schockiert von Gewalt in Frankreich – und kritisiert Macron
Nach schweren Ausschreitungen und Plünderungen in Frankreich äußert sich der langjährige Journalist Ulrich Wickert entsetzt. Er sieht jedoch eine historische Kontinuität bei Protesten und warnt vor einer Präsidentschaft Le Pens.
Quick Look
- Der frühere Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert zeigt sich entsetzt über schwere Ausschreitungen und Plünderungen bei Demonstrationen in Frankreich.
- Im Interview unterscheidet er zwischen legitimen Protesten und Krawallmachern, bewertet Präsident Macron kritisch und warnt vor Marine Le Pen.
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Why It Matters
In Frankreich kam es bei landesweiten Protesten gegen Lebenshaltungskosten und Schulbedingungen zu schweren Ausschreitungen und Plünderungen.
Für die ARD-Zuschauer war er jahrzehntelang der Deutsche in Frankreich: Ex-„Tagesthemen“-Moderator Ulrich Wickert ist dem Nachbarland privat wie beruflich eng verbunden.
Gegenüber „Bild“ gab der mittlerweile 83-Jährige nun ein Urteil über die Demonstrationen und anschließenden Ausschreitungen und Plünderungen in mehreren großen Städten ab. „Ich bin entsetzt über die heftigen Ausschreitungen und was da alles zerstört wurde“, sagte der frühere Leiter des Pariser ARD-Studios (ab 1984, dann Moderation der „Tagesthemen“ ab 1991).
Aber die Erfahrung zeige auch, so sagt Wickert weiter: „Solche Eskalationen bei Demonstrationen sind in Frankreich leider nichts Neues. Schon als ich in den 80er-Jahren als Korrespondent in Paris war, habe ich heftige Proteste erlebt. Damals feuerte die Polizei auch in die Menge, einem Jungen wurde dabei die Hand weggeschossen. Auch später haben wir immer wieder erlebt, dass Demonstrationen eskalierten, etwa bei den Gelbwesten-Protesten.“
Wickert, der in dritter Ehe mit der Medien-Managerin Julia Jäkel verheiratet und Vater von insgesamt drei Kindern ist, lebt dem Bericht zufolge mittlerweile auch in Südfrankreich. Schon als Kind verbrachte der Sohn eines deutschen Diplomaten (Erwin Wickert) mehrere Jahre in Frankreich.
Bereits 149 Verurteilungen nach den landesweiten Protesten
Am Samstag hatten Demonstranten in mehreren französischen Städten Autos angezündet, öffentliche Gebäude gestürmt und Geschäfte geplündert. Die Proteste richteten sich zu Beginn gegen steigende Lebenshaltungskosten und schlechte Bedingungen an Schulen. Die Behörden machten linksextreme Gruppen und Plünderer, die die Lage ausgenutzt hätten, für die Gewalt verantwortlich.
Mindestens 2400 Menschen wurden festgenommen. Justizminister Gérald Darmanin zufolge waren bis Dienstagmittag landesweit 149 Menschen zu Haftstrafen verurteilt worden. Mehr als 800 Festgenommene wurden nach Angaben des Justizministeriums den Staatsanwaltschaften vorgeführt. Die meisten wurden entweder sofort vor Gericht gestellt oder müssen zu einem späteren Termin erscheinen.
Ulrich Wickert erklärte gegenüber „Bild“, dass die ursprünglichen Bildungsproteste von den späteren Ausschreitungen unterschieden werden müssten. „Das Problem sind für mich diejenigen, die man in Frankreich ‚les casseurs‘ nennt – die bewussten Krawallmacher. Das sind keine Demonstranten, sondern Menschen, die einfach Lust am Krawall und am Zerstören haben.“
Seine Einschätzung sei deshalb die folgende: „Wenn Rathäuser angezündet oder Geschäfte geplündert werden, hat das mit Forderungen nach besseren Schulen oder höheren Einkommen nichts zu tun. Für mich sind das keine Leute mit politischen Ambitionen. Ich glaube, dass sie mit ihrem eigenen Leben, ihren Lebensumständen und ihrem Blick in die Zukunft unzufrieden sind. Sie leben aus einem Moment des Hasses und der Gewalt heraus.“
Wickert warnt vor einer Präsidentin Le Pen
Von den „Bild“-Reportern wurde der Journalist auch um eine Einschätzung der aktuellen politischen Situation gebeten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schätzte er „als Person unglaublich“, so Wickert. Macron sei „ein sehr gebildeter und sympathischer Mensch, aber leider ein schlechter Politiker“.
Der Staatspräsident habe „ohne Not“ das Parlament aufgelöst und dadurch eine Situation geschaffen, „in der kaum noch regiert“ werden könne. „Dieses politische Vakuum hat sicherlich dazu beigetragen, dass Menschen das Gefühl bekamen: Wir werden gar nicht mehr regiert“, so sein Fazit.
Sein Blick in die Zukunft fällt eher düster aus: Bei der kommenden Präsidentschaftswahl erwartet er ein Duell zwischen dem Linksaußen-Politiker Jean-Luc Mélenchon und der rechtsnationalen Politikerin Marine Le Pen. In einer eventuellen Stichwahl beider sehe er dann Le Pen vorn. Wickerts Prognose: „Eine Präsidentin Marine Le Pen wäre nicht nur ein großes Problem für das deutsch-französische Verhältnis, sondern für ganz Europa.“
Für Samstag sind neue Proteste angekündigt. Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu will dem mit einem Großaufgebot an Sicherheitskräften begegnen. Nach den schweren Ausschreitungen in den vergangenen Tagen werde der Polizeieinsatz „massiv“ ausfallen, sagte er in der Nationalversammlung.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Neue Proteste am kommenden Samstag mit massivem Polizeieinsatz
Very likely · Within days
Open Questions
- Wie stark wird das Polizeiaufgebot bei den kommenden Protesten sein?
- Welche langfristigen politischen Folgen haben die Verurteilungen?




