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US-Börsen: Märkte fürchten Sieg der Demokraten – Nikkei stürzt ab, US-Futures fallen
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Handelsblatt4 hours agoBusiness4 min readGermanyView translation

US-Börsen: Märkte fürchten Sieg der Demokraten – Nikkei stürzt ab, US-Futures fallen

Demokraten-Sieg führt zu Kursverlusten bei Tech- und KI-Aktien, US-Staatsanleihen und Dollar

Quick Look

  • Der überraschend große Erfolg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen hat in Asien und den USA zu deutlichen Kursverlusten geführt.
  • Die Tokioter Börse verlor stark, US-Futures gaben nach, und Tech- sowie KI-Aktien wie Microsoft, Meta und Oracle fielen deutlich.
  • Auch der Dollar und Bitcoin reagierten mit Verlusten.

AI-generated summary

Why It Matters

Der Artikel berichtet über die Auswirkungen der US-Zwischenwahlen auf die globalen Finanzmärkte. Seit 1990 kam es bei fast jeder Zwischenwahl in den USA zu geteilten Machtverhältnissen. Historisch erholte sich der S&P 500 oft in den Monaten nach den Midterms, doch zunächst ist mit erhöhter Volatilität zu rechnen. Die gesamte US-Schuldenlast ist dieses Jahr über die 40-Billionen-Dollar-Marke geklettert.

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Tokio, New York. Der überraschend große Erfolg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen hat in Asien zu deutlichen Kursverlusten geführt. Auch in den USA gaben die Futures aller großen Indizes nach. Ersten Prognosen zufolge werden die Demokraten künftig wieder die Mehrheit im Repräsentantenhaus inne haben. Auch eine Mehrheit im Senat gilt als ausgemacht.

Für den starken Ausschlag in Japan war aber auch ein Feiertag am Dienstag verantwortlich. Der Markt holte daher den starken Kursverlust von Halbleiter- und KI-Aktien vom Montag nach. Die US-Wahlen spielten dabei ebenfalls eine Rolle, wie die Marktentwicklung zeigte.

Die Tokioter Börse öffnete am Mittwochmorgen wegen unerwartet guter Bilanzzahlen des US-Chipkonzerns AMD zunächst noch leicht im Plus. Danach ging es jedoch – angetrieben von einem erneuten Vertrauensverlust in Künstliche Intelligenz (KI) – steil nach unten.

Auch an den US-Börsen zeichnen sich deutliche Verluste ab. Die Futures aller großen Indizes gaben in der Wahlnacht spürbar nach. Beim technologielastigen Nasdaq 100, der zuletzt in den Korrekturbereich gerutscht war, signalisierten die Futures Verluste von über zwei Prozent. Die Futures auf den marktbreiten S&P 500 notierten 1,2 Prozent im Minus, während die Kontrakte auf den Dow Jones 0,8 Prozent einbüßten. Bis auf den Dow Jones hatten alle großen Indizes am Dienstag noch im Plus geschlossen.

Ein Blick auf frühere US-Zwischenwahlen zeigt, dass eine gespaltene Regierung ein recht häufiges Ergebnis der US-Midterms ist. Seit 1990 kam es bei fast jeder Zwischenwahl in den USA zu geteilten Machtverhältnissen.

Und in den vergangenen Zwischenwahlen hat sich ein Muster gezeigt: Vor den Midterms präsentierte sich der S&P 500 schwächer, erholte sich aber oft in den Folgemonaten. Doch während der US-Aktienindex S&P 500 in 21 der vergangenen 23 Zwischenwahlen in einem Zeitraum von einem Monat vor der Wahl bis zwei Monate danach gestiegen ist, dürfte es zunächst zu erhöhter Volatilität an den Börsen kommen.

Der prognostizierte Wahlsieg der Demokraten hat sich auch am US-Anleihemarkt bemerkbar gemacht, der seit Monaten unter Druck steht. Im Asienhandel gaben die US-Staatsanleihen nach den ersten Ergebnissen der Zwischenwahlen nach. Die Rendite der zehnjährigen US-Bonds gab auf 4,901 Prozent nach.

Die steigende US-Staatsverschuldung, die Aussicht auf eine straffere Geldpolitik und eine Flut an KI-Anleihen hatten die Renditen der US-Bonds in den letzten Monaten auf neue Jahrzehntehochs getrieben. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Papiere war Mitte September auf über fünf Prozent geklettert. Nach den jüngsten Börsenturbulenzen griffen Anleger zuletzt aber wieder vermehrt zu den als sicher geltenden Schuldtiteln.

Dass die Renditen nun fallen, liegt daran, dass ein Sieg der Demokraten zu einer Entlastung am Anleihemarkt führen könnte. Eine geteilte Regierung mit einem republikanischen Präsidenten und einem demokratischen Kongress erschwert nach Ansicht der britischen Bank Barclays die expansive Fiskalpolitik der Regierung. Das könnte die Schuldenaufnahme der USA eingrenzen, deren gesamte Schuldenlast dieses Jahr über die 40-Billionen-Dollar-Marke geklettert ist.

„Eine geteilte Regierung bedeutet einfach weniger Staatsausgaben als in den letzten Jahren“, sagte Brij Khurana, Portfoliomanager bei Wellington Management, der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Historisch gesehen war eine geteilte Regierung in der Regel ziemlich gut für Staatsanleihen.“

Experten der Deutschen Bank wiesen zuletzt aber darauf hin, dass es darauf ankomme, ob Kompromisse zwischen den Parteien möglich seien. Ohne Einigung könnten die Staatsausgaben in den nächsten Jahren zwar unverändert bleiben. Sollte es aber zu parteiübergreifenden Vereinbarungen kommen, könnten die Ausgaben auch weiter steigen, ähnlich wie in Trumps erster Amtszeit. Nachdem die Demokraten bei den Zwischenwahlen 2018 die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewonnen hatten, stiegen die Ausgaben im darauffolgenden Haushaltsjahr um rund acht Prozent. Steigen die Schulden weiter, könnte das auch die Risikoprämie hochhalten.

Microsoft-Papiere fielen in der Wahlnacht um 1,9 Prozent, Meta gab rund zwei Prozent nach, Oracle verlor nachbörslich rund vier Prozent. Der Google-Mutterkonzern Alphabet stand zwei Prozent tiefer. Das Unternehmen hatte erst in der vergangenen Woche 500 Milliarden Dollar an Börsenwert innerhalb eines Tages vernichtet.

Der Grund für die Verluste: Im Wahlkampf stieg vielerorts der Widerstand der Bewohner gegen den Bau von KI-Rechenzentren, und gerade Demokraten nahmen die Forderung auf. Diese Sorge schlug sich besonders in den Aktienpreisen von Unternehmen nieder, die mit KI und der Halbleiterindustrie verbunden sind.

In Asien verlor der Speicherchiphersteller Kioxia bis zum Mittag in Japan 11,6 Prozent an Wert, der Tech-Investor Softbank, einer der Großinvestoren von OpenAI, brach um 9,0 Prozent ein. Auch die beiden südkoreanischen Marktführer von Arbeitsspeichern für KI-Anwendungen setzten ihren Kurssturz fort. Der Aktienkurs von SK Hynix, der noch mit Kursgewinnen in den Handelstag gestartet war, sank bis zum Mittag um 6,2 Prozent, Samsung Electronics lag 4,1 Prozent tiefer.

Bei der Wahl am Dienstag wurden in den USA die Weichen für die KI-Regulierung auf kommunaler und Bundesstaatsebene gestellt. Da es bislang noch keine einheitliche Regulierung auf nationaler Ebene gibt, rückt die regionale Gesetzgebung in den Fokus.

So gab es am Dienstag in mehreren Bundesstaaten mehr als 40 Bürgerentscheide rund um den Bau und Betrieb von Rechenzentren, 21 davon allein in Ohio. Dabei geht es um Grenzwerte, die eingehalten werden müssen, wie den Wasser- oder Stromverbrauch. In einigen Fällen geht es aber um ganze Bauverbote und Betriebsstopps. Der klare Sieg der Demokraten könnte für die Unternehmen und die Branche deutlich strengere Auflagen bedeuten.

Ob das Momentum gegen die Rechenzentren auch nach der Wahl anhält, daran haben einige Experten jedoch Zweifel. So schrieb Goldman Sachs kurz vor der Wahl in einer Analyse, dass das Interesse an Rechenzentren nach der Wahl am Dienstag abnehmen könnte.

Und laut DWS-Analyst Peter Doralt müssen Anleger auch die andere Seite der Medaille betrachten: „Sollte KI die Produktivität in breiterem Umfang steigern, könnten diese wirtschaftlichen Auswirkungen für die Aktienbewertung wichtiger sein als die politische Debatte um Rechenzentren.“

Der Bitcoin hat in der Wahlnacht auf einen möglichen Sieg der Demokraten im Kongress mit leichten Kursverlusten reagiert. Die älteste Kryptowährung der Welt gab um 0,6 Prozent auf 76.382 Dollar nach. Die Branche hatte während des Wahlkampfs vor allem republikanische Kandidaten unterstützt, von denen sie sich eine kryptofreundliche Regulierung erhofft hatte.

In Ohio, einem der umkämpften Senatssitze, wird stattdessen mit dem Demokraten Sherrod Brown ein bekannter Kritiker der Branche in den Senat einziehen. Kryptounternehmen wie Coinbase oder Ripple hatten 55 Millionen Dollar ausgegeben, um einen Einzug von Brown in den Senat zu verhindern.

Am Devisenmarkt verlor der Greenback gegenüber dem Euro leicht. Der Dollar gab um 0,6 Prozent nach und notierte bei 0,89 Euro. Ein demokratisch geführter Kongress, der die Haushaltsausgaben bremst, könnte die Renditen von US-Staatsanleihen weiter drücken – und damit aus Sicht von Experten auch den Zinsvorteil des Dollars schwächen.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Erhöhte Volatilität an den Börsen in den kommenden Wochen

    Likely · Within weeks

  • Strengere Auflagen für den Bau und Betrieb von Rechenzentren auf Bundesstaatsebene

    Possible · Within months

Open Questions

  • Wird die Demokraten-Mehrheit im Senat offiziell bestätigt?
  • Wie werden die Bürgerentscheide in Ohio und anderen Bundesstaaten die Rechenzentrumsbranche langfristig beeinflussen?
  • Welche konkreten Regulierungsmaßnahmen planen die Demokraten auf Bundesstaatsebene?
  • Wie wird sich die US-Staatsverschuldung unter einer geteilten Regierung entwickeln?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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