Varta-Gläubiger planen Herauslösung des Haushaltsbatteriegeschäfts
Eine Ad-hoc-Gläubigergruppe sieht in der Abspaltung des Haushaltsbatteriegeschäfts den aussichtsreichsten Weg zur Sicherung von Unternehmensteilen des angeschlagenen Batterieherstellers Varta.
Quick Look
- Angesichts einer Finanzierungslücke und unzureichender Sanierung planen wichtige Varta-Gläubiger, das Haushaltsbatteriegeschäft aus dem Unternehmen herauszulösen.
- Dies soll Teile des angeschlagenen Batterieherstellers sichern, während Mitgesellschafter Michael Tojner andere Bereiche fortführen will.
- Das Varta-Werk in Nördlingen schließt im Oktober aufgrund des Verlusts des Großkunden Apple.
AI-generated summary
Why It Matters
Varta geriet bereits 2024 in eine existenzbedrohende Krise und leitete ein Sanierungsverfahren ein, das Anfang April als abgeschlossen galt. Eine unabhängige Analyse ergab jedoch einen hohen operativen Liquiditätsbedarf und fehlendes Kapital.
Der angeschlagene Batteriehersteller Varta steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Eine Gruppe wichtiger Gläubiger will das Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Unternehmen herauslösen und auf eine neue Eigentümerstruktur übertragen. Nach Einschätzung der Geldgeber ist dies der aussichtsreichste Weg, um zumindest Teile des Unternehmens zu sichern.
Zu der sogenannten Ad-hoc-Gläubigergruppe gehören die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox. Zuvor hatten mehrere Medien über die Pläne berichtet.
Gläubiger sehen Finanzierungslücke
Die Gläubiger begründen ihren Kurswechsel mit der angespannten Finanzlage des Unternehmens aus Ellwangen (Baden-Württemberg). Eine unabhängige Analyse der Unternehmensberatung FTI habe einen operativen Liquiditätsbedarf im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich ergeben - also fehlendes Geld für das laufende Geschäft. Darüber hinaus sei weiteres Kapital erforderlich, um den Geschäftsbetrieb dauerhaft aufrechtzuerhalten.
Nach Angaben der Gläubiger habe sich trotz intensiver Gespräche bislang kein Investor oder anderer Beteiligter gefunden, der bereit sei, die benötigten Finanzmittel bereitzustellen. Deshalb wolle die Gruppe nun ihre vertraglichen Rechte aus den Finanzierungsvereinbarungen der Restrukturierung von 2024 ausüben. Die Umsetzung steht allerdings noch unter dem Vorbehalt behördlicher und weiterer Genehmigungen.
Sanierung reicht offenbar nicht aus
Varta war bereits 2024 in eine existenzbedrohende Krise geraten. Um eine Insolvenz abzuwenden, leitete das Unternehmen im Juli vergangenen Jahres ein Sanierungsverfahren nach dem Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) ein. Im Zuge der Restrukturierung schieden die bisherigen Aktionäre aus dem Unternehmen aus. Anfang April hatte Varta erklärt, die Neuaufstellung sei abgeschlossen.
Die nun bekannt gewordenen Pläne der Gläubiger deuten jedoch darauf hin, dass die damalige Sanierung nicht ausgereicht hat.
Tojner will Unternehmensteile erhalten
Der österreichische Unternehmer und Varta-Mitgesellschafter Michael Tojner will nach eigenen Angaben Teile des Unternehmens weiterführen. Der Augsburger Allgemeinen sagte er, dies werde allerdings nur mit einem weiteren Sanierungsverfahren und "harten Einschnitten" möglich sein.
Tojner kritisierte zugleich das Vorgehen der finanzierenden Banken. Mit dem Wegfall des Großkunden Apple sei allerdings klar gewesen, "dass die Varta in ihrer bestehenden Form nicht weitergeführt werden kann und einen weiteren Sanierungsschritt braucht".
Nach seinen Angaben will sich seine Beteiligungsgesellschaft um die Fortführung der Geschäftsbereiche Microbattery und Solutions bemühen.
Verlust von Apple belastet Varta zusätzlich
Apple hatte im Mai den Liefervertrag für Knopfzellenbatterien für AirPods gekündigt. Die Batterien sollen künftig in China gefertigt werden. Infolge dessen wird das Varta-Werk im bayerischen Nördlingen mit rund 350 Beschäftigten im Oktober geschlossen.
Tojner verwies zudem auf die schwierigen Rahmenbedingungen für die Batterieproduktion in Europa. "Hohe Energiepreise, hohe Lohnkosten und andere Standortnachteile machen die Entwicklung des Batteriegeschäftes in Europa im Vergleich zu Asien zu einer großen Herausforderung", sagte Tojner.
IG Metall: "Existenzen stehen auf dem Spiel"
"Das ist eine riesige Katastrophe", sagte Fabian Fink, Zweiter Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Aalen und Schwäbisch Gmünd, mit Blick auf die drohende Zerschlagung. Die Nachricht habe ihn schlagartig erreicht.
"Arbeitsplätze und Existenzen stehen auf dem Spiel - auch die vieler Familien." Fink forderte vom Unternehmen schnell Transparenz und Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen. Die Beschäftigten müssten so rasch wie möglich erfahren, wie es für sie weitergehe.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Das Varta-Werk in Nördlingen wird im Oktober geschlossen.
Very likely · Within months
Open Questions
- Wie genau wird die Herauslösung des Haushaltsbatteriegeschäfts strukturiert?
- Was passiert mit den verbleibenden Geschäftsbereichen von Varta?
- Welche konkreten Auswirkungen hat dies auf die Beschäftigten?







